31.03.2020 13:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Tabea von Ow, AWP
Wirtschaft
Das können Kleinunternehmer tun
Die Coronakrise ist für viele KMU eine schwierige Zeit. Der Umsatz ist von einem Tag auf den anderen weggebrochen, die Rechnungen stapeln sich, die Liquidität schwindet. Neun Dinge, die Kleinunternehmer jetzt tun können, um ihr Geschäft am Laufen zu halten:

Marketing für die Nach-Corona-Zeit betreiben

Wem jetzt Aufträge und Arbeit fehlen, der kann die Zeit nutzen, am eigenen Image zu feilen. Ein Coiffeurgeschäft beispielsweise erlangt mit Videoturorials für den Do-it-yourself-Haarschnitt Aufmerksamkeit. Ein Restaurant, das tolle Gerichte zum selber Kochen kreiert und dazu auch gleich die passenden Zutaten nachhause liefert, gewinnt die Herzen der Gourmands für sich. Ein Bergführer, der auf Social Media zeigt, wie man seine Kletterausrüstung in Schuss hält oder ein Fitnesszentrum, das Kraftübungen fürs Homeoffice vorstellt - der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Das Wichtigste ist: Den Kopf in den Sand zu stecken hilft nichts. Unternehmen, die jetzt ein positives Image verbreiten, gelten als sympathisch und können nach der Krise im Idealfall auf neue Kunden zählen.

Nachhause liefern

Je nach Branche können Produkte oder Dienstleistungen trotz Coronakrise verkauft werden, nur auf anderem Weg. Hobbygärtner, die gerade nicht zur Arbeit können, freuen sich über Pflanzen für ihren Garten, Freizeitschneider über Stoffe aus ihrem Nähshop und Restaurantbesucher wollen auch im Homeoffice nicht auf ein Zmittag aus ihrem Lieblingslokal verzichten. Gerade für Branchen wie den Detailhandel oder die Gastronomie kann ein Lieferservice eine gute Lösung sein. Unternehmer ohne eigene Liefermöglichkeit können auch einen Velokurier beauftragen oder auf einer Plattform für Nachbarschaftshilfe nach Lieferanten suchen. Viele Freiwillige liefern ihren Nachbarn in Quarantäne oder aus der Risikogruppe derzeit Einkäufe nachhause. Um den Massnahmen des BAG Folge zu leisten, ist es dabei allerdings wichtig, dass Kunden und Lieferanten den Mindestabstand von zwei Metern einhalten und die Zahlungen möglichst digital abgewickelt wird.

Gutscheine verkaufen

Wer seine Waren nicht ausliefern kann, kann unter Umständen trotzdem Umsatz generieren - und zwar mit Gutscheinen. Zahlreiche Webseiten bieten gratis oder günstig eine Plattform, um Gutscheine zu verkaufen. Bei einigen werden die Unternehmer sogar noch finanziell unterstützt, indem sie auf den Betrag jedes verkauften Gutscheins einen Zuschlag erhalten. Weil viele Konsumenten im Moment ungerne Geld ausgeben, sind auch später einlösbare Vergünstigungen eine gute Möglichkeit, um das Geschäft anzukurbeln. Erhalten die Kunden jetzt Rabatt auf eine Kosmetikbehandlung, eine Hotelübernachtung oder die Gestaltung des eigenen Webauftritts, greifen sie womöglich eher zu - und bleiben idealerweise auch in Zukunft treue Kunden.

Neue Vertriebs- und Werbekanäle suchen

Lieferservices, Gutscheine, Vergünstigungen und Imagewerbung nützen indes nichts, wenn damit die Kunden nicht erreicht werden. Um ihre Angebote überhaupt sichtbar zu machen, müssen Unternehmen angesichts geschlossener Ladentüren und in vielen Fälle nicht vorhandenen Kundendaten neue Wege finden. Geeignet sind etwa Internetverkaufsplattformen. Einige solche Plattformen sind erst kürzlich erstellt worden, um während der Coronakrise lokale Geschäfte zu unterstützen oder Nachbarschaftshilfe zu fördern. Der Vorteil: Die Reichweite ist oftmals grösser als bei der eigenen Webseite und gewisse Seiten konzentrieren sich auf bestimmte Produktgruppen, wie etwa nachhaltige Kleider oder IT-Dienstleistungen, und erreichen damit genau die richtige Zielgruppe. Für lokal verankerte Geschäfte können unter Umständen auch Flyer in Briefkästen und Kleinplakate die richtige Strategie sein. Und für gewisse Unternehmen ist vielleicht jetzt der Zeitpunkt, bei Social Media einzusteigen oder diese Kanäle zu intensivieren. Gewisse Social-Media-Plattformen offerieren aktuell spezielle Angebote für kleine Unternehmen, geben Tipps zum Social-Media-Auftritt und unterstützen Unternehmen mit Gratis-Werbeanzeigen. Schliesslich ist es auch in ihrem Interesse, dass ihre Kunden diese Krise überstehen und danach weiterhin Werbung schalten.

Aus anderen Töpfen schöpfen

Gewisse Unternehmen können aber kaum neue Vertriebskanäle nutzen - etwa solche, die auf Publikum angewiesen sind. Dazu gehören zum Beispiel Theater oder auch Fussballclubs. Für solche hat der Bund Überbrückungsgelder bereitgestellt: 280 Millionen Franken für Kulturinstitutionen, 100 Millionen Franken für den Sport. Die Modalitäten müssen noch genau ausgearbeitet werden, die Eckpfeiler stehen aber schon fest: Unter anderem sollen nicht gewinnorientierte Kulturinstitutionen und professionelle Sportvereine zinslose Darlehen erhalten. Konzertlokale, Theater und andere Kulturbetriebe können ausserdem Teile des Geldes zurückfordern, das ihnen durch abgesagte oder verschobene Veranstaltungen verloren ging. Kulturschaffende, die existenziell bedroht sind, können aus diesem Topf zudem A-fonds-perdu-Nothilfe beantragen.

Spenden sammeln

Für viele Branchen sind hingegen keine Beiträge vorgesehen, die nicht zurückbezahlt werden müssen. Firmen, die auf eine starke Community zählen können, ist es aber unter Umständen möglich, nicht-rückzahlbare Finanzierungshilfen auf privatem Weg zu bekommen. Eine Spendensammlung oder ein Crowdfunding kann beispielsweise einem Café in einem Quartier helfen, die Mietkosten für eine Weile zu decken. Damit eine Sammlung funktioniert, braucht es allerdings Zeit. Insbesondere dann, wenn man wegen des Social Distancing nicht einfach von Tür zu Tür gehen und den Hut hinhalten kann. Auch das Crowdfunding dauert häufig einige Wochen, bis das Finanzierungsziel erreicht ist. Manche Crowdfunding-Plattformen bieten während der Krise allerdings extra «Corona-Sammlungen» an, bei denen die «Alles-Oder-Nichts»-Politik ausser Kraft tritt oder keine Gebühren anfallen.

Kurzarbeit beantragen

Der besten Imagewerbung und neuen Vertriebswegen zum Trotz: Vielen Firmen reichen solche Massnahmen nicht. Sie können die Löhne ihrer Mitarbeitenden nicht mehr bezahlen. In solchen Fällen kann Kurzarbeit helfen. Dadurch werden die Lohnkosten reduziert und die Leute müssen nicht entlassen werden. Arbeitgeber bezahlen ihre Angestellten zum üblichen Zeitpunkt, bekommen den Betrag für die ausgefallenen Arbeitsstunden jedoch später von der Arbeitslosenversicherung zurück. Die Mitarbeitenden erhalten 80 Prozent des Lohns, der durch die Kurzarbeit wegfällt, sowie den normalen Lohn für die Zeit, die sie tatsächlich gearbeitet haben. Die Bedingungen für Kurzarbeit wurden während der Coronavirus-Epidemie stark gelockert, sodass derzeit beispielsweise auch Lehrlinge oder Temporärangestellte Anrecht auf eine Kurzarbeitsentschädigung haben.

Einen Hilfskredit des Bundes holen

Durch Kurzarbeit spart ein Unternehmen zwar Lohnkosten, die Fixkosten wie zum Beispiel die Miete müssen aber weiter bezahlt werden. Dafür hat der Bund Geld als Darlehen zur Verfügung gestellt. Die speziellen «Covid-19-Kredite» gibt es bis zu einem Betrag von 500'000 Franken «innerhalb einer halben Stunde», wie es an der Medienkonferenz von vergangener Woche hiess. Um sie zu beantragen reicht ein ausgefülltes Formular, das auf der Webseite des Bundes heruntergeladen werden kann. Die Darlehen dürfen 10 Prozent des Umsatzes nicht übersteigen, sind zinslos und der Bund trägt das Risiko. Kredit bleibt allerdings Kredit: Das Geld muss zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückbezahlt werden. Seit Donnerstag haben bereits knapp 32'000 Unternehmen ein solches Darlehen erhalten. Um einen Covid-19-Kredit zu beziehen, kontaktieren die Unternehmen am besten ihre Hausbank, 115 Banken beteiligen sich bisher am Programm.

Einen Hilfskredit des Kantons holen

Nebst dem Bund haben auch etliche Kantone Gelder bereitgestellt, um die Wirtschaft während der Krise zu unterstützen. Der Kanton Zürich beispielsweise hilft mit 500 Millionen Franken. Verteilt werden sie von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Diese Gelder kommen gemäss dem Leiter Firmenkunden der ZKB, Jürg Bühlmann, aber nur ergänzend zum Einsatz. Wenn ein Unternehmen beispielsweise aus nachvollziehbaren Gründen einen Betrag braucht, der 10 Prozent seines Umsatzes übersteigt und deshalb keinen Bundeskredit erhält. Oder auch bei Startups, die die Anforderungen für Bundeskredite nicht erfüllen.

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