11.05.2015 09:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans Käser
Bern
Bauer sauer - Mehrarbeit nur ungenügend entschädigt
Franz Wächli ist mit seiner Geduld am Ende. Vor rund zwei Wochen spritzte er das Abbrennmittel Glyphosat auf seine Wässermatten. Danach säte er Mais. Jetzt reichts: Der Bauer im bernischen Lotzwil will Geld sehen.

Franz Wächlis Wässermatten im Tal der Langete sind nicht mehr «ewige Wiesen», wie sie in alten Urkunden genannt werden. Der Landwirt in Lotzwil brannte vor rund zwei Wochen die Grasnarbe auf einer Fläche von 5 ha mit Glyphosat ab und säte Mais. Jetzt ragen die Keimlinge bereits ein, zwei Zentimeter aus dem Boden. Unberührt geblieben in Wächlis Wässermatten ist lediglich eine Ökowiese. 

Zu wenig Entschädigung

Für Franz Wächli gilt der Vertrag mit der Wässermattenstiftung Langenthal nicht mehr. Mitte März 2015 fand eine letzte Sitzung mit der Stiftung statt, die jedoch ergebnislos verlief. Streitpunkt waren die in den letzten Jahren stetig schwindenden Entschädigungen für Unterhaltsarbeiten am Wässergrabensystem, für das Wegräumen von Schwemmmaterial und für den Minderertrag.

Als die Wässermattenstiftung im Jahr 1992 gegründet wurde, stellte sie den Wässermattenbauern eine Entschädigung von 5450 Franken pro ha in Aussicht. Dieser Betrag wurde in den ersten sieben Jahren auch ausbezahlt. Doch dann nahmen die Entschädigungen kontinuierlich ab bis auf 800 Franken pro ha heute. «Da die halbe Fläche meines Betriebs in den Wässermatten liegt, geht es um meine Existenz», sagt der 62-jährige Bauer. «Ich möchte meinen Hof zu gegebener Zeit in anständigen Verhältnissen an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben können.» Deshalb sei er auf ein ausreichendes Einkommen angewiesen. 

Dauernd Finanzprobleme

Die Wässermattenstiftung hat ein Loch in der Kasse. In ihren Statuten ist festgehalten, dass nur der Ertrag, nicht aber das Stiftungskapital für Entschädigungszahlungen verwendet werden darf. Da sich die Ertragslage seit den Anfängen der Stiftung negativ entwickelt hat, mussten auch die Entschädigungen an die Wässerbauern zurückgehen.

Markus Ischi, Präsident der Betriebskommission, betont, die beteiligten Bauern seien immer wieder offen über die Entschädigungsmöglichkeiten der Stiftung informiert worden. Im Weiteren sei die Wässermattenstiftung mehrmals beim Kanton vorstellig geworden, um die finanziellen Verhältnisse der Institution zu verbessern. Doch habe man mit dem Anliegen bisher nicht Erfolg gehabt. Das neuste Sanierungsprojekt liegt seit 2013 beim Kanton. Auf eine Stellungnahme kann gegen Mitte Jahr gerechnet werden. 

Die Gemeinde bedauert

Der Lotzwiler Gemeinderat bedauert in einer Pressemitteilung das Verschwinden der Wässermatten auf einer Fläche von mehreren Hektaren sehr. Er zeigt aber auch ein gewisses Verständnis dafür, dass der Wässerbauer nicht mit 800 Franken pro Hektare auskommen könne und wolle. Nach Rücksprache der Gemeinde mit allen zuständigen Stellen des Kantons kommt der Gemeinderat zur Erkenntnis, keine rechtlichen Schritte gegen den streitbaren Landwirt einzuleiten, da rechtliche Grundlagen dazu fehlten.

Franz Wächli rechnet nicht mit einem Einlenken der Stiftung in der nächsten Zeit. «Für mich ist die Sache gelaufen», sagt er. Der Schritt, in den Wässermatten Ackerbau zu betreiben, sei für ihn endgültig. «Meine finanziellen Forderungen an die Stiftung jedoch erhalte ich aufrecht.»

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