14.05.2020 17:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
BOM: Ausnahme bei «BTS oder RAUS»
Die Branchenorganisation Milch (BOM) führte in diesem Jahr die Delegiertenversammlung aufgrund der Corona-Pandemie auf dem schriftlichen Weg durch. Die Delegierten haben alle Anträge mit grosser Mehrheit angenommen. Eine Anpassung gibt es im Reglement Nachhaltige Schweizer Milch.

Für die Delegiertenversammlung auf schriftlichem Weg lagen den Delegierten fünf statuarische sowie zwei besondere Traktanden vor. 

Wie die BOM in einem Communiqué mitteilt, wurden die statuarischen Traktanden wie Abnahme der Erfolgsrechnung, Anpassungen Budget oder Zustimmung zum Geschäftsbericht einstimmig bei einigen Enthaltungen angenommen.

Zustimmung, bei einer Gegenstimme, erhielt auch eine Anpassung beim Reglement zum Branchenstandard Nachhaltige Schweizer Milch. Damit ein Milchproduzent den Nachhaltigkeitszuschlag erhält, muss er an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes, BTS und RAUS, teilnehmen. BTS steht dabei für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf. 

Gemäss der nun beschlossenen Anpassung sind künftig Ausnahmen möglich, «sofern damit keine Einschränkung des Tierwohls verbunden ist», heisst es in der Mitteilung. Die detaillierten Bestimmungen werden nun von den Fachgremien ausgearbeitet.

Zudem kommt es im Vorstand der BOM zu einem Wechsel. Die Delegierten haben ohne Gegenstimme Marc Muntwyler als neues Vorstandsmitglied gewählt. Marc Muntwyler wird Nachfolger von Roland Frefel. Er wird ab Mitte Mai die Interessen von Detailhändler Coop vertreten.

Die Produzenten müssen 10 Grundanforderungen sowie 2 Zusatzanforderungen erfüllen, damit ihre Milch den Standard Nachhaltige Schweizer Milch entspricht. Die Verarbeiter müssen einen Nachhaltigkeitsnachweis erbringen. Der Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rp. wird seit dem 1. September für Molkereimilch im A-Segment ausbezahlt, die den Standard erfüllt. Die Branchenorganisation hofft, dass mittelfristig alle Schweizer Milchprodukte nach den Vorgaben produziert werden

Zwingende 10 Anforderungen 

Fünf Anforderungen aus dem Bereich Tierwohl

RAUS-BTS: Die Kühe müssen an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. BTS steht für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf. 

Kälberhaltung: Die Mindesthaltedauer auf dem Geburtsbetrieb beträgt bei allen geborenen Kälbern 21 Tage. 

Mindestmelkintervall: Die Kühe müssen mindestens zweimal pro Tag gemolken werden. 

Einhaltung Richtlinien ASR: Die Tierhalter, welche mit ihren Tieren an Schauen und Aus-stellungen gehen, müssen sich verpflichten, die Richtlinien ASR einzuhalten.

Keine Trächtigkeit bei Schlachtkühen: Bei Schlachtkühen muss die Nicht-Trächtigkeit nachgewiesen gemäss der Branchenregelung Proviande eingehalten werden.

Zwei Anforderungen im Bereich Fütterung

Sojaschrot: Falls Sojaschrot in der Fütterung verwendet wird, muss dieses nachweislich aus nachhaltigen Quellen stammen.

Palmfett und Palmöl: Die Fütterung der Milchkühe kommt zu 100% ohne Palmfett oder -öl aus.

Drei weitere Anforderungen

Antibiotikaeinsatz: In der tiermedizinischen Behandlung dürfen ohne tierärztliche Anordnung keine kritischen Antibiotika verwendet werden, welche wegen der möglichen Resistenzbildung in der Humanmedizin umstritten sind.

Biodiversität: Das Bundesprogramm ÖLN muss erfüllt werden. Dies bedeutet, dass in der Regel mindestens 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen.

Name der Kuh und Kalb: Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen, welcher in der TVD eingetragen ist. Damit wird die für den Familienbetrieb typische Beziehung Tierhalter zum Tier zum Ausdruck gebracht.

8 Zusatzanforderungen (2 davon müssen die Bauern erfüllen)

RAUS und BTS

Ein Zusatzkriterium gilt als erfüllt, wenn der Milchbauer an den Bundes-Tierwohlprogramme BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltung) und RAUS (regelmässigen Auslauf) teilnimmt.

Lebetagleistung

Im Talgebiet: Mehr als 8 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.

Im Berggebiet: Mehr als 6 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.

Antibiotika

Kein prophylaktischer Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen. Als Beispiel angefügt werden Trockenstellen, Gebärmuttervorfall oder Mortellaro.

Komplementärmedizin

Im Krankheitsfall Anwendung von komplementärmedizinischen Methoden wie Homöopathie oder Phytotherapie.

Soziale Absicherung

Die Entlöhnung von Familienarbeitskräften wird dokumentiert.

Anerkannter Lehrbetrieb

Weiterbildung

Das Betriebspersonal besucht mindestes während einem halben Tag pro Jahr eine Weiterbildung.

SchuB

Der Betrieb bietet mindestens einmal pro Jahr Schule auf dem Bauernhof an.

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