12.08.2020 10:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Richard Greuter
Nidwalden
Bratkäse und Alpbeizli zum Verlieben
In der vierten Generation bewirtschaftet Pius Wyrsch die Alp Haghütte im Bannalp-Gebiet. Zusammen mit Partnerin Barbara Wismer produziert er Nidwaldner Bratkäse und andere feine Spezialitäten.

Die Begrüssung der Besucher auf der Alp Haghütte (1509 m.ü.M.) ist besonders herzlich. Die neunjährige Luna packt ihren Spielknochen und legt ihn den Ankömmlingen vor die Füsse. Und wenn sie nicht begreifen, was die verspielte, temperamentvolle Hundedame will, legt sie ihnen den Spielknochen sogar auf die Schuhe. Wirft ihn der Besucher dann weg, damit ihn Luna schnellstens wieder holen kann, hat er das Herz der Hündin endgültig erobert.

Beliebt bei Wanderern

Pius Wyrsch, der die Alp Haghütte mit seiner Partnerin Barbara Wismer betreibt, ist natürlich froh um den kleinen Liebling. So haben sie Gewähr, dass die Gäste in ihrem Alpbeizli rechtzeitig begrüsst und bedient werden. Wegen einigen Anpassungen als Folge der Corona-Krise konnten sie ihr Alpbeizli erst etwas später öffnen. Aber die Besucherzahlen seien gegenüber den Vorjahren gestiegen, berichten die beiden.

«Man merkt, dass mehr Leute wandern», sagt der 46-jährige Älpler. Die Region Bannalp ist in der letzten Zeit wegen Mutterkühen, die Wanderer oder deren Hunde angreifen, ins Gerede gekommen. Hier hat das Älplerpaar vorgesorgt. «Die Mutterkühe und ihre Kälber weiden nicht an Wanderwegen», sagt Pius Wyrsch. Doch die Hauptarbeit ist die Bewirtschaftung des eigentlichen Alpbetriebes und die Betreuung der Sömmerungstiere. 

Die Alp Haghütte

Die Alp Haghütte liegt auf 1509 m.ü.M. am Fusse des Chaiserstuel (2400 m.ü.M). innerhalb einer familienfreundlichen Wanderregion im Bannalp-Gebiet. Es sei eine gutgräsige Alp, umfasse rund 43 Hektaren zwischen 1450 bis 1750 m. ü. M., sagt Alpkäser Pius Wyrsch. In diesem Jahr umfasst die Bestossung 17 Milchkühe, 20 Mutterkühe mit ihren Kälbern und einigen Rindern. rg

Mit und ohne Kräuter

In der gut eingerichteten Käserei entstehen während eines Alpsommers bis zu 3500 Kilogramm Käse. Da unter den Milchkühen einige Galtkühe sind, sei es in diesem Jahr etwas weniger. Pius und Barbara die mit viel Liebe käsen, experimentieren gerne. Ein Drittel ihrer Käsespezialitäten ist Bratkäse, gut schmelzbar wie Raclette. Ein weiterer Drittel wird zu Alpkäse halbhart verkäst. Alp- und Bratkäse werden geschmiert und sind mit und ohne Kräuter erhältlich.

Der Rest ist eine Spezialität im Geschmack eines Sbrinzkäses, der aber mit einer tieferen Temperatur verkäst wird. Pius nennt ihn Schwitzkäse, das heisst: Er wird nicht geschmiert. Barbara Wismer tauft die Käsespezialitäten mit Namen ihrer Kühe. So kann der Käseliebhaber auswählen zwischen Emmi, Erna oder Betty. Eine Kostprobe vermochte mit einem abwechselnden Geschmack und einem feinen Aroma zu überzeugen. Rund die Hälfte ihrer Käseproduktion setzen sie in ihrem Alpbeizli ab oder verkaufen sie an Wanderer.

In die Bergwelt verliebt

Pius Wyrsch betreibt die Alp Haghütte bereits in der vierten Generation. Seit sechs Jahren steht ihm Barbara Wismer zur Seite. Für die geborene Stadt-Zürcherin, die in ihrer Jugend viel Zeit im Bündnerland verbrachte, scheint es nichts Schöneres zu geben als die Alp. Sie findet für die raue Bergwelt nur lobende Worte. «Der Chaiserstuel zeigt sich bei Sonnenauf- und -untergang immer wieder in anderen Farben», schwärmt die 44-jährige Bankfachfrau.

Im Winter arbeitet Pius Wyrsch als Sanitärmonteur bei der Firma Achermann in Oberdorf und Barbara Wismer bei der Raiffeisenbank. Daneben vermarkten sie in ihrem Hofladen in Oberdorf ihre Alpspezialitäten. Diesem Hofladen möchte sie im kommenden Winter eine weitere Nutzung zuweisen. Mit einfachen Mitteln können sie ihn zu einem Fondue- oder Raclette-Stübli für Gruppen bis 20 Personen umgestalten. Wie sie ihr Gästelokal auf Grund der Corona-Epidemie betreiben können, steht noch offen.

Kühe und Wanderer

Die Bannalp ob Wolfenschiessen ist ein beliebtes Ausflugsgebiet. Kürzlich war  ein Paar aus dem Kanton Solothurn  mit seinem Hund auf einer Wanderung durch eine Weide. Die Kühe gingen in der Folge auf sie los und stiessen sie zu Boden. Das Paar zog sich Prellungen und Blessuren zu.  Die beiden erwarten von der Gemeinde Wolfenschiessen, dass der Wanderweg während der Weidezeit gesperrt wird oder dass dieser durch Zäune gesichert wird. 

Die Gemeinde sagte gegenüber der «Solothurner Zeitung», dass man nicht untätig gewesen sei. «Für rund 60000 Franken haben wir Wanderwege verlegt und Weiden zusätzlich eingezäunt. Allerdings auf der Alp Räckholteren weiter oben, wo sich die Vorfälle in den vergangenen Jahren ereignet hatten», sagt Gemeindepräsident Wendelin Odermatt. Dass der Angriff im unteren Teil stattgefunden habe, sei überraschend. Nun will die Gemeinde mit den Älplern eine Lösung suchen und überprüfen, ob eine Sperrung eines Wegs möglich ist. Bereits im letzten Jahr wurden zwei Wandergruppen auf der Bannalp von einer Kuhherde angegriffen. blu

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