8.07.2016 15:21
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
BLS-Werkstätte: Allmendingen als Option
Die BLS sucht einen Standort für einen Neubau einer Bahn-Werkstätte. Die Suche gestaltet sich als schwierig. Bern-West wurde bisher favorisiert. Die Stadt Bern bringt nun den Standort Allmendingen ins Spiel.

Im März 2015 sorgte die BLS für einen Aufschrei. Sie gab bekannt, dass sie in Riedbach, rund 9 Kilometer westlich von Bern, eine neue Werkstätte bauen möchte. Auf einer Fläche von rund 20 Hektaren plant das Bahnunternehmen, ein Betriebsgebäude sowie Abstellgleise zu erstellen. Eine geringere Umweltbelastung, ein tieferer Betriebsaufwand und eine hohe operative Flexibilität sprechen aus der Sicht der BLS für Riedbach.

Grund für den Neubau: Die BLS muss ihren Standort an der Aebimatte in Bern bis 2020 schliessen, da die SBB das Areal für eigene Zwecke benötigt. Zudem möchte sich das Unternehmen auf zwei Standorte (Spiez und der gesuchte Ort) konzentrieren. Bis sie eine eigene, neue Werkstätte hat, lässt sie ihre Fahrzeuge bei den Freiburgischen Verkehrsbetrieben in Givisiez FR überholen.

Begleitgruppe favorisiert 3 Standorte

Doch die Bevölkerung rund um Bern konnte sich mit den Plänen nicht anfreunden. Im Grossen Rat wurden verschiedene politische Vorstösse eingereicht, die das Projekt anzweifelten. Wegen des Projekts müsste ein Bauernbetrieb weiche, zudem würde wertvolles Kulturland verloren gehen.

Deshalb wurde im Sommer 2015 eine unabhängige, breit abgestützte 30-köpfige Begleitgruppe ins Leben gerufen. Anfang Mai 2016 gab sich ihre Vorauswahl bekannt. Übrig blieben fünf Standorte – Riedbach, Niederbottigen, Bern West (Gebiet Bahnhof Riedbach), Industriegebiet Thun Nord und Konolfingen. Weiterverfolgt werden sollen Riedbach, Konolfingen und Thun. Als Favorit dürfte auch bei der Begleitgruppe Bern-West gelten.

Weidmann: Allmendingen schwingt knapp oben aus

Die Stadt Bern liess nun eine Zweitmeinung einholen. ETH-Professor Ulrich Weidmann kam zum Schluss, dass eine Zwei-Standort-Strategie (Spiez sowie und Standort in der Region Bern) am zweckmässigsten ist. Weidmann und sein Team bringen aber im Gegensatz zur Begleitgruppe den Standort Allmendingen, der südöstlich von Bern liegt, ins Spiel. Allmendingen sei unter Würdigung aller Aspekte der geeignetste Standort, so die Kernaussage von Weidmanns Bericht.

Das von der BLS favorisierte Riedbach stuft Ulrich Weidmann als eine ähnlich zweckmässige Alternative zu Allmendingen ein. Er bestätigt aber den in früheren Untersuchungen erkannten leichten Rückstand. Von den weiteren untersuchten Standorten erreicht gemäss Studie keiner eine vergleichbare Qualität wie Allmendingen und Riedbach.

Die Standorte Konolfingen und Thun werden als „wenig zweckmässig“ eingestuft. Die Thuner Stadtregierung hat bereits nach der Bekanntgabe des Resultats durch Begleitgruppe bekannt gegeben, dass sie keine Werkstätte auf ihrem Gemeindegebiet wünsche. Und auch in Konolfingen gibt es Opposition gegen einen möglichen Neubau.

Bern sieht Stadterweiterung gefährdet

In Allmendingen habe die BLS die Risiken eines Kapazitätsengpasses zwischen Thun und Bern als zu hoch eingeschätzt, findet Weidmann. Dieser Standort liegt an der Linie Bern-Thun und war einer von etwa zwanzig Standorten, welche die BLS unter die Lupe genommen hatte, bevor sich das Unternehmen für Riedbach entschied.

Für die Stadt Bern sprechen nicht der Kulturlandschutz, Immissionen oder den Landschaftsschutz gegen einen Neubau in Riedbach oder Niederbottigen. „Diese fallen an sämtlichen anderen möglichen Standorten ebenso sehr ins Gewicht“, heisst es im Communiqué der Stadtregierung. Die Stadt befürchtet aber, dass eine Stadtentwicklung gegen Westen (Brünnen Süd) durch einen Werkstatt-Bau beeinträchtigt oder gar verunmöglicht wird.

Chliforst auch Option

Die Standortoptionen «Chilforst Nord» und «Chliforst Süd» (Gemeindegrenze von Bern-Mühleberg) beurteilt die Stadt weniger negativ. „Falls deren Machbarkeit im Rahmen der Feinuntersuchung günstig ausfällt, wäre der Gemeinderat bereit, eine entsprechende Diskussion zu führen“, heisst es weiter. Die Berner Stadtregierung hatte im August 2015 bekanntgegeben, bei Weidmann eine Zweitmeinung zur BLS-Standortwahl einzuholen. Der ETH-Professor hatte vor etlichen Jahren schon die Pläne für den Ausbau des Hauptbahnhofs Bern extern unter die Lupe genommen.

Den Entscheid fällt nach einem Plangenehmigungsverfahren das Bundesamt für Verkehr. Schlussendlich dürfte aber das Bundesgericht über die Standortfrage entscheiden. Die Gegner der BLS-Werkstätte in Riedbach haben angekündigt, sämtliche Rechtsmittel auszuschöpfen.

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