19.05.2016 13:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Fenaco
Fenaco mit solidem Ergebnis trotz tieferer Preise
Die Agrargenossenschaft Fenaco hat 2015 die tieferen Agrar- und Energiepreise gespürt. Drei ihrer vier Geschäftsfelder spielten geringere Erlöse ein. Dennoch stieg der Gewinn auf 96 Millionen Franken.

Dieser Gewinnsprung um nicht weniger als 65 Prozent ist auf die Integration des IT-Unternehmens Bison und Liegenschaftsverkäufe zurückzuführen, wie der Geschäftsleitungsvorsitzende Martin Keller am Donnerstag vor den Medien in Bern erklärte.

Für den Landwirtschafts-IT-Dienstleister Bison musste Fenaco keine Entwicklungsdarlehen mehr sprechen und das Unternehmen restrukturierte sich schneller als erwartet. Derzeit laufen bei 70 Gemüsebauern Apps, mit denen sie die täglichen Erntemengen der Fenaco zwecks Vermarktung direkt vom Feld übermitteln können.

Schlechtes Bauernjahr

Neben dem gestiegenen Gewinn hatte Fenaco wie alle Energie- und Detailhändler mit gesunkenen Preisen und besonders dem Ölpreis zu kämpfen. Für die Bauern war das Wetter mit einem nassen Frühling und einem zu heissen und trockenen Sommer misslich. Am Markt setzten ihnen Überangebote bei Milch, Zucker und Schweinefleisch zu.

Bei Fenaco sank der Umsatz an Waren und Dienstleistungen deshalb um 4,3 Prozent auf 6,04 Milliarden. Zum Erlös trugen alle vier Fenaco-Geschäftszweige in etwa je einen Viertel bei.

Euro-Vorteile weitergegeben

Die Währungsverschiebungen nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses gab die Genossenschaft an ihre Mitglieder, die Bauern, in Form von Preissenkungen für importierte Futtermittel, Saatgut, Dünger und Landmaschinen weiter.

Dank der Landmaschinen und Profi-Grün hielt der Bereich Agrar seinen Umsatz in etwa. Die Preisreduktion senkte gemäss Keller den EBIT der Agrarsparte aber um 7 Millionen Franken.

Profi-Grün lieferte den Rasen für das Basler St. Jakobsstadion. Die Samensparte UFA brachte eine Gras/Klee-Mischung auf den Markt, die sich weder von grosser Nässe noch Trockenheit beeinträchtigen lässt.

Im Sektor Energie stiegen die Umsätze an den Agrola-Tankstellen mengenmässig um 6 Prozent, frankenmässig sank der Erlös wegen der stark gesunkenen Ölpreise aber deutlich. Der im Frühling 2015 zugekaufte Solaranlagenbauer Solvatec konnte zulegen. Er lancierte mit sandgestrahlten Moduloberflächen ein Angebot, womit Architekten die Teile besser in die Bauten integrieren können.

Detailhandel baut Stellung aus

Die Fenaco-Detailhändler Landi, Volg und die Tankstellenshops Top Shop konnten ihre Marktposition in einem rückläufigen Markt und trotz sinkender Preise ausbauen.

Zum einen setzte ihnen der Einkaufstourismus nicht so wie anderen Detailhändlern zu. Wie Detailhandelschef Ferdinand Widrig sagte, zeigt der Durchschnitts-Kassabon im Volg 17 Franken. Wegen solcher Alltagseinkäufen fahre niemand ins Ausland. Bei der Landi dagegen seien die Nischenstellung und die Eigenmarken Trumpf.

Die Lebensmittelindustrie konnte sich ebenfalls trotz Preisdruck behaupten. Die Konzentration verschiedener Standpunkte zahle sich in Form gesunkener Kosten aus, gleichzeitig sei die Leistungsfähigkeit der Anlagen gestiegen, sagte CEO Keller.

Die Marken wie Ramseier, Elmer Citro, Farmer, McCain und Suttero entwickelten sich positiv; die Weingruppe (Caves Garnier, Volg Weinkellereien, Divino), das Eiergeschäft und die frigemo-Kühlprodukte sogar stark.

In den weiteren Geschäftstätigkeiten des Agrarriesen konnten sich die einzelnen Firmen behaupten. Unter diesen Tätigkeiten fungieren etwa die eigene Spedition Traveco, die Reinigungsmittelfirma Halag Chemie oder die Vorprodukte-Tierapotheke ufamed.

Der Landwirtschaftsriese

Die Genossenschaftsangehörigen erhalten auch dieses Jahr wieder einen Zins von 6 Prozent auf ihren Anteilscheinen. Dazu kommen Leistungsprämien. An die Landi-Genossenschaften fliessen 14 Millionen Franken, die sie unter ihren Mitgliedern verteilen. Zur Fenaco gehörten Ende letzten Jahrs 217 Genossenschaften - eine Zahl, die mit dem Bauernsterben seit der Gründung 1993 abnimmt. In den angeschlossenen Genossenschaften sind über 43'000 Mitglieder - mehrheitlich Bauern - organisiert. Fenaco beschäftigt knapp 10'000 Mitarbeitende. Diese erhalten im laufenden Jahr 0,5 Prozent mehr Lohn, zudem wurden die Mindestlöhne angehoben.

 

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