3.03.2016 14:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Thomas Güntert
Deutschland
Deutsche kritisieren Schweizer Bauern
Zwischen den Landwirten ennet der Grenze bei Schaffhausen und ihren Schweizer Berufskollegen kriselt es. Schweizer Landwirte bewirtschaften Land auf deutschem Boden. Dies zum Missfallen ihrer Berufskollegen aus Deutschland.

Schweizer Bauern sollen künftig durch das Schweizer Landwirtschaftsamt kontrolliert werden und ihren in Deutschland erwirtschafteten Umsatz auch in Deutschland versteuern. Bei frei werdenden landwirtschaftlichen Flächen sollen die deutschen Pächter sowie das Land Baden Württemberg ein Vorkaufsrecht erhalten.

Das waren die Forderungen der Stühlinger Bauern an die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Karl Rombach und Felix Schreiner, die auf ihrer Landtags-Wahlkampftour Halt in Bettmaringen machten. Der Ort liegt ennet der nördlichen Landesgrenze des Kantons Schaffhausen.

Schweizer Bauern sollen sich finanziell beteiligen

Oswald Tröndle, Vorsitzender des Waldshuter Kreisverbandes, gab den Politikern gleich zu Beginn der Diskussion zu verstehen, dass die Bauern verbandsmässig parteiungebunden sind. Schon bei der Generalversammlung des landwirtschaftlichen Hauptverbandes, Stadtverband Stühlingen, die ebenfalls vor einigen Tagen stattfand, wurde Kritik an den Schweizer Bauern geübt.

Der Stadtbaumeister stellte ein neues Kostenkonzept für die Feldwegsanierung vor. Für 75 Kilometer asphaltierte und 84 Kilometer geschotterte Feldwege müssten 900'000 Euro investiert werden. Zur Sanierung der Feldwege sollen künftig auch die Schweizer Bauern herangezogen werden, die Land im deutschen Grenzgebiet zur Bewirtschaftung gekauft haben.

In Stühlingen "bauern" mehrheitlich Schweizer

Jeder fünfte Betrieb im Landkreis Waldshut hat keinen Hofnachfolger. Entlang der gesamten Deutschschweizer Grenze werden über 4000 Hektar Kulturland von rund 180 Schweizer Bauern bewirtschaftet. In Stühlingen sind es «eine Handvoll Bauern», die den deutschen Landwirten das Leben schwer machen. Die Gesamtgemeinde Stühlingen hat eine Fläche von 9500 Hektar, wovon knapp die Hälfte landwirtschaftlich genutzt wird. 60 Prozent dieser Fläche wird von auswärtigen Betrieben, grösstenteils von Schweizer Bauern bewirtschaftet.

Ein Stühlinger Bauer zeigte das Ausmass anhand einer Landkarte, auf der er sämtliche Flächen rot eingezeichnet hat, die von Schweizern bewirtschaftet werden. Besonders Viehbetriebe haben in der Gemeinde mit den zehn Ortsteilen zu wenig landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung. Oftmals müssen sie Futter zukaufen und die Gülle an andere Betriebe abgeben. «Die Axt ist am Baum», schimpfte Oswald Tröndle, weil die Schweizer Bauern die ertragsreichen Flächen bewirtschaften. «Den Schweizern würde so etwas nicht passieren», war der Tenor seiner Berufskollegen.

Tiefe Hemmschwelle

«Die Hemmschwelle der deutschen Landbesitzer, an Schweizer Bauern zu verkaufen, wird immer tiefer», betonte der Bettmaringer Milchbauer Siegfried Meister. Deutsche könnten die von Schweizern gebotenen Preise nicht bezahlen. Die Preise beim Landverkauf haben sich in den letzten fünf Jahren in Stühlingen mehr als verdoppelt.

Das Schweizer Landwirtschaftsamt würde gerne die Schweizer Bauern auf den deutschen Feldern kontrollieren, aber das sei nicht möglich. Die Kontrolleure würden von einem zum anderen Amt geschickt, bis sie bei der EU landeten, wo es dann heisse, dass solche Probleme regional gelöst werden müssten.

Geringe Wertschöpfung

Ein heisses Thema war auch das Stühlinger Schloss «Hohenlupfen», das der Schleitheimer Bauer Martin Stamm mitsamt Wald und Feldern gekauft hat. Hansjörg Büche aus Lausheim konnte nicht verstehen, dass das Land Baden Württemberg zuschauen konnte und diese Liegenschaft nicht selbst gekauft hat. Aus den Reihen der Besucher wurde aber auch kritisiert, dass die Wertschöpfung und Wertschätzung auf deutscher Seite sehr gering ist.

Dass auf der Gemarkung Stühlingen sieben Biogasanlagen im Betrieb sind, die enorm viel Kulturland verbrauchen, wurde weder von den Bauern noch von den beiden Politikern angesprochen. Auch nicht, dass es hauptsächlich die schweren Traktoren mit den grossen Gülleanhängern sind, die die deutschen Feldwege kaputt machen. 

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