24.10.2018 19:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Sandra Steffen-Odermatt
Personen
«Es reizt mich, Veränderungen anzustossen»
Nach knapp 20 Jahren verlässt Direktor Stefan Felder Ende Oktober die Swissgenetics und macht sich selbstständig.

«Schweizer Bauer»: Präsident Dominique Savary und Ihre Mitarbeiter sind des Lobes voll über Ihre Führungsqualitäten, Swissgenetics ist erfolgreich, im vergangenen Geschäftsjahr wurde gar ein Absatzrekord im internationalen Markt verzeichnet. Warum verlassen Sie das Unternehmen, statt sich auf den Lorbeeren auszuruhen?
Stefan Felder: Das ist nicht meine Art. Es reizt mich, neue Wege zu gehen, Sachen anzupacken, die der Zeit voraus sind. Dies ist wie ein innerer Antrieb. Sobald alles rund läuft, sich vieles zu wiederholen beginnt, schaue ich nach Neuem. Eigentlich bin ich damals per Zufall bei Swissgenetics gelandet, und bin selber erstaunt, dass es eine so lange Zeit wurde. Das Betriebsklima, die Zusammenarbeit mit Vorstand und Mitarbeitenden war jedoch so gut und die Aufgaben waren derart spannend, dass mich kein anderes Angebot gereizt hat. Nun jedoch hat sich die Chance geboten, nach 20 schönen Jahren bei Swissgenetics nochmals etwas ganz Neues zu wagen. 

Was machen Sie denn nun künftig genau?
Ich steige in der Firma meines Bruders ein, die im internationalen Handel mit landwirtschaftlichen Bio-Produkten tätig ist. Die Firma hat ihren Hauptsitz in Kanada, ist aber rund um den Globus tätig. Eine meiner Aufgaben wird es sein, die Beschaffung von Getreide und Ölsaaten in genügender Menge und zuverlässiger Bio-Qualität sicherzustellen. Dabei ist es wichtig, den Warenfluss bis zum Produzenten einwandfrei zurückverfolgen zu können. Bio-Getreide wird im Gegensatz zu konventionellem Getreide nicht an der Börse gehandelt. Die höheren Preise und der boomende Markt locken leider auch unseriöse Anbieter auf den Markt. 

Also kann man sich momentan nicht darauf verlassen, dass Bio vom Ausland auch wirklich Bio ist?
Die Schweiz gilt als Pionierland in Sachen Bioprodukte. Wir verfügen in Bezug auf die Produktion und Verarbeitung weltweit über die höchsten Anforderungen. Bei unseren Labels wird in der Regel alles sorgfältig überprüft, die ganze Lieferkette von der Produktion über die Verarbeitung und die Logistikprozesse. Andere Länder sind hier noch weniger weit, sie kontrollieren die Ware vor allem auf Rückstände. Diese Art der Kontrolle ist zwar effizient und zielgerichtet, jedoch auch anfällig für Betrügereien. Der Druck der Produzenten und Konsumenten wächst, künftig geht es darum, auf der ganzen Produktions- und Lieferkette besser hinzuschauen. 

Werden Sie auch bisherige Mandate von Swissgenetics mitnehmen, so beispielsweise im Projekt «Baltic Grassland Beef» von Vianco weiter mitarbeiten?
Die Mandate, die ich für unsere Firma innehatte, werden durch andere Personen von Swissgenetics oder meinen Nachfolger weitergeführt. Dafür hätte ich zu Beginn auch gar keine Zeit, denn ich werde mich voll auf die Einarbeitung in meinen neuen Job konzentrieren. Das schliesst aber künftige Engagements nicht aus.

In den 20 Jahren ist aus dem damaligen «Schweizerischen Verband für Künstliche Besamung» die heutige «Swissgenetics» entstanden. Welches waren für Sie die prägendsten Veränderungen?
Einerseits die Digitalisierung; bei meinem Start als Direktor bekam ich gerade mein erstes Handy, heute wird bei den Besamungen alles digital auf den Höfen erfasst. Die Einführung der genomischen Selektion führte dazu, dass sich in der Zucht alles schneller und hektischer entwickelt. Das Spermasexing wiederum bringt dem Züchter heute sehr viele Vorteile, macht die Produktions- und Logistikprozesse aber deutlich anspruchsvoller. Eine prägende Herausforderung für die Firma war zweifellos die Liberalisierung der künstlichen Besamung Ende der 90er-Jahre. Bisher Monopolist und dann plötzlich dem freien Markt ausgesetzt – da mussten wir eine komplett neue Unternehmenskultur entwickeln. Unsere Besamer im Aussendienst wurden quasi vom Pöstler zum Verkäufer und Dienstleister. 

Gibt es etwas, worauf Sie persönlich besonders stolz sind?
Dass wir es bei all diesen Veränderungen immer geschafft haben, die Mitarbeitenden mitzunehmen und diese auch heute noch gerne, ja gar stolz für unsere Firma arbeiten. Ich konnte einen Beitrag leisten, die Leute zu begeistern und zu motivieren, sich zu verändern. Das hat mir Spass gemacht, war jedoch auch eine persönliche Herausforderung. Geduld gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken. 

Wo sehen Sie die Schweizer Viehwirtschaft in zwanzig Jahren?
Die Viehwirtschaft bleibt wichtig, doch die Prioritäten werden sich verschieben. Weg von «Mehr und Grösser» werden die Funktionalität und die Wirtschaftlichkeit immer wichtiger, so braucht es gesunde und fruchtbare Kühe, die viel Raufutter effizient verwerten können. Es steht nicht die Milchleistung an oberster Stelle, sondern es müssen letztlich die Kosten pro Kilogramm produzierter Milch stimmen. Ich bin überzeugt, die graslandbasierte Fleisch- und Milchproduktion ist die Zukunft, dafür müssen wir die richtige Genetik haben. Mit unseren Rassen in der Schweiz haben wir dazu sehr gute Karten in der Hand.

Zur Person

Stefan Felder ist 1963 als viertes von acht Kindern auf dem «Feldhof» in Entlebuch geboren und wohnt heute mit seiner Frau Mona und den drei Söhnen (19, 21, 23) in Schüpfheim. Er absolvierte das Agronomie-Studium mit anschliessender Dissertation und führte sodann während fünf Jahren als Direktor das heutige Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Schüpfheim. Nach einem Abstecher in ein Entwicklungsprojekt in Bhutan wurde er nach der Rückkehr in die Schweiz Direktor des damaligen Schweizerischen Verbandes für künstliche Besamung. sso

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