8.10.2015 07:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Fütterung
GMF-Beitrag trotz Maiszukauf
Laut der Direktzahlungsverordnung können die Kantone auf Beitragskürzungen verzichten, wenn ÖLN- oder GMF-Anforderungen wegen Dürre nicht eingehalten werden können. Diese Regel soll nun zum Tragen kommen.

Bedingt durch die Hitze und die Trockenheit konnte vielerorts weniger Raufutter geerntet und weniger Mais siliert werden. Einige Betriebe sind nun gezwungen, Futter zuzukaufen. Das hat Folgen für die Nährstoffbilanz. Bei Betrieben, die sich für die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) angemeldet haben, kann der Zukauf von Mais, Rübenschnitzeln oder Kartoffeln zudem dazu führen, dass der Mindestanteil an Wiesenfutter nicht mehr eingehalten werden kann.

Höhere Gewalt

Betroffene Bauern dürfen hoffen, dass ihnen aufgrund der misslichen Lage nicht noch die Direktzahlungen gekürzt werden. Gemäss Direktzahlungsverordnung kann für ausserordentliche meteorologische Vorkommnisse nämlich höhere Gewalt geltend gemacht werden. Als höhere Gewalt zählen unter anderem  Starkniederschläge, Dürre, Frost oder Hagelschläge. 

In solchen Fällen ist vorgesehen, dass der Kanton auf Kürzung oder Verweigerung der Beiträge verzichten kann, wenn die Anforderungen an die Suisse-Bilanz im ÖLN oder an GMF nicht erfüllt werden.  Die Beurteilung der Situation obliegt den Kantonen. «Wir haben ihnen empfohlen, insbesondere bei Fragen der Beweidung von Biodiversitätsförderflächen und bei der Futterzufuhr auf Sömmerungsweiden den Artikel im Einzelfall anzuwenden», betont Jürg Jordi vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Doch auch bei Futtermangel im Talgebiet könne höhere Gewalt geltend gemacht werden.

Aargau stark betroffen

Der Kanton Aargau hat bereits ein Meldeformular veröffentlicht. Es muss bis am 1. Dezember ausgefüllt werden. Laut Daniel Müller von Landwirtschaft Aargau ist der ganze Kanton und insbesondere der nördliche Teil von der Sommertrockenheit stark betroffen: «Daher gehen wir davon aus, dass viele Landwirte eine Ausnahmeregelung benötigen.» Ob die Voraussetzungen dafür erfüllt seien, werde anhand der Suisse-Bilanz 2015 im Rahmen der ÖLN-Kontrolle überprüft.

Auch im Kanton Solothurn muss sich bis am 1. Dezember melden, wer ÖLN oder GMF wegen der Trockenheit nicht einhalten kann. «Ich rechne damit, dass etwa 50 bis 100 Bauern davon Gebrauch machen werden», schätzt Bernhard Strässle vom Bildungszentrum Wallierhof. «Wir werden jedes Gesuch einzeln beurteilen.» Die Abteilung Direktzahlungen vom Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern macht derzeit noch Abklärungen zu diesem Thema. Entschieden ist noch nichts.

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