14.11.2016 12:51
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bahn
BLS-Werkstätte in Waldstück
Das Bahnunternehmen BLS will seine Züge künftig an drei Standorten im Kanton Bern warten: In einem Neubau im Chliforst in Bern-West, in Bönigen sowie in Spiez. Das hat der BLS-Verwaltungsrat beschlossen, wie er am Montag bekannt gab.

Er folgt damit den Empfehlungen der Begleitgruppe «Werkstätte BLS» und korrigiert einen Entscheid aus dem Jahr 2015. Damals hatte die BLS-Spitze beschlossen, nur noch Werkstätten in Spiez und Bern-West zu betreiben. Der geplante Berner Standort beim Bahnhof Riedbach war aber stark umstritten, worauf eine Begleitgruppe eingesetzt wurde.

Riedbach ist keine Option mehr

Deren Empfehlungen hat die BLS nun geprüft. In der Tat sei die Variante mit drei Standorten inklusive Neubau im Chliforst Nord «betrieblich und wirtschaftlich am besten geeignet», hiess es am Montag an einer Medienkonferenz in Bern.

So ginge deutlich weniger Kulturland verloren als in Riedbach. Der Flächenbedarf beträgt im Chliforst noch ungefähr 21 Fussballfelder. Zum Grossteil handelt es sich um Kulturland, ausserdem müssten vier Hektaren Wald gerodet werden.

Viele Fragen seien noch offen, räumte die BLS ein - «beispielsweise betreffend Waldgesetz und Kompensationsmassnahmen». Klärung sollen die nächsten Planungsschritte bringen. Die betroffenen Grundeigentümer und Anwohner sollen eng in den Prozess eingebunden werden.

Für die direkt Betroffenen sei es nicht einfach, den Entscheid zu akzeptieren, erklärte die bernische Verkehrsdirektorin Barbara Egger. «Doch jetzt ist es Zeit, konstruktiv an der Projekterarbeitung mitzuarbeiten.» Eine funktionierende S-Bahn sei für die Region Bern von grösster volkswirtschaftlicher Bedeutung.

«Ja, aber» der Stadt Bern

Die Stadt Bern sieht auch beim Standort Chliforst beträchtliche Nachteile. Immerhin werde die künftige städtebauliche Entwicklung weniger stark tangiert als anderswo in Bern-West, betonte Stadtpräsident Alexander Tschäppät.

Die Stadt knüpft ihr Ja zu weiteren Abklärungen an zahlreiche Bedingungen. Die Bevölkerung müsse einbezogen werden, und es seien alle Empfehlungen der Begleitgruppe umzusetzen, erklärte Tschäppät. Dazu gehören die Erschliessung über den Autobahn-Anschluss Mühleberg, eine einvernehmliche Lösung mit den betroffenen Eigentümern und die Wiederaufforstung.

Die BLS will die neue Werkstätte «so verträglich wie möglich für Mensch und Umwelt» realisieren. Die nächsten Schritte sind eine Eingabe beim Bundesamt für Verkehr und der offizielle Mitwirkungsprozess. Der Baustart soll 2023 erfolgen. Der Neubau könnte 2025 in Betrieb genommen werden.

Kategorisches Nein der Umweltverbände

Die Umweltverbände bekräftigten am Montag ihren Widerstand gegen den Standort Chliforst. Sie erachten den weit von Siedlungen entfernt liegenden Standort als raumplanerisch und umweltrechtlich ungeeignet und plädieren für «klar bessere Standorte» - etwa beim bereits bestehenden Coop-Verteilzentrum in Niederbottigen.

Der Chliforst punkte nur deshalb, weil dort die Landeigentümer weniger betroffen seien. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und die Berner Sektionen von Pro Natura, VCS und WWF werfen der BLS-Spitze deshalb Opportunismus vor.

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