11.09.2020 10:40
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Buttertäuschung» aufs Schärfste verurteilt
In der Schweiz gibt es zu wenig Butter. Die Lücken werden mit Einfuhren geschlossen. Diese Ware wird in derselben Verpackung verkauft wie Schweizer Butter. Der Vorstand des Schweizer Bauernverbands verurteilt die aus seiner Sicht erfolgte «Buttertäuschung» aufs Schärfste.

In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft. Derzeit gibt es aber zu wenig Schweizer Butter. Deshalb hat die Branche beschlossen, die Lücken mit Importen zu schliessen. Insgesamt wurden beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Butterimporte in der Höhe von rund 3000 Tonnen beantragt. Die Kontingente wurden auch bewilligt.

«Hergestellt in der Schweiz»

Mit den rund 3000 Tonnen Butterimporten sei die Versorgung gewährleistet, versichert die Branchenorganisation Milch (BOM). In den vergangenen Wochen und Tagen tauchte die erste Importbutter aus der EU in den Regalen des Detailhandels auf. Dass diese Butter in derselben Verpackung verkauft wie jene der Marke «Die Butter», sorgt für viel Wirbel und für Verärgerung. 

Denn den meisten Konsumenten dürfte nicht bewusst sein, dass in der Verpackung ausländische Butter steckt. Zwar fehlt das Schweizer Kreuz auf der Vorderseite. Auf der Rückseite der Butterverpackung ist zwar der Aufdruck «Herkunft EU» aufgedruckt. Doch die Aufschrift «Hergestellt in der Schweiz» wird gleichzeitig weiterverwendet. Und die Butter wird zum Aktionspreis feilgeboten, unter anderem bei der Migros.

«Detailhandel hat das Sagen»

Die Bauernorganisation BIG-M tut ihren Ärger über die Importe in ihrem jüngsten Newsletter kund. «Wir Milchbauern sind empört. Im Detailhandel wird neuerdings Importbutter in der gleichen Verpackung wie «Die Butter» verkauft. Diese Marke war bisher ein Garant für Schweizer Butter», heisst es dort. 

BIG-M ist über das Vorgehen entrüstet. Beim Beschluss, die Importe zu beantragen, habe noch Einigkeit geherrscht, dass die Importbutter nicht unter dieser Marke verkauft werde. «Der Detailhandel stellt jetzt aber klar, wer im Milchmarkt das Sagen hat», hält BIG-M fest. Die Organisation sieht die Marke «Die Butter» durch dieses Vorgehen arg in Mitleidenschaft gezogen. Leidtragende seien die Milchproduzenten. 

Bauernverband verärgert

Auch der Schweizer Bauernverband ist ob dem Vorgehen der Branche massiv verärgert. «Die Abmachung in der Branche war, dass die Importbutter nicht unter der Schweizer Marken wie «Die Butter» oder «Floralp» vermarktet wird. Die Erfahrung der letzten Tage zeigt nun, dass die Verarbeiter und der Detailhandel sich nicht um diese Abmachung scheren und auch die Importware als Markenbutter verkaufen», heisst es in einer Mitteilung von Freitag.

Für die Konsumenten sei der Unterschied zur echten Schweizer Butter nur im Kleinstgedruckten erkennbar. «Der Vorstand des Schweizer Bauernverbands verurteilt diese Buttertäuschung auf Schärfste», macht der Verband klar. Er erwartet, dass die entsprechenden Firmen sich unverzüglich an ihre Zusagen halten und aufhören, die einheimische Marken zu schwächen.

Auf der Website diebutter.ch heisst es, dass Butter dieser Marke ausschliesslich aus Schweizer Kuhmilch hergestellt und  keinerlei Zusatzstoffe enthält. Nun wurde ein Hinweis platziert: «Aktuell wird Die Butter für kurze Zeit aus Importbutter hergestellt. Die momentan produzierte Menge an Schweizer Butter reicht nicht aus, um die Nachfrage decken zu können. Dies ist auf die saisonal tiefe Butterproduktion, den in den letzten Monaten gestiegenen Butterabsatz (Leute haben sich vermehrt zu Hause verpflegt) und den reduzierten Einkaufstourismus zurückzuführen.» Ab Oktober werde Die Butter voraussichtlich wieder aus Schweizer Produktion stammen, heisst auf der Website.

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