7.04.2020 16:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Reber*
Coronakrise
Finanzielle Engpässe: Lösung finden
Liquidationsengpässe sind in Zeiten der Corona-Krise auch in der Landwirtschaft wahrscheinlich.

Je nach Dauer der Corona-Krise drohen in Zukunft auch einzelnen Landwirtschaftsbetrieben finanzielle Engpässe, Personalnot oder Arbeitsüberlastung. Die folgende Liste ist eine mögliche Vorgehensweise, um mit auftretenden Problemen erfolgreich umgehen zu können:

Gegenseitige Hilfe innerhalb der Familie: 

Ein Grossteil der Landwirte kann innerhalb der Familie auf ein Netzwerk von Arbeit, Know-how und allenfalls finanzieller Hilfe zurückgreifen. Diese sind jedoch beschränkt möglich, wenn andere Familienmitglieder ebenfalls finanziell geschädigt wurden oder Mehrarbeit leisten müssen.  

Möglichkeiten: Hilfe durch Arbeitseinsätze, evtl. Privatkredite.

Nachbarschaftshilfe/regionales Netzwerk: 

Die unter Punkt 1 beschriebenen Möglichkeiten bestehen auch für Hilfe ausserhalb der Familie, sei es bei Nachbarn, Arbeitskreiskollegen usw. Weiter sind Anfragen beispielsweise bei Vereinen, einem bäuerlichen Netzwerk oder den kantonalen Beratungsstellen möglich. 

Möglichkeiten: Hilfe in Form von Arbeit, evtl. Privatkrediten usw.

Verhandlungen mit Lieferanten und Gläubigern: 

Hier ist zu unterscheiden zwischen langjährigen und gelegentlichen Geschäftspartnern. Bei langjährigen Geschäftspartnern besteht oft ein Vertrauensverhältnis, welches auch bei finanziellen Engpässen wertvoll sein kann. Hierbei gilt es, allfällige Ratenzahlungen oder andere Vereinbarungen, vor allem bei grösseren Beträgen, schriftlich festzuhalten. Bei Geschäftspartnern, welche erst seit kurzem bekannt sind, ist der Verhandlungsspielraum oft kleiner. 

Möglichkeiten: Schulden in Raten zurückzahlen, Kreditvereinbarungen, Darlehen, Sistierungen etc.

Massnamenpaket Bund – Kontakt zur Hausbank herstellen: 

Das Massnahmenpaket des Bundes sieht vor, dass bei Schädigungen, verursacht durch Einschränkungen wegen Covid-19, einfach und unkompliziert die Liquidität in Unternehmen si-chergestellt werden kann. Nehmen Sie Kontakt auf mit ihrer Hausbank, sie wird ihnen hierbei weiterhelfen können. 

Möglichkeiten: Rückzahlbare Kredite bei Liquiditätsengpass.

Betriebshilfe: 

Gemäss Artikel 1a der Verordnung über die sozialen Begleitmassnahmen in der Landwirtschaft (SMBV) können Betriebe, welche «unverschuldet in eine finanzielle Bedrängnis» geraten sind, ein zinsloses Darlehen beantragen. Dabei ist hier die Mindestgrenze von 1,0 SAK zu beachten (nur in Ausnahmefällen ab 0,6 SAK). Ebenfalls muss die Tragbarkeit nachgewiesen werden. Der Grenzbetrag beträgt 500'000 Franken, einschliesslich Saldo früherer Investitionskredite und Betriebshilfedarlehen. Weiter müssen die Kredite abgesichert werden. Meistens werden diese mit einem Grundpfand sichergestellt. 

Möglichkeiten: Zinslose Kredite.

Die Solidarität, welche nun spürbar ist, kann jedoch nicht dazu benutzt werden, strukturelle Probleme auf einem Landwirtschaftsbetrieb zu beheben. Ebenso sind vor allem die verbürgten Kredite des Bundes nicht dazu da, neue Investitionen in Maschinen und Gebäude zu tätigen.

*Der Autor ist Berater beim Inforama Emmental. 

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