1.04.2020 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Handel
EU: Auch 2020 weniger Rindfleisch
Der Rindfleischkonsum leidet laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft seit dem vergangenen Jahr in etlichen Ländern der EU, insbesondere in Westeuropa. Hackfleisch erfreut sich dagegen einer zunehmenden Beliebtheit.

Im Jahr 2019 ist in der EU die Nettoproduktion an Rind- und Kalbfleisch im Vergleich zum Vorjahr um rund 2% auf 7,84 Mio. t zurückgegangen. Das Minus in der Tonnage lag bei rund 1%, da die Tiere immer schwerer zur Schlachtung kommen. Heuer dürfte ein weiterer Rückgang auf 7,68 Mio. t und 2021 eine Verringerung auf 7,49 Mio. t erfolgen. Dies teilt die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn unter Berufung auf Zahlen des Prognoseausschusses Rindfleisch in der EU-Kommission mit. 

Rindfleischkonsum rückläufig

Der Rindfleischkonsum leidet laut AMI seit dem vergangenen Jahr in etlichen Ländern der EU, insbesondere in Westeuropa. Hackfleisch erfreut sich dagegen einer zunehmenden Beliebtheit. Beim gesamten Rindfleischkonsum gibt es grosse Unterschiede in der EU. Neben einem hohen Pro-Kopf-Verbrauch in Irland (24 kg), Dänemark (23 kg), Frankreich (22 kg), Italien (21 kg), Schweden (20 kg) und dem Vereinigten Königreich (17 kg) kommt Rindfleisch in Osteuropa nur selten auf den Speiseplan. In Polen und Ungarn liegt der Verbrauch nur bei 3 bis 4 kg. 

Einen negativen Einfluss auf den Rindfleischkonsum üben seit 2019 auch die im Zusammenhang mit der von der "Fridays for Future"-Bewegung aufgeflammten Diskussionen um Klimawandel, Nachhaltigkeit und Fleischverzicht aus. "Rinder werden wegen des Methanausstosses mit für den Klimawandel verantwortlich gemacht, auch wenn der Anteil nur 1 bis 2% an den Treibhausemissionen ausmacht. Zweites Topthema ist in vielen Ländern der EU das Tierwohl", so die AMI-Experten. 

Grosse Unbekannte: Corona-Krise 

Zu all diesen Einflüssen kommt jetzt die Corona-Krise als Unsicherheitsfaktor dazu: "Derzeit kann niemand genau sagen, wie lange uns diese Pandemie in Schach hält und die Wirtschaft belastet. Flächendeckende Quarantänen treffen besonders hart den Catering-Sektor, wenn die Bevölkerung kaum noch rausgeht, Restaurants und Kantinen sowie Schulen geschlossen sind und die Tourismusbranche am Boden liegt. Aktuell stocken die Warenströme von hochwertigen Kalbinnen und Kühen nach Italien, Frankreich und Spanien. Zusätzlich gibt es grosse interne Schwierigkeiten, wenn in den Schlacht- und Zerlegebetrieben osteuropäisches Fremdpersonal aus Quarantänegründen fehlt. Im Moment plant und lebt die Schlachtbranche in Tagesschritten. Es wird nur noch das Allernötigste geschlachtet. Tagesschlachtungen werden gestrichen, die Preise fallen", beschreibt die AMI die aktuelle Situation. Die Hoffnung sei, dass sich in zwei bis drei Monaten die Lage wieder beruhigt und das Leben und der Konsum zur Normalität zurückkehren.

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