16.10.2020 16:44
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/rup/blu
Milch
Gefrierpunkt: Neu Adaptionswert
Beim Kriterium "Gefrierpunkt" der Milchprüfung wird neu ein Adaptionswert eingeführt, welcher monatlich aufgrund einer statistischen Auswertung sämtlicher Messergebnisse berechnet wird. Damit soll es zu weniger Beanstandungen kommen.

Seit Ende 2019 tauchten bei vielen Milchproben im Rahmen der Milchprüfung erhöhte Gefrierpunkte auf. Deshalb wurde im Mai bekannt, dass die Kommission Milchprüfung eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen hatte, die das Kriterium Gefrierpunkt untersuchen sollte. 

Naturbedingte Schwankungen 

Eine von der Kommission Milchprüfung eingesetzte Arbeitsgruppe hat die Ursachen untersucht und als dauerhafte Lösung ein neues Beanstandungsregime ausgearbeitet. Die Arbeitsgruppe hat keine Fehler bei der Analyse oder der Datenübermittlung festgestellt. 

Die Lösung erlaube es, bei der Qualitätsbezahlung der Milch die naturbedingten Schwankungen des Gefrierpunktes zu berücksichtigen und nur dort zu beanstanden, wo mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Wässerung der Milch vorliegt, heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung der Schweizer Milchproduzenten (SMP), Fromarte und der Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie (VMI).

Adaptionswert 

In Zukunft wird monatlich auf statistischer Basis ein Adaptionswert basierend auf allen Ergebnissen der Milchprüfung in der Schweiz ermittelt. Der monatlich berechnete Adaptionswert wird über dbmilch.ch an die Milchproduzenten, Milchkäufer, Sammelstellen und gegebenenfalls an weitere berechtigte Stellen kommuniziert. Dieser Gefrierpunkt-Adaptionswert wird auf dbmilch.ch erstmals für den Monat November und jeweils nach Monatsabschluss der Milchprüfung ergänzend zu den analytisch ermittelten Gefrierpunktergebnissen angegeben.

Der Adaptionswert funktioniert folgendermassen: Angenommen ein Betrieb weist am 5. Januar ein Analyseergebnis von –0,515 °C und am 18. Januar von –0,517°C auf. Aufgrund der mit Hilfe aller anderen Milchprüfungsergebnisse im Monat Januar liegt der Adaptionswert am 5. Januar bei –0,523 °C und am 18. Januar bei –0,525 °C. Folglich würde der Landwirt mit der Regelung keine Beanstandung bekommen, da er mit seinen Werten unter der Beanstandungsgrenze von –0,520 °C liegt.

Damit können Milchpreiskorrekturen aufgrund von unerklärbaren Gefrierpunktmessungen eliminiert werden. Das von Fromarte, VMI und SMP gemeinsam vereinbarte System soll zu weniger Beanstandungen führen.

Milchkaufverträge bleiben

Seit Ende 2019 gibt es beim Kriterium "Gefrierpunkt" viele deutlich höhere Ergebnisse im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Das führte zu wesentlich mehr Beanstandungen mit Milchpreisabzügen, Milchmengenkorrekturen oder Nicht-Gewährung des Zuschlags für gute Milchqualität. 

Mögliche, wissenschaftlich nicht vollständig belegte Gründe für erhöhte Werte sind:

• nicht ausgewogene Fütterung • bei Temperaturen > 25 °C einsetzender Stress im Stoffwechsel • Salzmangel • schnell wachsendes Gras • Durchfall der Kühe • schnelle Futterumstellungen • zu kurze Fresszeiten • Laktationsstadium • effektiv höherer Wassergehalt der Milch wegen absichtlicher oder technischer Wässerung.

Für die Umsetzung haben Fromarte, VMI und SMP eine Ergänzung zur Vereinbarung zur Ausgestaltung der Milchkaufverträge unterzeichnet und die TSM Treuhand GmbH mit der Berechnung und Rückmeldung der Daten an die Akteure betraut. Das neue Beurteilungssystem findet zwingend auch beim Zweitmilchkauf Anwendung. Die Umsetzung erfolgt ab 1. November 2020 und wird bis spätestens Ende 2020 regional angepasst. Die bestehenden Milchkaufverträge bleiben in Kraft.

Der Gefrierpunkt ist ein Mass für die in der Milch gelösten Stoffe. Er misst nicht direkt die Wässerung von Milch, sondern indirekt den Gehalt an gelösten Stoffen. Früher war dieses Kriterium wichtig zum Feststellen von Wässerungen der Milch, ob absichtlich oder technisch bedingt.

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