3.10.2018 15:40
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Agrarpolitik
«Auftritt war ein Fehler»
Der Bericht über die Landwirtschaft der Informationssendung «10 vor 10» auf SRF 1 von Dienstagabend sorgte für rote Köpfe. Gemäss der Reportage fordert der Berner Bauernverband Änderungen (BEBV) bei den Direktzahlungen und beim Grenzschutz. Die Position sei vom TV-Sender unklar transportiert worden, teilt der BEBV am Mittwoch mit.

Der zuständige Journalist habe kein Interesse an einer objektiven Berichterstattung zur Einkommenssituation der Bauern oder dem Mehrwert derer Produkte gezeigt. Er sei nur an einer Sensationsgeschichte interessiert gewesen, schreibt der Berner Bauernverband am Mittwoch in einer Mitteilung. 

Systemänderungen gefordert

In der Sendung wurden die tiefen Einkommen thematisiert. Die Bauern würden zu wenig verdienen, sagte Wyss gegenüber dem TV-Sender. «Wettbewerb führt zu Innovation, zu neuen Produkten, mit denen wir auch mehr Geld verdienen können», sagte Andreas Wyss, Geschäftsführer des Berner Bauernverbandes zu «10 vor 10». Dazu müssten Vorschriften abgebaut und das heutige System der Direktzahlungen radikal vereinfacht werden. Später sei gar eine Reduktion der Direktzahlungen denkbar. Auch der Abbau des Grenzschutzes sei kein Tabu.

BEBV gegen Senkund der Direktzahlungen und des Grenzschutzes

Der Berner Bauernverband (BEBV) teilt nun am Mittwoch mit, dass die Haltungen und Positionen unklar transportiert wurden. Dies habe zu Verunsicherung geführt. «Der BEBV ist gegen eine Senkung des Grenzschutzes und selbstverständlich auch gegen eine Reduktion der Direktzahlungen», macht der Verband nun klar. Erst wenn die Wertschöpfung auf den Produkten zunehme, könne über eine Reduktion der Direktzahlungen und des Grenzschutzes nachgedacht werden. Es benötige aber grundsätzliche Systemanpassungen, bevor dies überhaupt Thema werden könne.

«Noch mehr Direktzahlungen sind aber keine Lösung und würden zudem politisch nicht goutiert», betont der BEBV weiter. Es gelte, die Abhängigkeit von unsicheren Bundesgeldern zu reduzieren. Für den BEBV ist es zentral, dass ein höheres Einkommen über einen höheren Erlös am Produkt erfolgen muss. «Der Auftritt von unserem Geschäftsführer Andreas Wyss in der Sendung «10vor10» von Dienstagabend muss aber rückwirkend als Fehler beurteilt werden. Wir werden unsere Lehren und Konsequenzen daraus ziehen», heisst es weiter.

Der Vorschlag des BEBV indes ist nicht neu. Ein Diskussionspapier mit den Vorschlägen wurde an der Mitgliederversammlung präsentiert. Dieses Papier sei kein Konzept für die Agrarpolitik 2022+, sondern soll zu Diskussion anregen.

Hauptelemente sind:

  • Steigerung des landwirtschaftlichen Erlöses aus den Produkten
  • Standortgerechte Landwirtschaft
  • Fokussierung auf Wertschöpfung, anstatt Fläche oder SAK
  • Klarere und höhere Abgeltung allgemeingenützter Leistungen wie Offenhaltung, Biodiversität oder dezentrale Besiedelung
  • Reduktion der Systemkomplexität / administrative Vereinfachung
  • Bäuerin und Bauer als Spezialist, Betrieb im Zentrum, weniger Eingriffe durch Vorschriften
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