6.04.2020 15:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Backwaren
Exporteinbruch – Agrarpolitik in Kritik
Schweizer Biscuits finden im Ausland immer weniger Abnehmer. 2019 brachen die Exporte um über 7 Prozent ein. Im Inland setzte hingegen eine Erholung ein. Wenig Freude haben die Hersteller am Mindestzoll für Zucker.

Im vergangenen Jahr war das Geschäft der Schweizer Dauerbackwarenhersteller leicht rückläufig. Die Produktion lag insgesamt bei 42'623 Tonnen, ein Prozent weniger als 2018. Der Umsatz der Branche sank um 0,8% auf 444 Mio. Fr.

Im Inland mehr umgesetzt

Zu den beliebtesten Dauerbackwaren gehörten die Standard-Biscuits und Spezialitäten. Diese machten rund zwei Drittel der Gesamtproduktion aus. Bei den Standard-Biscuits betrug der Absatzrückgang 1,3%, bei den Spezialitäten wurde ein Minus von 1,6% beobachtet. Zugenommen hat die Produktion von Spezialfabrikationen (+3,3%), brotähnlichen Gebäcken (+1,9%) sowie Apéro- und Salzgebäcken (+1,2%).

Es waren im vergangenen Jahr gegensätzliche Entwicklungen zu beobachten. So konnten die Schweizer Hersteller im Inland wieder mehr Ware absetzen. Die Verkaufsmenge erhöhte sich um 1,3% auf 32’137 Tonnen, der Umsatz kletterte um 0,9% auf 351,9 Mio. Fr. Der Inlandanteil liegt damit bei 75 (Menge) respektive 79 Prozent (Umsatz).

Über 50% aus dem Ausland

Weniger gute Nachrichten für die Hersteller:  Der Marktanteil der Importwaren stieg auf 50,1% (+1,0%). Damit kletterte der Importanteil erstmals auf über 50%. Der grösste Teil der Einfuhren stammte aus Deutschland. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Biscuits ist 2019 in der Schweiz um 80 Gramm auf 5,24 Kilo gestiegen.

Das Exportgeschäft hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgeschwächt. Seit 2010 ist der Exportumsatz um 37% geschrumpft. 2019 brachen die Exportmenge um 7,4 Prozent auf 10’486 Tonnen ein. Der Umsatz schrumpft gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent auf noch 92,2 Mio. Fr. Besonders stark war der Rückgang bei den Standard-Biscuits und bei den Spezialitäten. Zuwächse gab es einzig bei den Apéro- und Salzgebäcken sowie Spezialfabrikationen. Insgesamt wurde in 70 Länder (2018: 85) exportiert. Rund 40 Prozent der Ausfuhren gingen nach Deutschland.

Weniger Mittel bei Rückerstattung

Sorgen machen sich die Biscuithersteller wegen der Währungssituation. Der erstarkte Franken sei eine Herausforderung. Kritik ernten auch die agrarpolitischen Rahmenbedingungen. «Eine weitere Herausforderung bleibt der agrargrenzschutzbedingte Rohstoffpreis-Nachteil», heisst es in der Mitteilung des Dachverbandes Biscosuisse. 

Zwar habe nach der Abschaffung der Zollrückerstattungen (Schoggi-Gesetz) für Exporte nahtlos eine private Auffanglösung umgesetzt werden können. «Mit Blick auf milchhaltige Zutaten musste aber festgestellt werden, dass ein grosser Teil der bisher für die Grenzschutzkompensation reservierten Mittel anderen Zwecken zugeführt wurde», heisst es weiter. 

Mindestgrenzschutz in Kritik

Auch der vom Bundesrat eingeführte Mindestgrenzschutz für Zucker erntet Kritik. Diese Stützungsmassnahme für den Schweizer Zucker habe das Rohstoffpreis-Handicap zusätzlich vergrössert. Diese politisch bedingten Rahmenbedingungen setzten den Produktionsstandort Schweiz unter Druck.

Die Zuckerbranche erhielt vom Bund zusätzliche Unterstützung. Befristet von Anfang 2019 bis Ende 2021 wird Einzelkulturbeitrag von 1800 auf 2100 Fr./ha erhöht. Zudem wird einen Mindestzoll von 70 Fr./t beim Zucker erhoben. Gründe für die Unterstützung durch den Bund sind die Aufhebung der Zuckerquoten, der Exportbeschränkungen und des Mindestpreises für Zuckerrüben in der EU im Herbst 2017. Die Zuckerproduktion in der EU erhöhte sich deutlich. Die Folge waren tiefere Preise. Um den Preis zu stützen, löste die Schweizer Zucker AG Reserven auf.

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