28.09.2013 09:09
Quelle: schweizerbauer.ch -
St. Gallen
Geothermie St. Gallen: Spannung vor Tests
Beim Freiräumen des Bohrlochs des St. Galler Geothermie-Projekts ist es wieder zu leicht erhöhter seismischer Aktivität gekommen. Vorsichtshalber wurden die Fräsarbeiten in knapp 4400 Metern Tiefe gestoppt. Die geplanten Tests werden aber wie geplant durchgeführt.

Er habe «schon glücklichere und ruhigere Zeiten erlebt», sagte Stadtrat Fredy Brunner am Freitag an einer Medienkonferenz. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie viel Heisswasser im Malmkalk in rund 4400 Metern Tiefe vorhanden ist und ob auch Gas vorkommt. 

Zur Vorbereitung der Tests werden derzeit gelochte Rohre im untersten Abschnitt des Bohrlochs eingebaut. Zuvor wurde das Bohrloch freigeräumt und ausgefräst. Dabei kam es wieder vermehrt zu leichten Erschütterungen, wie Projektleiter Marco Huwiler erklärte. Die Fräsarbeiten wurde aus diesem Grund gestoppt. 

Packer mit Ventil 

Der für die geothermische Nutzung interessante Malmkalk sei trotzdem komplett erbohrt und freigeräumt, sagte Huwiler. Direkt darüber wird Anfang Oktober ein so genannter Packer mit verschliessbarem Ventil ins Bohrloch eingebaut. Sobald die Tests in der Tiefe abgeschlossen sind, wird der Bohrturm im Sittertobel abgebaut. 

Laut Huwiler ist nicht auszuschliessen, dass die Arbeiten weitere spürbare Beben auslösen. Die in den letzten Tagen gemessenen Erschütterungen seien allerdings so gering gewesen, dass sie der Schweizerische Erdbebendienst nicht einmal aufgezeichnet habe. Solche Mikrobeben gebe es auch bei anderen Geothermieprojekten. 

Unsicherheit und Respekt 

Fredy Brunner betonte seinen Respekt gegenüber der Geothermie. Eine gewisse Unsicherheit bleibe immer. Den kommenden Tests in der Tiefe schaue er optimistisch entgegen. Trotz Mehrkosten liege man bisher auch im Budget. 

Nach einem Erdbeben der Stärke 3,5 vom 20. Juli war das St. Galler Geothermie-Projekt vorübergehend gestoppt worden. Ende August beschloss der Stadtrat, die Arbeiten weiterzuführen. Der ermutigende Zuspruch aus der Öffentlichkeit habe dabei eine wichtige Rolle gespielt, sagte Brunner. Nicht mehr gefunden wurde eine Messsonde im Bohrloch, die kurz vor dem Erdbeben gekappt worden war. Die Suche mit speziellen Fangwerkzeugen wäre zu teuer geworden. 

Keine nennenswerten Schäden 

Seit dem Erdbeben erhielt die Stadt 310 Schadenmeldungen, die meisten davon wegen Rissen in Gebäuden. Bei vielen gemeldeten Schäden stellte sich heraus, dass sie nichts mit dem Erdbeben zu tun hatten.  

In einigen Fällen wurden Entschädigungen ausbezahlt, bisher total 55'000 Franken. Insgesamt habe es durch das Beben vom 20. Juli keine nenneswerten Schäden gegeben, sagte Fredy Brunner.

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