15.02.2013 06:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Getreide
Fenaco unter Beschuss
Eine Bezahlung des Getreides nach dem Proteingehalt erhitzt die Gemüter. Die Ankündigung der Fenaco, diese einzuführen, hat den VKGS erbost. Der Agrarriese will nun (vorerst) nichts mehr von einem Minimalwert wissen.

Die sinkende Futtergetreidefläche, eine mögliche Zollsenkung beim Brotgetreide sowie die Bezahlung dessen nach Proteingehalt waren die zentralen Themen an der Generalversammlung des Verbandes kollektiver Getreidesammelstellen der Schweiz (VKGS) von vergangenem Donnerstag in Bern.

Ständerat überzeugen

VKGS-Präsident Rolf Häusler erinnerte an den stetigen Rückgang der Futtergetreidefläche und -erträge. Dies hätten alle erkannt, nur das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nicht. Auch bei den Beratungen zur Agrarpolitik 2014–2017 sei noch Überzeugungsarbeit zu leisten. So habe sich der Nationalrat für Flächenbeiträge für das Futtergetreide ausgesprochen. Der Ständerat sei noch dagegen, doch es sei nun auch an den VKGS-Mitgliedern, «Wackelkandidaten» für ein Ja zu überzeugen, betonte Häusler.

Zudem sei auf eine Zollsenkung beim Brotgetreide zu verzichten. Der «Liberalisierungswahn» koste den Bund 2Mio. Franken an Zolleinnahmen und die Bauern 12 Mio. Franken an Erlös. Ohne Korrektur in der Agrarpolitik werde der Rückgang des Getreideanbaus beschleunigt.

Auch Müller in Kritik

Enttäuscht ist Häusler über die gescheiterte Richtpreiserhebung von vergangenem Herbst. Die Müller hätten eine Preisfestsetzung «kategorisch abgelehnt». Diese wollten eine Abstufung nach dem Proteingehalt. Ein höherer Gehalt sei aber nur durch einen höheren Stickstoffeintrag möglich. Die Separierung in der Sammelstelle nach Proteingehalt sei schwierig.

«Die Müller stellen Forderungen, die Kosten tragen aber die Bauern und die Sammelstellen», machte Häusler deutlich. Völlig unverständlich sei deshalb, dass die Fenaco an der Qualitätstagung von Swiss Granum von vergangenem November für die Klasse Top einen Minimalwert Protein forderte. Er bat den anwesenden Fenaco-Vertreter, dessen Unternehmen übrigens den Apéro spendierte, um eine Stellungnahme. Fortunat Schmid, Leiter nationaler Geschäftsbereich Dienste und Regionen der Fenaco, nahm die Gelegenheit wahr, die Aussagen von vergangenem November zu präzisieren.

Fenaco beschwichtigt

Er stellte klar, dass die Verarbeiter Topqualität erwarten. Zudem sei zu bedenken, dass trotz eines Bevölkerungswachstums der Absatz von heimischem Brotgetreide nicht steige. Dies bedeute einen Marktanteilsverlust. Anhand einer Sammelstelle zeigte Schmid, dass 26 Prozent der Einlieferungen unter dem «Minimalwert» von 13 Prozent Proteingehalt lägen. Jede Region habe ein ähnliches Muster.

«Wir müssen mit jenen 25 Prozent der Produzenten das Gespräch suchen, die diesen Wert nicht erreichen», sagte er. Vielleicht wäre eine Umstellung von Top auf die Klasse II eine Lösung für diese Produzenten. Für die Sammelstellen bedeute dies, dass sie die Lieferungen auf Protein und Feuchtkleber analysieren sollten. «Denn die Abnehmer machen mächtig Druck», schiebt Schmid den Ball weiter.

Rolf Häusler gab sich mit der Antwort nicht zufrieden. Letztlich laufe es auf eine Proteinbezahlung hinaus, und man dürfe nicht Regionen diskriminieren (so sind in der Romandie die Proteingehalte teils tiefer). Schmid beschwichtigt: «Wir wollen keine Bezahlung nach Proteingehalt, auch ab 2014 nicht. Und Regionen sollen auch nicht gegeneinander ausgespielt werden.» Eine Arbeitsgruppe von Swiss Granum soll nun weiterforschen.

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