27.08.2013 14:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Nathalie Grand, sda
St. Gallen
Geothermie: Sanktgaller Projekt wird fortgesetzt
Der St. Galler Stadtrat hat einen mutigen Entscheid gefällt: St. Gallen führt das Geothermie-Projekt trotz des Erdbebens vom 20. Juli fort, legt nach Abschluss der erste Bohrphase aber einen Marschhalt ein. Das Bohrloch wird Ende Oktober provisorisch verschlossen.

St. Gallen war bei seinem im März gestarteten Geothermie-Projekt nahe am Ziel. Die erste Tiefbohrung brachte den gewünschten Erfolg und förderte heisses Wasser zu Tage. Wie viel wusste zum Zeitpunkt des Erdbebens niemand. 

Das Erdbeben der Stärke 3,5 war ein herber Rückschlag für das St. Galler 160-Millionen-Projekt. Die Erschütterungen hätten die Ausgangslage verändert, sagte Stadtrat Fredy Brunner am Dienstag vor den Medien. Als Entscheidungsgrundlagen standen diverse Gutachten von Experten zur Verfügung. Der Stadtrat habe den Entscheid unter Zeitdruck fällen müssen, sagte Brunner. 

Erdbeben-Risiko bleibt 

«Menschengemachte» Erdbeben seinen ein zunehmendes Problem, erklärte Stefan Wiemer, Direktor vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED). Die Verwerfungszone, in der gebohrt wurde, sei, anders als ursprünglich angenommen, seismisch aktiv. 

Die Nachbeben-Sequenz sei noch nicht vorbei. «Das kann noch Monate oder Jahre dauern», sagte Wiemer. Erdbeben bis zu einer Magnitude von 4,0 richteten in der Regel aber keine Schäden an. Die Verantwortlichen vermuten, dass bereits vorhandene Spannungen zum Ausbruch des Bebens beitrugen. Mittlerweile konnte das Bohrloch stabilisiert und bis auf 4000 Meter wieder mit Rohren verlegt werden. 

400 Meter nachbohren

Bevor die Suche nach heissem Wasser weitergeführt werden kann, müssen die noch ungesicherten 400 Meter des Bohrlochs nachgebohrt und mit Rohren verlegt werden. In den kommenden zwei Monaten sollen Produktionstests Gewissheit bringen. «Zur optimalen Nutzung der Wärme aus der Tiefe müsste 140 Grad heisses Wasser nach oben fliessen und zwar 50 Liter pro Sekunde», sagte Marco Huwiler, Leiter Geothermie. Das Risiko, weitere Erschütterungen auszulösen, bleibe erhalten. Ein Projektstopp sei jederzeit möglich, sagte Huwiler. 

Nach Abschluss der ersten Bohrphase wird das Bohrloch  provisorisch verschlossen und die Bohranlage wird abgebaut. Im  Sommer 2014 soll sich entscheiden, ob das Projekt weitergeführt  wird. Allenfalls braucht es dazu einen weiteren Volksentscheid. 

Positive Reaktionen 

Die Schweizerische Vereinigung für Geothermie (GEOTHERMIE.CH) mit Sitz in Frauenfeld hält das weitere Vorgehen des St. Galler Stadtrates für «umsichtig und sorgfältig», wie die Organisation am Dienstag mitteilte. 

«Wir unterstützen den St. Galler Entscheid, das Projekt in modifizierter Form weiterzuführen», sagte Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamtes für Energie (BFE), am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Es wäre unvernünftig, vorschnell aufzugeben.

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