1.08.2015 08:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Zürich
Am Morgen Koffer, am Abend Stroh
Ein Bauernhof und ein Flughafen scheinen keine Gemeinsamkeiten zu haben? Doch! Auf beiden muss man anpacken und mit Maschinen umgehen können. Adrian Horr kennt beide Welten – und fühlt sich in beiden wohl.

In der Sommerferienzeit herrscht am Flughafen Zürich Hochbetrieb. Flugzeuge heben im Minutentakt ab, Ferienreisende strömen, die Koffer im Schlepptau, durch die Gänge. Koffer, die alle in die richtigen Maschinen geladen werden müssen. Es gibt derzeit viel zu tun für Adrian Horr, Landwirt aus Ottikon ZH.

Er arbeitet bei Swissport Zürich – einer Firma, die am Flughafen Bodenabfertigungs-Dienstleistungen erbringt –  im Flugvorfeld, der sogenannten Ramp. Dort fährt er die Gepäckwagen zum Flugzeug, stellt das Förderband oder die Hebebühne auf und lädt Koffer, Frachtstücke, Post und hin und wieder auch Hunde und Katzen in den Rumpf der Flieger.

Ackerbau auf 21ha

Adrian Horr bewirtschaftet einen Betrieb mit 21ha Ackerbau, er hat Getreide, Mais, Raps und Kunstwiese in der Fruchtfolge. «2014 habe ich aufgehört zu melken und suchte deshalb eine Arbeit, der ich neben dem Ackerbau nachgehen kann», begründet er seinen nicht alltäglichen Nebenerwerb. Horr ist sich gewohnt, anzupacken. Er hat schon in der Grastrocknungsanlage gearbeitet und dort Säcke gestapelt. «Ich bin zudem lieber draussen als in einem Büro, deshalb hat mich das Stelleninserat von Swissport Zürich sofort angesprochen.»

Tatsächlich sucht Swissport immer Mitarbeiter wie ihn, die Teilzeit arbeiten wollen – und die sowohl anpacken können wie auch den Umgang mit Maschinen gewohnt sind. Dagmar Pfanzelt vom Swissport-Personaldienst erklärt dazu: «Die Arbeit in der Gepäcksortierung, der Transport des Gepäcks zu den Flugzeugen wie auch das Beladen derselben bieten sich an für Bauern, die flexible Arbeitszeiten suchen.»

Arbeitstage angeben

Das bestätigt Horr, für den sein Nebenjob auf dem lärmigen, hektischen Flugfeld eine wilkommene Abwechslung zum Ackerbau ist: «Ich arbeite 40 Prozent. Das sind zwei Schichten pro Woche.» Seinen Arbeitsplan erhält er jeweils 10 Tage vor Monatsbeginn. Und bei der Planung kann er mitbestimmen: «Pro Monat muss ich 14 Tage angeben, an denen ich zur Verfügung stehe. An 9 Tagen werde ich in der Regel eingeteilt – ausser, ich möchte in einem Monat mehr arbeiten.»

Horrs Wunsch, Frühschicht zu arbeiten, kann meist entsprochen werden. Sie dauert von 5 Uhr morgens bis nach dem Mittag. So kann er am Nachmittag auf seinem Hof dreschen, Stroh laden oder sich der Bodenbearbeitung widmen. «Für mich ist das ideal. Wenn jemand am Morgen das Vieh versorgen muss, ist er mit der Spätschicht vielleicht aber besser bedient.»

Hebebühne im Griff

Laut Dagmar Pfanzelt gibt man sich so weit wie möglich Mühe, auf die Arbeitswünsche der Mitarbeitenden einzugehen: «Meistens klappt das sehr gut, zumal die Mitarbeiter angeben können, an welchen Tagen sie nicht eingesetzt werden können. Bezüglich Arbeitszeiten wird allerdings Flexibilität von den Mitarbeitenden erwartet.» Hingegen gebe es die Option, nach einer Einarbeitungszeit und einer Weiterbildung im Winter zusätzlich beim Enteisen der Flugzeuge mitzuhelfen. «Für viele Bauern ist es ideal, wenn sie das Pensum im Winter aufstocken können.»

Das Enteisen, ganz nah an den Flugzeugen, das kann sich heute auch Adrian Horr vorstellen: «Zu Beginn hatte ich Respekt, nur schon das Förderband und dann die grosse Hebebühne so nah an die Flieger zu manövrieren.» Dank einer ausführlichen Instruktion klappe das mittlerweile aber bestens. «Man beginnt mit den einfacheren Tätigkeiten und lernt dann Schritt für Schritt auch mit der anspruchsvolleren Technik umzugehen», freut er sich. «Und auch die Flughafensprache mit den Bezeichnungen für die Flugfelder und die Docks lernt man schnell. Langweilig wird es hier jedenfalls nicht.»

Voraussetzungen

Wer sich für einen Nebenerwerb bei Swissport Zürich interessiert, muss gut deutsch sprechen, körperlich belastbar, pünktlich und zuverlässig sein, zudem bereit, unregelmässig und auch am Wochenende zu arbeiten. Weiter sind eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz und ein Führerschein für Personenwagen Voraussetzung. sum
Infos: Lea de Boer, Tel. 043 815 03 42

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