7.09.2020 12:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
BIG-M über Butterverpackung erzürnt
In der Schweiz herrscht Buttermangel. Deshalb erfolgen Importe. Dass nun diese Importbutter in der Verpackung der Marke «Die Butter» verkauft wird, erzürnt die Bauernorganisation BIG-M. Die Werbung für Schweizer Butter brauche es so nicht mehr, fordert BIG-M.

In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft. Derzeit gibt es aber zu wenig Schweizer Butter. Deshalb hat die Branche beschlossen, die Lücken mit Importen zu schliessen. Insgesamt wurden beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Butterimporte in der Höhe von rund 3000 Tonnen beantragt. Die Kontingente wurden auch bewilligt.

3000 Tonnen Import

Die Branchenorganisation Milch (BOM), die die Importe beantragt hat, nennt mehrere Gründe für die tiefen Schweizer Lagerbestände:

  • Die Milchproduktion ist seit rund zwei Jahren zwar stabil, jedoch im langjährigen Mittel eher tief.
  • Der Käseabsatz ist seit längerer Zeit sehr erfreulich, was zu einer höheren Käseproduktion und damit zu weniger Milch für andere Verwertungskanäle führt.
  • Die Lebensmittelindustrie setzt wieder häufiger Milchfett statt Palmöl ein, beispielsweise in der Glace-Produktion.
  • Butter hat in Kombination mit dem Koppelprodukt «Magermilchprodukte» eine eher tiefe Wertschöpfung - auch aufgrund der gegebenen agrarpolitischen Rahmenbedingungen - , sodass die Butterherstellung aus Rohmilch nicht an erster Stelle steht.
  • Der Butterabsatz ist in der Schweiz in den letzten Monaten gestiegen.

Mit den rund 3000 Tonnen Butterimporten sei die Versorgung gewährleistet, versichert die BOM. In den vergangenen Wochen und Tagen tauchte die erste Importbutter aus der EU in den Regalen des Detailhandels auf. Dass diese Butter in derselben Verpackung verkauft wie jene der Marke «Die Butter», sorgt für Verärgerung.

Detailhandel hat das Sagen

Die Bauernorganisation BIG-M tut ihren Ärger in ihrem Newsletter kund. «Wir Milchbauern sind empört. Im Detailhandel wird neuerdings Importbutter in der gleichen Verpackung wie «Die Butter» verkauft. Diese Marke war bisher ein Garant für Schweizer Butter», heisst es dort. 

BIG-M ist über das Vorgehen entrüstet. Beim Beschluss, die Importe zu beantragen, habe noch Einigkeit geherrscht, dass die Importbutter nicht unter dieser Marke verkauft werde. «Der Detailhandel stellt jetzt aber klar, wer im Milchmarkt das Sagen hat», hält BIG-M fest. Die Organisation sieht die Marke «Die Butter» durch dieses Vorgehen arg in Mitleidenschaft gezogen. Leidtragende seien die Milchproduzenten. 

Bauern verlieren Marke

«Den Schaden dieses Manövers haben allein die Schweizer Milchbäuerinnen und Milchbauern, denn sie verlieren damit eine Marke, unter welcher ein grosser Teil der Schweizer Butter verkauft wird», schreibt BIG-M. Der Detailhandel werfe zudem sein Nachhaltigkeitskonzept «über den Haufen». Sorglos werde Importbutter in einer «Schweizerischen» Verpackung verkauft. Die Importbutter werde aber unter ganz anderen Bedingungen produziert. 

Schweizer Kühe würden gentechfrei gefüttert und könnten während mindestens 90 Tagen nach draussen gehen. Die EU ringe immer noch um ein Tierwohlprogramm und um eine Verschärfung von Umweltauflagen, die die Schweiz längst umgesetzt habe.

Butterwerbung braucht es nicht mehr

BIG-M ist auch enttäuscht über die Verbände, insbesondere die Schweizer Milchproduzenten (SMP). Diese hätten diese Wertvernichtung einfach hingenommen oder noch gar nicht bemerkt. Für die bäuerlichen Interessengemeinschaft für einen fairen Milchmarkt (BIG-M) ist klar: «Die Millionen für die Butterwerbung braucht es nicht mehr, um Importbutter anzupreisen. Diese können ab sofort sinnvoller verwendet werden, indem man sie den Molkereimilchproduzenten ausbezahlt. Diese haben das dringend nötig», so die Forderung der Organisation.

Auf der Website diebutter.ch heisst es, dass Butter dieser Marke ausschliesslich aus Schweizer Kuhmilch hergestellt und  keinerlei Zusatzstoffe enthält. Nun wurde ein Hinweis platziert: «Aktuell wird Die Butter für kurze Zeit aus Importbutter hergestellt. Die momentan produzierte Menge an Schweizer Butter reicht nicht aus, um die Nachfrage decken zu können. Dies ist auf die saisonal tiefe Butterproduktion, den in den letzten Monaten gestiegenen Butterabsatz (Leute haben sich vermehrt zu Hause verpflegt) und den reduzierten Einkaufstourismus zurückzuführen.» Ab Oktober werde Die Butter voraussichtlich wieder aus Schweizer Produktion stammen, heisst auf der Website.

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