14.03.2013 08:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Biodiversität
Beiträge fördern Artenvielfalt kaum
Fast 15% der Nutzfläche ist als ökologische Ausgleichsfläche ausgeschieden. Das ist mehr als doppelt so viel wie vom Bund vorgeschrieben. Trotzdem hilft dies der Biodiversität kaum. Das Problem ist systembedingt.

«Die Biodiversität ist die Vielfalt aller Lebensformen und ist Gold wert.» Das schreibt der Schweizerische Bauernverband (SBV) in einem letzten Freitag veröffentlichten Positionspapier zur Biodiversität. Dies nachdem der SBV-Vorstand am Donnerstag das Thema «Biodiversität» diskutiert hat.

Der SBV weist darauf hin, dass die Artenvielfalt in der Schweiz grösstenteils die Frucht der landwirtschaftlichen Tätigkeit sei. Umgekehrt auch die Landwirtschaft auf die Biodiversität angewiesen sei. «Denn ohne diese wäre die Landwirtschaft nicht, was sie heute ist», schreibt der SBV.

«Nicht unbeteiligt sein»

Besorgt hält er fest, dass es, seit dem es Leben auf der Erde gibt, fünf grosse Massensterben gegeben hat. «Das Tun der Menschen ist heute für das sechste grosse Artensterben verantwortlich und auch Grund dafür, dass die weltweite Biodiversität etwa 100 bis 1000 Mal schneller zurückgeht als dies in einer intakten Natur der Fall wäre. Die landwirtschaftlichen Aktivitäten sind daran nicht ganz unbeteiligt», schreibt der SBV.

Zwar schuf die Landwirtschaft durch ihre Tätigkeit durch eine Vielzahl extensiver Bewirtschaftungsformen neue Lebensräume und damit neue Arten. Hingegen habe die Industrialisierung der Landwirtschaft in der Nachkriegszeit mancherorts zu einer  Verkümmerung der Lebensräume, der Arten und der heimischen Biodiversität geführt.

Es hat genügend Flächen

Der SBV informiert in seinem Schreiben über die aktuelle Situation. In der Schweiz gibt es fast 130'000 Hektaren ökologische Ausgleichsflächen (ÖAF). 2010 waren es in der Talzone 11,9% der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN), 14,1% in der Hügelzone, 12,6% in der Bergzone I, 14,8% in der Bergzone II,  21,8% in der Bergzone III und 33,4% in der Bergzone IV. Im nationalen Durchschnitt werden 14,6 % der LN als ÖAF bewirtschaftet.

Und obschon die Opal-Studie der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) zum Schluss kommt, dass die Biodiversitätsflächen in der Landwirtschaft ausreichen, will der Bund sie in der Talzone auf 65'000 Hektaren ausdehnen. Daran stört sich der SBV. Es habe genügend Ökoflächen.

Bei der Qualität besteht noch Verbesserungspotenzial, welches die Bauern nutzen wollten. Schliesslich hätte die Landwirtschaft in den vergangenen 20 Jahren viel unternommen und Massnahmen getroffen, um die Naturräume zu erhalten, die für eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion notwendig sind. Dies gelte es zu anerkennen.

Als positive Schritte nennt er die Einführung des ökologischen Leistungsnachweises 1998, die Schaffung der Öko-Qualitätsverordnung 2001, Vernetzungsprojekte sowie die seit 2008 entrichteten Ressourcenschutz-Beiträge.

Gelder mit wenig Wirkung

Jahr für Jahr entrichtet der Staat Beiträge für ÖAF in der Höhe von rund 135 Mio. Franken. Zusätzlich entrichten Bund und Kantone etwa 100 Mio. Franken für Ökoqualitätsflächen und Vernetzungsprojekte. Diese Beiträge führten zwar zu einer beachtlichen Anzahl Ökoflächen, förderten die Artenvielfalt aber nur bedingt.

Dies belegt etwa die bereits erwähnte ART-Studie. Ein Artikel des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes (LID) sieht das Problem in der Entstehungsgeschichte dieser Beiträge. «Die Ökoflächen wurden vor allem eingeführt, um die Produktion zu bremsen. Entsprechend gering waren die Anforderungen», schreibt der LID. 

Und Thomas Walter, Mitautor der Opal-Studie, ist überzeugt: «Trotz Hunderten von Vernetzungsprojekten wurden nur in ganz wenigen Einzelfällen Zielarten und Organismengruppen systematisch erhoben.» Von knapp 1700 Umwelt-Zielarten wurden nur 250 Arten überhaupt berücksichtigt. Dazu kommt: «Über die Hälfte der in den Projekten vorgeschlagenen Einzel-Fördermassnahmen orientieren sich an den Bedürfnissen von lediglich 15 Arten!»

AP bringt kaum Besserung

Laut dem LID wird auch die anstehende AP 2017 punkto Biodiversität kaum Besserung bringen. Um die Öko-Qualität zu verbessern, müssten die richtigen Flächen am richtigen Ort liegen. Laut Modellrechnungen werden die Ökoflächen aber dort zunehmen, wo es bereits genügend mit entsprechender Qualität hat.

Kein Problem darin sieht Stefan Mann von Agroscope: «Aus umweltökonomischer Sicht ist es vorteilhaft, dort Biodiversität zu fördern, wo das grösste biologische Potenzial besteht. Und das ist sicher im Berggebiet der Fall.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE