7.06.2013 16:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Bern
Böser Seitenhieb gegen Berner Bauern
Der Kanton Bern wird teilweise mit Griechenland verglichen. Zwei Berner Professoren übten derweil scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik des Kantons sowie an den Bauern.

Das Bild des faulen Bern ist vor allem in der Innerschweiz und im Raum Zürich präsent. 1,2 Milliarden Franken erhielt der flächenmässig zweitgrösste Kanton der Schweiz aus dem Nationalen Finanzausgleich. Doch auch diese Zahlungen haben nicht ausgereicht, um den Staatsetat ausgeglichen zu gestalten. Die Regierung überprüft nun sämtliche Ausgabenposten, um über 400 Millionen pro Jahr einsparen zu können.

Visionen sind nur Träumereien

Die beiden Professoren Aymo Brunetti und Thomas Cottier zeigten am Mittwoch auf, wie sich Bern aus seiner misslichen Lage befreien könnte. Dabei mussten Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher und die Bauern einiges einstecken. Brunetti, der an der Uni Bern Wirtschaftspolitik und Regionalökonomie lehrt, sagte, dass die Politik Wachstum ermögliche müsse. Sie dürfe aber nicht lenkend eingreifen, zitiert die „Berner Zeitung“ in ihrer Donnerstagsausgabe Brunetti. Das Bild des „Superkantons“, welches Volkswirtschaftsdirektor Rickenbacher gerne zeichne, sei nur eine Träumerei. Die Berner würden den Fehler begehen, Visionen zu kreieren, die nichts brächten.

Wirtschaftspolitik sei aber „solide und langweilig“. Nur die Verbesserung der Rahmenbedingungen verspräche einen nachhaltigen Erfolg. Brunetti skizzierte denn auch eine Faustregel. Diese lautet, dass ein erfolgreicher Wirtschaftsminister im Stillen wirken solle.

Bauern sind Strukturerhalter

Rechtsprofessor Thomas Cottier zielte in seinem Referat nicht auf die verfehlte Wirtschafspolitik des Kantons, sondern auf die Bauern. Deren Mentalität sei auf Strukturerhaltung ausgerichtet. Und im Kanton Bern gäbe es viele Menschen, die wie die Bauern denken würden. Für die Aussenwirtschaft sei dies fatal, zitiert die „Berner Zeitung“ Cottier.

Cottier räumt den Schweizer Bauern aber intakte Chancen auf den internationalen Märkten ein. Diese müssten sich aber auf eine Qualitätsstrategie einigen. Mit einem Agrarabkommen mit der EU oder den USA könne die Berner Landwirtschaft „massiv profitieren“, ist sich Cottier sicher.

Er übt aber auch an seiner Institution Kritik. Die Unis würden ebenfalls Strukturerhaltung betreiben und sich dem Wandel verschliessen. Cottier glaubt aber nicht an einen raschen Wandel im Kanton Bern. So sagt er mit eindeutigen Worten: „Wir Berner sind 50 Jahre im Rückstand“.

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