30.08.2017 09:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Ertragswertschätzung
Ertragswert steigt massiv
Auf einen Schlag werden die Ertragswerte nächstes Jahr massiv ansteigen. Dies vor allem wegen tiefer Zinsen. Eine gute Nachricht für alle, die ihren Hof übergeben – weniger gut für jene, die nach 2017 übernehmen wollen.

Aufgepasst bei der Hofübergabe! Ob ein Betrieb noch 2017 oder nach der revidierten Ertragswertschätzung übergeben wird, hat massiven Einfluss auf den Übernahmepreis. Zumindest wenn es sich um eine familieninterne Nachfolge handelt. «Im Schnitt steigen die Ertragswerte nächstes Jahr um 14% oder 1% pro Jahr seit der letzten Revision», bestätigt Samuel Brunner, Leiter Fachbereich Betriebsentwicklung beim Bundesamt für Landwirtschaft. Grund dafür ist die revidierte Anleitung für die entsprechende Berechnung. Diese wird aller Voraussicht nach im Dezember vom Bundesrat verabschiedet und tritt per Frühling 2018 in Kraft.

Faktor Zins

Auf die Berechnung einen wesentlichen Einfluss haben die Zinsen, und hier gilt gemäss bäuerlichem Bodenrecht: Je tiefer das langjährige Zinsniveau für Hypotheken ist, je mehr steigen die Ertragswerte. Seit der letzten Revision der Schätzungsanleitung vor 14 Jahren sind die Hypothekarzinsen auf einen absoluten Tiefststand gesunken.

Gemäss Brunner tragen zudem die hohen Investitionen auf den Betrieben und die Effizienzsteigerung ihr Übriges zu den steigenden Ertragswerten bei. «Rein rechnerisch wäre der Ertragswert um über 60% gestiegen. Lag dieser 2003 im Durchschnitt noch bei 24'000 Fr./ha (inkl. Gebäude), kämen wir heute auf über 40'000 Fr./ha. Dies wäre aber unverhältnismässig und für einen Nachfolger innerhalb der Familie kaum mehr tragbar gewesen. Wir sahen uns veranlasst, entsprechende Korrekturen bei der Berechnung vorzunehmen, die sich an der Bewertung für Liegenschaften der KMU anlehnt, die Risiken berücksichtigt und sich weniger stark an die Entwicklung des Kapitalmarkt orientiert», so Brunner.

Wichtiger Eckpfeiler

Auch der Schweizer Bauernverband (SBV) hält in seiner Stellungnahme zur neuen Ertragswertschätzung fest, dass eine Balance zwischen Verkäufer und Käufer angestrebt werden muss. Die Erhöhung des Ertragswerts zwischen 10 bis 20 Prozent hält der SBV in Anbetracht der langen Zeit seit der letzten Revision für nachvollziehbar, schlägt aber gleichzeitig ein kürzeres Zeitintervall von 5 bis 10 Jahren für Anpassungen vor. Zudem sollen auch neue Berechnungsmethoden zur Anwendung kommen.

Abschliessend festzuhalten bleibt, dass der Ertragswert nicht nur für die Hofübergabe relevant, sondern allgemein ein wichtiger Eckpfeiler im Schweizer Agrarrecht ist. Mit einem höheren Ertragswert einher gehen beispielsweise auch eine höhere Belastungsgrenze sowie ein steigender Marktwert der Betriebsleiterwohnung, da das Bundesgericht diesen an den Ertragswert gekoppelt hat.

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