21.03.2017 12:58
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
5'600 Milchbauern haben aufgegeben
Im April 2015 hat die Europäische Union die Milchquoten aufgehoben. In Deutschland haben seither 5'600 Milchbauern die Produktion aufgegeben. Die Anzahl grosser Betriebe hat aber zugenommen.

Für viele Milchbauern war der Wegfall der Quote nach 30 Jahren der Anfang vom Ende. Die geht jedenfalls von der Viehbestandserhebung des deutschen Agrarministeriums hervor. Die Fraktion der Grünen im Bundestag wollte wissen, wie sich der Wegfall der Milchquote auswirkte.

Im Süden verschwinden mehr Betriebe

Besonders kleine Betriebe haben die Produktion eingestellt. 6145 Bauernhöfe mit weniger als 100 Kühen haben aufgeben. Bei den grösseren Betrieben (mehr als 100 Kühe) hingegen nahm die Anzahl seit dem Quotenende um 560 zu.

Auch gibt es regionale Unterschiede. Im Süden des Landes haben mehr Betriebe die Produktion beendet. Im Bundesland Bayern gaben 2’353 Betriebe die Milchviehhaltung auf, in Baden-Württemberg fast 1’000. Auf Platz drei folgt Niedersachsen mit 707 Bauernhöfen, vor Nordrhein-Westfalen mit 704 und Schleswig-Holstein mit 233. Die Zahl der Kühe sank in den vergangenen anderthalb Jahren um fast 69’000 auf 4'217’700 Tiere.

«Strukturwandel wird sich fortsetzen»

Die Regierung geht davon aus, dass die Zahl der milchproduzierenden Betriebe weiterhin zurückgehen wird. Staatssekretär Peter Bleser schreibt in der Antwort auf die Frage der Grünen: «Der Strukturwandel in der Milchviehhaltung wird sich auch in Zukunft fortsetzen.» Diesen langfristigen Trend habe weder die Milchquote noch Preis-und Einkommensschwankungen verhindern könnten, zitiert die «Neue Osnabrücker Zeitung» den Staatssekretär. Nach der Einführung der Quote im Jahr 1984 sank die Zahl der Milchbauern von 369’000 auf 78’000.

Nach der Aufhebung der Quote kam zu einer «Preiskrise». Die Mengenausdehnung kombiniert mit einer stagnierenden Nachfrage und dem Russlandembargo haben die Produzentenpreise massiv sinken lassen. Das dürfte den Strukturwandel beschleunigt haben.

«Regierung verschliesst die Augen»

Nach Ansicht der Regierung habe sich die Lage mittlerweile wieder konsolidiert. Sie untermauert diese Aussage damit, dass der Produzentenpreis die 30-Cent-Marke (32.4 Rp./kg) überschritten habe. Doch der Bauernverband warnt.  «In einigen Regionen ist die Krise noch nicht ausgestanden», erklärt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken. «Gerade nach den zwei Krisenjahren reicht ein Milchpreis von knapp über 30 Cent für viele Betriebe noch nicht aus», fährt er fort.

Noch eine deutlichere Sprache sprechen die Grünen. Die Regierung habe der Aufhebung der Quote und der Milchpreiskrise zu wenig unternommen, um die Bauern zu stärken. «Die Regierung verschliesst die Augen und redet sich die Lage schön», kritisiert der Agrarpolitiker der Grünen, Friedrich Ostendorff. 

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