20.08.2019 07:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Rahel Berger
Zug
ESAF: Sie geben das Land
Die 70 Hektaren grosse Fläche, welche das Gelände des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug beansprucht, ist Eigentum der Korporation Zug und des Landwirts Philipp Freimann aus Zug.

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) weist eine immense Grösse auf. Über 70 Hektaren misst die Fläche, welche die Zug-Arena, das gesamte Festgelände mit Festzelten, dem Camping-Areal und den Parkplätzen in Zug in Anspruch nehmen. Der grösste Teil dieser Fläche wird von der Korporation Zug zur Verfügung gestellt, eine öffentlich-rechtliche Gemeinde, die rund 4300 Bürgerinnen und Bürger zählt.

8 Hektaren


Korporationspräsident Urban Keiser: «Wir wurden erstmals vor ca. acht Jahren über die Pläne des ESAF Zug kontaktiert und informiert. Da wir als politische Behörde mit einem 5-köpfigen Rat aufgestellt sind, wurde anfangs rege darüber diskutiert. Es herrschte gar Gegenwind.» Doch irgendwann kamen wir zur Einigung und die Korporation Zug bewilligte dem Grossanlass auf ihrem Kulturland.

Vor fünf Jahren wurde die 8 Hektaren grosse Fläche der künftigen Zug-Arena teils aufgefüllt und ausgeebnet und letztes Jahr die 1,5 Hektaren grosse Innenfläche mit Rasen angesät. Das Nutzland, welches für die Parkplätze und das Camping-Areal dienen wird, kann hingegen bis zum Schwingfest-Wochenende wie üblich bewirtschaftet werden. Die Campingfläche musste allerdings seit 2018 Grasland sein.

Landsanierung für 1,5 Millionen

Die Korporation Zug stellt das Kulturland gratis zur Verfügung, erhält dafür keine Entschädigung. «Also nicht direkt. Wir haben 50000 Franken gespendet und sind somit Sponsor des Original-Braunvieh-Rindes Greth, welches Alois Reichlin aus Menzingen gezüchtet hat und als Preis für den Zweitplatzierten vorgesehen ist.»

Der Veranstalter komme vollumfänglich für die Landsanierung auf, was einen Betrag von ungefähr anderthalb Millionen Franken bedeuten würde. «Da investieren wir gerne 50'000 Franken in einen Lebendpreis», so Keiser. Verzichtet der Schwinger übrigens auf den Lebendpreis Greth und entscheidet sich für den Geldbetrag, so bekommt dieser 25'000 Franken.

Wollte Tiere nicht weggeben

Nebst der Korporation Zug stellt ein weiterer, einzelner Pächter sein Land zur Verfügung. Es ist dies der Landwirt Philipp Freimann aus Zug. Die Arena mit 56'500 Plätzen und sieben Sägemehlringen steht zu 90 Prozent auf Freimanns Kulturland (Eigenland und Pachtland). Die Arena, das Camping-Areal, WC-Anlagen, Festzelte und Parkplätze beanspruchen rund 18–20 ha von Freimanns Land. «Ich wurde erstmals vor Burgdorf, im Jahr 2012 angefragt. Und so entschied ich mich, nach Burgdorf zu reisen, um mir vor Ort ein Bild zu verschaffen.»

Nach 2-jährigen Verhandlungen wurden sich alle Beteiligten einig. «Für mich kam es nicht in Frage, meine Tiere wegzugeben, dies stellte sich aber anfangs als grosse Herausforderung heraus. Freimann hält 45 Mutterkühe für Natura-Beef-Produktion nach IP-Standard. Als Glücksfall bezeichnet er die Gelegenheit, dass Pachtland rund um seine Scheune organisiert werden konnte. 

Der 43-jährige Freimann erlangte bereits vor 10 Jahren grosse Aufmerksamkeit. 2009 hätte er sein Land einzonen und damit 30 Millionen Franken verdienen können, schreiben die Tamedia-Zeitungen. Die Stadt Zug wollte grösser werden. Freimann hingegen wollte davon nicht wissen und verzichtete auf eine Einzonung. Er wollte bauern statt bauen. Freimann spart auch nicht mit Kritik an der Entwicklung von Zug. Um die Kühe zu den Weiden oder zurück in den Stall zu bringen, muss er für kurze Zeit die Nebenstrassen sperren. «Manche sagen mir auf Englisch, dass ich kein Recht dazu hätte. Da hört es doch auf», sagt er zu den Tamedia-Zeitungen. Das Zusammenspiel zwischen dem modernen und dem traditionellen Zug funktioniere nicht mehr. Auch habe man weniger Verständnis füreinander. «Wir haben die Balance verloren», kritisiert er. blu

33 Bäume gefällt

Was hat sich durch die Planung und den Aufbau des ESAF-Geländes verändert? «Im Wesentlichen wurden 33 Hochstammbäume gefällt und vor fünf Jahren begann man einen Grossteil des Kulturlandes mittels Erdverschiebung und Auffüllungen zu ebnen und drainieren, woraus sich auch eine Bodenverbesserung und damit mehr ackerfähiges Land ergab.

Die wichtigen Arbeiten wurden die ganze Zeit über bodenkundlich wissenschaftlich begleitet. Die Ausführung dieser Arbeiten war hervorragend. Danach musste ich ein Weide- und Ackerverbot befolgen, konnte nur «Rekultivierungs-Gras» nutzen und war auch in der Düngung und Befahrbarkeit eingeschränkt.» 

Letzte Ernte am 9. August

Etwas würde der Landwirt einem nächsten Landeigentümer eines solchen Grossanlasses ans Herz legen. Er würde ihm empfehlen, vertraglich genaustens festzuhalten, wie und wo mit welcher Bereifung, Gewicht und Spurführung das Land befahren werden darf. Auch dass man den Feuchtezustand des Kulturlandes stets gut im Auge behält. Dies müsste sozusagen wissenschaftlich begleitet werden, mit einer zuständigen Person, die immer vor Ort ist und «den Aufpasser macht».

Kurz vor dem Eidgenössischen, am 9. August, konnte Freimann den dritten Schnitt Futter einbringen. Und weil der Aufbau der Arena bereits Ende Mai begann, konnte er dort lediglich einen Schnitt ernten. «Aber» so fügt er an, «eine Fläche, die normalerweise 8 ha beträgt, ist derzeit nur noch 1,5 ha gross und in rund zehn Stücklein unterteilt. Was natürlich die Arbeit viel aufwendiger gestaltet.» In erster Linie sei ihm aber wichtig, dass die Fläche nicht nachhaltig kaputt sein würde. Vor dem Rückbau des ESAF-Geländes habe er noch etwas Respekt.

Wird entschädigt

Wie wird Landwirt Freimann entschädigt? Er bekomme den Wert, welchen er für den Verkauf von Mais erhalten würde und den Grasertrag hätte man auch noch; zumindest teilweise. Auch wird ein Ertragsausfall und die Sanierung  eines allfälligen Landschadens auch noch vergütet.

Dies stellt ihn zufrieden. Nun hoffen die Landbesitzer auf gutes Wetter. Gut im Sinne von «trocken». Denn so lange es nicht allzu viel Niederschlag gebe, werden die Schäden hoffentlich nicht allzu gross ausfallen. 

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