28.01.2020 14:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Freiburg
Fixe Bürotage und trotzdem flexibel
In Plaffeien FR betreut Erich Vonlanthen Landwirte als Treuhänder. In Tentlingen bewirtschaftet er einen Hof in einer BG.

Für Erich Vonlanthen war bereits früh klar, dass er Landwirt werden möchte. «Ich konnte mir einen 100-Prozent-Bürojob nicht vorstellen», erzählt er. Dennoch arbeitete er bis zur Pensionierung seines Vaters zu 100 Prozent in einem Treuhandbüro, erst im Baselbiet, später in Zollikofen BE.

«Für mich stand von Anfang an fest, dass das nur eine Übergangslösung ist», erinnert sich Vonlanthen – und doch war er 13 Jahre lang so tätig. Bis ihn die Freude an der Landwirtschaft, der Wunsch nach mehr Freiheit und auch ein bisschen Heimweh zurück ins Freiburgerland zogen.

30 Kühe

Es war im Jahr 2006, als er den Bauernhof seines Vaters in Tentlingen FR übernehmen und mit dessen Hilfe zehn Jahre lang im Nebenerwerb bewirtschaften konnte. Dann gründete er mit einem Nachbarn eine Betriebsgemeinschaft (BG). Zusammen bewirtschaften die beiden heute einen 40-Hektaren-Betrieb mit 30 Milchkühen. Die Milch wird in der Dorfkäserei zu Gruyère AOP verarbeitet.

Anfangs standen noch alle Optionen offen. So hätte sich Vonlanthen vorstellen können, den Betrieb zu vergrössern und nur als Landwirt zu arbeiten, ebenso wie die Umstellung von Milch- auf Mutterkühe. «Weil ich immer noch Freude an Zahlen und am Treuhandwesen habe, war es für mich naheliegend, meinen Beruf weiterzuführen», erklärt er. Da für die Gruyère-Produktion  ein vergleichsweise guter Milchpreis bezahlt wird, stand auch die Umstellung auf Mutterkühe nicht mehr zur Diskussion.

Flexibilität ist nötig

Aber es führte kein Weg an einer Reduktion des Arbeitspensums vorbei. Damals arbeitete er bei der Agrotreuhand Rütti in Zollikofen und reduzierte von 100 auf noch 40 Prozent. Inzwischen konnte er das Büro Agroflex im deutlich näher gelegenen Plaffeien übernehmen, wo er seither zu 50 Prozent als Geschäftsführer tätig ist. Damit beides, der Bauernhof und das Treuhandbüro, unter einen Hut gebracht werden können, genügt es aber nicht, lediglich Arbeitsabläufe rationell zu organisieren.

«Auch Flexibilität ist nötig, und zwar nicht nur bei mir, sondern auch in meinem ganzen Umfeld», betont Erich Vonlanthen. Da Ehefrau Irene in einem 50-Prozent-Pensum als Geschäftsführerin der Zuckerrübenproduzenten arbeitet, war das vor allem schwierig, als die Kinder noch kleiner waren. «Inzwischen sind unsere Töchter zwischen 17 und 22 Jahre alt, sie sind selbstständig, und es funktioniert gut», erzählt Irene Vonlanthen.  

Kunden sind Bauern

Flexibilität erlaubt es den beiden auch, sich im Sommer mal einen Nachmittag zum Heuen frei zu nehmen, zumal dann auch Vonlanthens Kunden mit derselben Arbeit beschäftigt sind. Es sind überwiegend Bauern, die seine Treuhanddienste in Anspruch nehmen, aber auch etwas Kleingewerbe, zu denen auch Käsereien gehören.  

In der Regel arbeitet Vonlanthen jeweils montags, mittwochs und donnerstags in seinem Büro in Plaffeien. «An diesen Wochentagen kümmere ich mich nicht um Stallarbeiten und überlasse sie meinem BG-Partner», erklärt er. Am Dienstag, Freitag, Samstag und jeden zweiten Sonntag findet man ihn meist auf seinem Bauernhof. Telefonisch ist er jedoch stets erreichbar – sogar dann, wenn sein Treuhandbüro eigentlich geschlossen ist.

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