8.04.2019 18:52
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Luzern
Bauern bohren nach Wasser
Der Trockenstress vom Sommer 2018 ist noch nicht überstanden. Zahlreiche Bauern haben mit Wassermangel zu kämpfen. Die Suche nach neuen Wasserquellen läuft im Kanton Luzern noch immer auf Hochtouren.

Der diesjährige Frühling steht ganz im Schatten des vergangenen Sommers. Wie die Luzerner Zeitung berichtet, setzen viele Luzerner Bauernhöfe auf eigene Wasserversorgung durch Quellen, die sich auf ihrem Land befinden. Deren Erträge sanken im Verlaufe des letzten Sommers jedoch teilweise rapide oder versiegten sogar gänzlich. Vor allem bei Betrieben mit Tierhaltung verlief die Suche nach neuen Quellen entsprechend rege.

Ausnehmend tiefe Bohrungen

Wasserbauer Walter Hodel aus Hergiswil bei Willisau wird seit Jahrzehnten für Bohrungen nach Quellwasser herangezogen. Der Wasserhaushalt der Böden habe sich noch immer nicht erholt, so der Willisauer. «Die Böden sind extrem ausgetrocknet – sogar im dichten Wald ist das mittlerweile der Fall», sagt Hodel. Er wird von Anfragen regelrecht überhäuft. Nur in Ausnahmefällen bohrt Hodel über 100 Meter horizontal in die Hänge hinein, im Normalfall hört er bei 30 Metern auf, wenn er dann auf kein Wasser stösst.

Hodel macht eine beunruhigende Beobachtung: Es bestehen zwar viele kleinere, brauchbare Quellen. Grosse Wasservorkommnisse findet er aber immer seltener. Und selbst für die kleineren Quellen muss er immer tiefer bohren.

Für Wasser-Bohrungen sind je nach Lage mit einem Baugesuch verbunden. Der Fachbereichsleiter Ländliche Entwicklung bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa), hat eine Häufung von landwirtschaftlichen Gesuchen beobachtet. Es sei durchaus denkbar, dass die Erfahrung des letzten Sommers den Landwirten bewusster gemacht hat, was eine Wasserknappheit bedeuten kann.

Gestein ist ausschlaggebend

Obwohl jeder Einzelfall von Wasserknappheit für den Betroffenen aufwendig und belastend sei, könne man über den ganzen Kanton gesehen noch nicht von einer prekären Situation sprechen, da viele Quellen nach wie vor Wasser liefern. Dass die Wasserversorgung in Trockenzeiten stark unterschiedlich sei, ist vor allem auf das Gestein zurückzuführen, so Philipp Arnold, Teamleiter Gewässer bei der Dienststelle Umwelt und Energie im Beitrag der Luzerner Zeitung. So weisen Quellen im Rigi- oder Napfgebiet eher starke Schwankungen auf, da im durchlässigeren Nagelfluhgestein weniger Wasser gespeichert wird als im Kalkgestein des Voralpengebietes oder der Molasse des Mittellandes.

Ungewisse Zukunft

Insgesamt seien die Quellschüttungen in den letzten Monaten zurückgegangen. Bei rund zwei Drittel der Gemeinden traten gemäss einer Umfrage Engpässe bei privat versorgten Landwirtschaftsbetrieben auf. Das ist auf das Niederschlagsdefizit zurückzuführen. Normalerweise fällt im Kanton Luzern zwischen 1000 und 1200 mm Regen pro Jahr. In den vergangenen 12 Monaten wurden aber nur 800 mm gemessen, ein markanter Rückgang.

Skeptisch wird auch in die Zukunft geschaut. Wasserbauer Walter Hodel fällt auf, dass der Wind immer öfter von Osten weht. Dieser entziehe dem Boden eher Wasser als der nasse Westwind.

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