25.10.2013 10:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Ursina Galbusera
Müller
Exportstützung unter Druck
Am Freitag vergangener Woche trafen die alltäglichen Sorgen der Schweizer Müller auf die globalen Herausforderungen im Getreidemarkt.

«In den Niederungen des Mülleralltags», so Guy Emmenegger, beginnt die 17. Delegiertenversammlung des Dachverbands Schweizer Müller (DSM) in Lausanne VD. Damit grenzt sich der Präsident der Müller vom nachfolgenden Referat zum globalen Getreidemarkt ab.

Importe von Teiglingen


Die Schweizer Mühlen hätten im vergangenen Jahr ihre Produktivität weiter steigern und neue Märkte erschliessen können, stellt Emmenegger fest. Auch sei dank der konstanten Zuwanderung die Inlandnachfrage stabil geblieben. Der Mehlabsatz habe sich aber trotz der gestiegenen Bevölkerungszahl kaum verändert, was laut dem Präsidenten auf die stetig wachsenden Importe von Backwaren und Teiglingen zurückzuführen ist. «Der Konkurrenzdruck im Binnenmarkt bringt auch den Mehlpreis weiter unter Druck», so der Berner. Zudem hätte die tiefe Qualität des Brotweizens der Ernte 2013 den Mühlen zusätzliche Kosten verursacht.

Exportbeiträge in Gefahr

Wohlwissend, dass unter den Gästen der Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), Bernard Lehmann, sitzt, spricht Guy Emmenegger die unbefriedigende Situation beim Schoggigesetz an. Die 70 Millionen Franken würden auch 2013 nicht ausreichen, den Export von gut 10 Prozent des Schweizer Mehls zu verbilligen. Erneut sei ein privatrechtlicher Ausgleich der Branche nötig.

«Das Schoggigesetz wird an der WTO-Ministerkonferenz in Bali ein Thema sein», entgegnet Lehmann und deutet an, dass die Exportstützung in absehbarer Zeit erneut unter Druck kommen wird. «Sehen Sie», beschwichtigt Lehmann, «der ratifizierte Betrag im Rahmen des Schoggigesetzes lag bisher immer über dem effektiv ausbezahlten Betrag – eine Kürzung des Kredits muss also nicht zwingend eine Kürzung der Gelder bedeuten.» Die Müller im Saal scheinen diese Schlussfolgerung nicht nachvollziehen zu können.

Land Grabbing, Klima

In seinem Vortrag zur «globalen und lokalen Perspektive im Getreidemarkt» kommt Lehmann auf weit marktverzerrendere Mechanismen als das Schoggigesetz zu sprechen. Diese werden nicht von der WTO kontrolliert. So sind etwa staatliche Exportstopps, welche 2008 wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Getreidepreise in eine mörderische Höhe geschnellt sind, kein Thema der WTO-Verhandlungen.

Noch verheerender werden laut Lehmann zwei weitere Phänomene den Getreidemarkt beeinflussen: Klimawandel und Land Grabbing. Der Klimawandel einerseits werde genau dort zu einem Ertragsrückgang führen, so Lehmann, wo die Bevölkerung am schnellsten anwächst: in Afrika, Südamerika und grossen Teilen Asiens. Laut dem BLW-Direktor werden Afrika und Asien bis 2050 ihre Importe verdoppeln bis verdreifachen. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise.

Globaler Preisanstieg

Ebenfalls abseits der WTO-Abkommen kaufen Staaten wie Südkorea, China oder Saudi-Arabien das gute Ackerland in Afrika und Südamerika auf. Die neuen Besitzverhältnisse werden laut Lehmann verheerende Folgen auf die Volatilität der Getreidepreise haben: «Wenn wenig Getreide da ist, konsumieren die Land besitzenden Staaten die Ernten ihrer Ländereien in Afrika und Südamerika selbst. Wenn genug vorhanden ist, bringen sie diese Ernten auf den Weltmarkt und verstärken damit die Überschusssituation.»

Die Getreidepreise werden also auf steigendem Niveau immer mehr schwanken, heisst zusammengefasst die globale Perspektive im Getreidemarkt. Die Schweizer Müller, schliesst DSM-Präsident Emmenegger die Versammlung, befänden sich aber auf einer weniger hohen Flugebene – eben, «in die Niederungen des Mülleralltags».

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