1.04.2020 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Coronavirus
A: Rindfleischmarkt unter Druck
Die Corona-Krise führt in der österreichischen Rindfleischproduktion zu massiven Einbussen.

Der Ausfall des Ausser-Haus-Verzehrs (Gastronomie und Systemgastronomie sowie Grossküchen) und die starke Reduktion der Exporte lösen erheblichen Marktdruck mit kräftigen Preisreduktionen aus. Dies teilte die ARGE Rind heute mit. 

Alle Kategorien betroffen 

Die aktuelle Situation betrifft alle Kategorien in der Rindfleischproduktion. Sowohl bei Stieren und Ochsen, aber auch bei Schlachtkälbern und insbesondere bei Kalbinnen sowie Schlachtkühen kämpft die Branche mit stark reduzierten Absatzmöglichkeiten und drastischen Preisreduktionen. 

Insgesamt werden über 50% des Rindfleisches im Ausser-Haus-Verzehr vermarktet. Durch die gesetzliche Schliessung der Gastronomie kann ein Grossteil dieser Mengen nun nicht mehr abgesetzt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Exportmärkte vor allem für Kälber und Kühe nach Frankreich, Spanien, Deutschland und Italien nahezu zum Erliegen gekommen sind. Auch Jungstierfleisch-Exporte nach Deutschland oder Italien sind davon betroffen. 

Der Ausfall der Systemgastronomie führt ebenfalls zu grossen Mengeneinbussen, da etwa McDonald's Österreich zirka 45% der Vorderviertel der gesamten österreichischen Kuhschlachtungen abnahm. Bei Jungstieren kam es in den vergangenen zwei Wochen zu vorgezogenen Konsumenteneinkäufen im Lebensmitteleinzelhandel. Durch die derzeitige Sättigung ist damit zu rechnen, dass nur mehr rund 60% Absatz finden, die restlichen 40% müssen billiger verkauft werden. Lediglich bei Bio-Rindern werden derzeit aufgrund von Umschichtungen leicht erhöhte Mengen abgesetzt. 

Schlachthöfe kämpfen mit stark erhöhten Personalkosten 

Ein weiterer Grund für die Verschärfung der Situation ergibt sich aus den erhöhten Personalkosten der Schlachthöfe: Ausländische Arbeitskräfte müssen für Wochenendschichten gesondert bezahlt werden. Zusätzlich fallen sämtliche Erlöse für Rinderhäute weg, da die Auto- und Lederindustrie geschlossen wurden und keine Häute mehr verarbeitet werden können. 

Partnerschaft mit Handel 

"Diese Situation kann nur gemeinsam in der Branche gelöst werden - überzogene Preisvorstellungen schwächen letztlich alle. Ausserdem wäre es im Sinne der Fairness wichtig, alle Importe an ausländischen Schlachtrindern und Rindfleisch sofort einzustellen, um den österreichischen Rindfleischmarkt nicht noch mehr zu schwächen.

Wie gut auch in Krisenzeiten diese Partnerschaft funktioniert, zeigt sich im Handel. Die ARGE Rind konnte mit dem Lebensmittelhandel eine Vereinbarung abschliessen, den Rindfleischpreis für die nächsten vier Wochen auf dem heutigen Stand einzufrieren", berichtet Geschäftsführer Werner Habermann. 

Habermann sieht eine massive Bedrohung für die österreichischen Rinderbauern. "Die Branche ist derart unter Druck, dass wir derzeit mit Preisforderungen je nach Kategorie von bis zu 60 Cent pro kg konfrontiert sind, das entspricht einer Preisreduktion von bis zu 30% in einigen Kategorien. Und das in einer Sparte, die ohnehin schon 10 bis 20% unter dem Preisniveau vom Vorjahr liegt. Wenn wir jetzt nicht gemeinsam reagieren, ist das für die Rinderbauern existenzbedrohend", warnt der ARGE-Geschäftsführer. Er verweist auf einen zusätzlichen Aspekt: Je mehr der Markt sich in diese Richtung bewegt, desto mehr führt dies zu einem stärkeren Exportbedarf bei den Lebendrindern - der auch im Sinne des Tierschutzes nicht sinnvoll wäre. 

Aufruf: Nur gemeinsam kann Krise bewältigt werden 

"Die ARGE Rind tut ihr Möglichstes, um die absehbaren Marktverwerfungen einzudämmen. In ständiger Abstimmung mit den Marktpartnern und der Politik suchen wir nach einer gangbaren Lösung", betont Obmann Josef Fradler. "Aus meiner Sicht wären folgende Dinge dringend notwendig: Nur durch ein gemeinsames Vorgehen finden wir einen Weg aus der Krise, denn wenn einer nur auf seine Interessen schaut, fällt das Lösungskonstrukt zusammen. Die Schlachthöfe dürfen die Preise nicht zu massiv drücken - es gibt auch ein Nachher. Die Bauern sollten jetzt so viele Tiere wie möglich stehen lassen. Von der öffentlichen Hand benötigen wir eine Marktstützung, um extreme Härtefälle vermeiden zu können. Und die Konsumenten sollten sich bewusst dafür entscheiden, zu österreichischem Qualitätsfleisch zu greifen. Auf diese Weise schaffen wir eine gemeinsame Lösung zur Bewältigung dieser Krise", so Fradler.

 

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