29.05.2018 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Thurgau
«Angus veredeln das Gras»
Urban Dörig ist als Präsident von Swiss Angus ein begeisterter Züchter dieser Rasse. Er ist aber auch Ackerbauer mit 100 Hektaren Land, die er zunehmend gemäss regenerativer Landwirtschaft pflegt.

Der Hof von Urban Dörig liegt in Diessenhofen TG mit Blick auf den einige Dutzend Meter tiefer unten dahinfliessenden Rhein. Vor acht Jahren konnte er diesen Betrieb nahe der Klinik St.Katharinental zusammen mit seiner Frau Nadine vom Kanton Thurgau in Pacht nehmen. 

«Unsere 100 Hektaren eignen sich bestens für den Ackerbau, weil sie flach und gut arrondiert sind», erzählt er. «Sie sind unser Haupterwerb, der uns intensiv beschäftigt.» Dass er heute zusammen mit seiner Familie und im Sommer mit einem Polen sowie zur Erntezeit Aushilfen einen so grossen Betrieb bewirtschaften kann, schätzt er sehr. Doch dazu später.

Fasziniert von Angus

Denn der Bauer hat sich auf seinem Hof ein spezielles Hobby ausgesucht. «Die steilen Abhänge hinunter zum Rhein können wir maschinell nicht bewirtschaften», betont er. «Deshalb lassen wir Tiere das Gras veredeln.» Weil er auf seinem elterlichen Betrieb Angus kennen- und schätzen gelernt hatte, war der Entscheid schnell gefallen. «Mich faszinierten Angus schon immer. Ich bin überzeugt von der hohen Qualität dieses Fleisches. Wir halten deshalb einige Angus, die nun unsere Abhänge pflegen.»

Dörig ist begeistert von der Haltung dieser Tiere, weil sie immer im Freien sind, ihre Kälber selbstständig zur Welt bringen und grossziehen. Das sieht auch seine Kundschaft positiv. «Wenn ich kritischen Kundinnen und Kunden erkläre, wie die Tiere aufgewachsen und gehalten sind, so sind sie in der Regel restlos zufrieden.» Er freut sich zudem, dass das Programm Swiss Black Angus ein voller Erfolg ist. Als Präsident dieser Rassengruppe ist er überzeugt, dass solche Angebote der richtige Weg sind.

Saisonale Abkalbung


Der Verlauf seines Tierjahres entspricht allerdings überhaupt nicht dem üblichen. Da Urban Dörig über keinen Stall verfügt, verbringen seine Angus von ungefähr Dezember bis April die Zeit bei einem Berufskollegen. Von April bis Mitte Juni weiden sie das Gras auf dem Heimbetrieb ab, bevor sie nach La Punt auf eine Alp kommen. Im Herbst sind sie wieder zu Hause. «Dann ist auch die Zeit der Abkalbung gekommen», sagt er. «Der Herbst ist deshalb ideal, weil die acht bis zehn Kühe von der Alp fit sind und viel leichter gebären. Die saisonale Abkalbung macht die Haltung zudem einfacher, strukturierter und effizienter.»

Zurück zum Ackerbau, der rund 80 Prozent der Fläche in Anspruch nimmt. «Die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen und effizienten Betrieb sind ideal», sagt Dörig. «Wir können unsere Äcker rationell bearbeiten.» Er baut Weizen, Zuckerrüben, Industriekartoffeln, Raps, Spinat, Chicorée, Erbsen, Bohnen, Mais, Emmer und mehr an. Die Kunstwiese ist in die Fruchtfolge integriert, um dem Boden etwas zurückzugeben. «Diese Vielfalt ist zwar aufwendig. Aber sie verteilt nicht nur das Risiko und die Arbeitsspitzen sehr gut, sondern fasziniert mich auch.» 14 Prozent seiner Flächen sind Ausgleichsflächen.

Im Gleichgewicht

Nicht nur die Vielfalt, auch das Zusammenspiel von Boden und Pflanzen packt den Bauern zunehmend, konkret die regenerative Landwirtschaft. Diese passt gut in seine Haltung, immer wieder Neues auszuprobieren. «Mit meinen Kulturen fordere ich den Boden», betont Dörig, der sich im Verband Thurgauer Landwirtschaft als Vizepräsident engagiert. 

«Deshalb möchte ich die bestmöglichen Bedingungen schaffen, dass der Boden für die Kulturen und umgekehrt wirken kann. Das heisst, dass meine Felder praktisch immer bewachsen sind, damit sie sich regenerieren können. Der gesamte Boden mit seinen Lebewesen, Mineralien und Nährstoffen kommt wieder ins Gleichgewicht.» Kommt dazu: «Ich mache meine Arbeit extrem gerne. Deshalb ist die ganze Landwirtschaft eigentlich mein Hobby, das ich mit Herzblut betreibe.»

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