16.09.2019 15:30
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/khe
Milchwirtschaft
Demo vor Emmi-Hauptsitz
Am Dienstag findet vor der Milchverarbeiterin Emmi in Emmen LU eine Demonstration für einen gerechten Milchpreis und einen transparenten Milchmarkt statt.

Im August haben rund 40 Vertreter von Milchproduktions-Organisationen, Verarbeiter, Grossverteiler sowie der Schweizer Tierschutz im Bundeshaus die Charta für den Branchenstandard nachhaltige Schweizer Milch unterzeichnet. Mit dem Ziel: Mittelfristig sollen sämtliche in der Schweiz produzierten Milchprodukte nach den Vorgaben des neuen Branchenstandards hergestellt werden. 

Am 1. September wurde der Branchenstandard «Nachhaltige Schweizer Milch» eingeführt. Das heisst: Alle Produzenten müssen 10 Grundanforderungen sowie 2 Zusatzanforderungen erfüllen. Die Verarbeiter auf der anderen Seite müssen einen Nachhaltigkeitsnachweis erbringen.

Ist der Standard erfüllt, wird für Molkereimilch im A-Segment ein Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rappen pro Liter ausbezahlt. Bei der Molkereimilch sind rund zwei Drittel im A-Segment und ein Drittel dem B- und C-Segment zuzuordnen. In der Schweiz werden pro Jahr rund 3,4 Milliarden Kilo Milch produziert, 2,4 Milliarden davon sind Molkereimilch. 

Die Gewerkschaft wird aktiv

Wie ist die Situation heute? Das fragt sich die bäuerliche Gewerkschaft Uniterre. Sie fordert, dass dieser Preis ab sofort "franko Stall" für das Segment A gilt. Und dass die Lieferungen in den Segmenten B und C freiwillig sind und keinen Einfluss auf das Volumen von Segment A haben. Die Verarbeitungsprämien an die Produzenten sollen wie gesetzlich vorgeschrieben bezahlt werden.

"In Zeiten des Kampfes gegen den Klimawandel, in denen alle gerne über nachhaltige Entwicklung sprechen, soll es keinen grünen Teppich, keine nachhaltige Produktion, ohne eine Vergütung geben. Die Bauern sollen fair bezahlt werden.", so Mathias Stalder von Uniterre. 

Für faire Bezahlung und einen transparenten Milchmarkt wollen sich die Landwirte morgen einsetzen. Von 11 bis 12 Uhr demonstrieren sie vor dem Emmi-Hauptgebäude in Emmen LU und rufen die Milchbauern auf, daran teilzunehmen. 

Uniterre kritisiert Verarbeiter und Handel

Die Gewerkschaft argumentiert: Emmi habe in den letzten fünf Jahren einen Gewinn von 700 Millionen erzielt, und der Leiter von Emmi kassierte im Jahr 2017 CHF 1'421'000. Coop und Migros ihrerseits würden im Jahr 2018 einen Gewinn von 473 Millionen respektive 475 Millionen erwirtschaften.

Für Uniterre zeigen diese Zahlen, dass für einige Menschen der grüne Teppich ein roter sei. Vor allem zu dem Zeitpunkt, die Produzenten, die an Emmi liefern, um die 50 Rappen pro Liter erhalten. Es sei an der Zeit, eine faire Verteilung des Mehrwertschöpfung zu fordern. Die Nahrungsmittelproduktion sei keine verlustbringende Tätigkeit, sei sie unerlässlich und erzeuge Reichtum, so die Gewerkschaft.  Das einzige Problem sei, dass dieser Reichtum die Bauern nicht erreiche. 

Kritik auch am Bundesamt

Uniterre richtet seine Worte auch an das Bundesamt für Landwirtschaft. Seit mehr als einem Jahrzehnt decke das Bundesamt für Landwirtschaft die organisierte Veruntreuung von Steuergeldern ab. Tatsache sei jedoch, dass Verarbeiter und Käsereien den Käseverarbeitungszuschlag nicht immer an die Milcherzeuger weitergegeben würden. 

Das Bundesamt sei sich dessen bewusst gewesen, habe die Analyse der Schweizer Agrarforschung bestätigt, so Stalder von Uniterre. Demnach seien nur 60% der Käseprämien tatsächlich an die Milcherzeuger weitergegeben.

BLW widerspricht

Jürg Jordi, Leiter Kommunikation des BLW, weist die Vorwürfe vehement zurück. "Der bisherige Auszahlungsprozess ist sehr wohl rechtskonform. Das hat auch das Bundesgericht nicht anders beurteilt", so Jordi gegenüber dem LID. Basierend auf der Verordnung des Bundesrates über die Zulagen und die Datenerfassung im Milchbereich zahlt das BLW heute die Verkäsungszulagen auf Gesuch monatlich den Milchverwerterinnen und Milchverwertern aus, wie Jordi erklärt.

Diese sind verpflichtet, die Verkäsungszulage innert Monatsfrist den Produzentinnen und Produzenten, von denen sie die zu Käse verarbeitete Milch gekauft haben, weiterzugeben. In der Abrechnung über den Milchkauf müssen Milchverwerter die Verkäsungszulagen separat ausweisen und die Buchhaltung so gestalten, dass ersichtlich ist, welche Beiträge sie für die Zulagen erhalten und ausbezahlt haben.

Laut Jürg Jordi prüft die Inspektionsstelle des BLW stichprobenweise die Einhaltung der Verordnungsbestimmungen durch die Milchverwerter vor Ort. Bei Verfehlungen werden Untersuchungen eingeleitet.


 

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE