8.10.2019 16:11
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
1700 Kühe mit mehr Tierwohl
Der neue Branchenstandard «swissmilk green» wurde Anfang September eingeführt. Wie die Branchenorganisation Milch (BOM) mitteilt, loben 20 Unternehmen ihre Produkte mit der Bezeichnung aus. Seit dem Start profitieren gemäss der BOM zusätzlich 1700 Milchkühe von mehr Tierwohl.

Am 1. September wurde der neue Branchenstandard «Nachhaltige Schweizer Milch» eingeführt. Mit einer grossen Zeremonie, an der auch Bundesrat Ueli Maurer teilnahm, wurden im August die Vorzüge von «swissmilk green» hervorgehoben.

Bekenntnis zur Nachhaltigkeit

Rund 40 Vertreter von Milchproduktions-Organisationen, Verarbeiter, Grossverteiler sowie der Schweizer Tierschutz haben im Bundeshaus die Charta für den Branchenstandard nachhaltige Schweizer Milch unterzeichnet. Bundespräsident Ueli Maurer gratulierte der Branche zu ihrem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Dieses ziele darauf ab, gesunde Lebensmittel zu produzieren und die Natur zu erhalten.

Gleichzeitig werde damit hervorgehoben, dass ein Produkt einen Preis, aber auch einen Wert habe. Es bleibe die Aufgabe der Schweizer Landwirtschaft, gesunde Nahrungsmittel zu produzieren und die natürliche Lebensgrundlage zu erhalten. 

Ein Drittel nicht angemeldet

Die Produzenten müssen 10 Grundanforderungen sowie 2 Zusatzanforderungen erfüllen, damit ihre Milch den Standard erfüllt. Die Verarbeiter müssen einen Nachhaltigkeitsnachweis erbringen. Der Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rp. wird auf Molkereimilch im A-Segment ausbezahlt, die den Standard erfüllt. Ziel ist, dass sämtliche in der Schweiz produzierten Milchprodukte mittelfristig nach den Vorgaben des neuen Branchenstandards hergestellt werden. Fünf Wochen nach der Lancierung hat die Branchenorganisation Milch (BOM) eine erste Bilanz gezogen. 

Bei der Molkereimilch sind rund zwei Drittel im A-Segment und ein Drittel dem B- und C-Segment zuzuordnen. In der Schweiz werden pro Jahr rund 3,4 Milliarden Kilo Milch produziert, 2,4 Milliarden davon sind Molkereimilch.

Zwei Drittel der Molkereimilchproduzenten haben sich für «swissmilk green» angemeldet. Ein Drittel der Milchbauern produziert aber nicht nach dem neuen Standard. Weshalb das so ist, teilte die BOM nicht mit. Sie wurden überprüft und halten sich an die neuen Bestimmungen. 20 Unternehmen loben ihre Milchprodukte mit der neuen Bezeichnung aus oder verkaufen sie mit dieser Kennzeichnung.

70 Bauern haben umgestellt

Auch in Sachen Tierwohl hat sich gemäss BOM Veränderungen eingestellt. «Dank dem Standard grasen bis heute zusätzliche 1700 Milchkühe täglich auf der Weide oder leben neu in einem komfortablen Laufstall. Dies deshalb, weil sich in den letzten Wochen 70 Milchproduzenten entschieden haben, künftig die Vorgaben von RAUS (regelmässiger Auslauf ins Freie) oder von BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme), zu erfüllen», hält die BOM am Dienstag in einem Communiqué fest.

Schweizer Kühe fressen weniger Kraftfutter

Für ein Liter Schweizer Milch wird in der Schweiz durchschnittlich 90 Gramm eingesetzt. In den Nachbarländern ist es deutlich mehr.  In Deutschland und in Italien sind es mit über 200 Gramm mehr als doppelt so viel, in den Niederlanden sind es 165 Gramm, in Frankreich 136 Gramm und in Österreich 119 Gramm. 

In den letzten acht Jahren ist der Verbrauch in der Schweiz von energiebetontem Kraftfutter um 15 Prozent gesunken. Der Einsatz soll in den kommenden Jahren weiter sinken. Der geringere Einsatz führt die BOM auf die ertrag- und gehaltreichen Kleegrasbestände zurück.

«swissmilk green» kein Label

Die BOM hebt zudem hervor, dass es sich bei «swissmilk green» um kein Label handelt. Denn die Vorgaben müssen von allen Akteuren auf der Wertschöpfungsstufe eingehalten werden. «Im Gegensatz dazu lobt ein Label in erster Linie die Herstellungsweise einzelner Produkte aus. Labelprodukte besetzen in der Regel Nischen eines Marktes. Somit ist «swissmilk green» kein Label», so die Argumentation der BOM.

Zwingende 10 Anforderungen 

Fünf Anforderungen aus dem Bereich Tierwohl

RAUS-BTS: Die Kühe müssen an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. BTS steht für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf.
Kälberhaltung: Die Mindesthaltedauer auf dem Geburtsbetrieb beträgt bei allen geborenen Kälbern 21 Tage.
Mindestmelkintervall: Die Kühe müssen mindestens zweimal pro Tag gemolken werden.
Einhaltung Richtlinien ASR: Die Tierhalter, welche mit ihren Tieren an Schauen und Aus-stellungen gehen, müssen sich verpflichten, die Richtlinien ASR einzuhalten.
Keine Trächtigkeit bei Schlachtkühen: Bei Schlachtkühen muss die Nicht-Trächtigkeit nachgewiesen gemäss der Branchenregelung Proviande eingehalten werden.

Zwei Anforderungen im Bereich Fütterung

Sojaschrot: Falls Sojaschrot in der Fütterung verwendet wird, muss dieses nachweislich aus nachhaltigen Quellen stammen.
Palmfett und Palmöl: Die Fütterung der Milchkühe kommt zu 100% ohne Palmfett oder -öl aus.

Drei weitere Anforderungen

Antibiotikaeinsatz: In der tiermedizinischen Behandlung dürfen ohne tierärztliche Anordnung keine kritischen Antibiotika verwendet werden, welche wegen der möglichen Resistenzbildung in der Humanmedizin umstritten sind.
Biodiversität: Das Bundesprogramm ÖLN muss erfüllt werden. Dies bedeutet, dass in der Regel mindestens 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen.
Name der Kuh und Kalb: Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen, welcher in der TVD eingetragen ist. Damit wird die für den Familienbetrieb typische Beziehung Tierhalter zum Tier zum Ausdruck gebracht.

8 Zusatzanforderungen (2 davon müssen die Bauern erfüllen)

RAUS und BTS
Ein Zusatzkriterium gilt als erfüllt, wenn der Milchbauer an den Bundes-Tierwohlprogramme BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltung) und RAUS (regelmässigen Auslauf) teilnimmt.
Lebetagleistung
Im Talgebiet: Mehr als 8 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.
Im Berggebiet: Mehr als 6 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.
Antibiotika
Kein prophylaktischer Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen. Als Beispiel angefügt werden Trockenstellen, Gebärmuttervorfall oder Mortellaro.
Komplementärmedizin
Im Krankheitsfall Anwendung von komplementärmedizinischen Methoden wie Homöopathie oder Phytotherapie.
Soziale Absicherung
Die Entlöhnung von Familienarbeitskräften wird dokumentiert.
Anerkannter Lehrbetrieb
Weiterbildung

Das Betriebspersonal besucht mindestes während einem halben Tag pro Jahr eine Weiterbildung.
SchuB
Der Betrieb bietet mindestens einmal pro Jahr Schule auf dem Bauernhof an.

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