20.09.2016 14:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
10,5 statt 20 Hektaren
Der Bau einer neuen Werkstätte hat der BLS heftige Kritik eingebracht. In der Folge wurde eine Begleitgruppe eingesetzt. Diese empfiehlt nun einen Neubau in Chlyforst Nord zwischen Bern und Mühleberg. Der neue Standort liegt rund 4 Kilometer westlich vom bisher favorisierten Standort Buech. Die benötigte landwirtschaftliche Fläche würde sich um 9,5 Hektaren reduzieren.

Der Aufschrei war gross, nachdem die BLS im März 2015 bekannt gab, dass sie in Riedbach, rund 9 Kilometer westlich von Bern, eine neue Werkstätte bauen möchte. Die Bahn benötigt einen Neubau, weil sie die Werkstätte in der Aebimatt beim Bahnhof Bern aufgeben muss. Zudem will die BLS ihre Werkstätten in Bönigen und Oberburg bei Burgdorf mittelfristig aufgeben.

Verbale Prügel

Auf einer Fläche von rund 20 Hektaren plant das Bahnunternehmen, ein Betriebsgebäude sowie Abstellgleise zu erstellen. Als Vorteil von Riedbach-Buch nannte das Bahnunternehmen die geringere Umweltbelastung, den tieferen Betriebsaufwand und die hohe operative Flexibilität. Eine Bauernfamilie würde bei einem Bau an diesem Standort ihrer Existenzgrundlage. Die BLS will auf eine Zwei-Standort-Strategie mit Spiez und Bern als Standorte setzen.

Die BLS musste in der Folge heftige verbale Prügel einstecken. Deshalb wurde im Sommer 2015 eine unabhängige, breit abgestützte 30-köpfige Begleitgruppe ins Leben gerufen. Im Mai 2016 gab diese Gruppe fünf Standortvorschläge bekannt: Riedbach, Niederbottigen, Bern West (Gebiet Bahnhof Riedbach), Industriegebiet Thun Nord und Konolfingen.

Drei-Standort-Strategie

Am Dienstag nun wurde die Standortempfehlung abgegeben. Die Begleitgruppe schlägt dem BLS-Verwaltungsrat für die Instandhaltung der Züge der S-Bahn Bern eine Drei-Standortstrategie vor. Neben dem gesetzten Standort Spiez mit der leichten Instandhaltung soll die BLS den bisherigen Standort Bönigen weiterbetreiben und am Standort Chlyforst-Nord im Westen der Stadt Bern eine neue Werkstatt bauen. In Bönigen wäre – wie bisher – die schwere Instandhaltung angesiedelt, im Chliforst die leichte Instandhaltung.

Gemäss der Begleitgruppe kann der Kulturlandverlust gegenüber dem von der BLS favorisierten Standort Buech um 45 Prozent auf 10,5 Hektaren reduziert werden. „Wir haben alles daran gesetzt, Kulturland zu schonen. Das ist uns zum Teil gelungen, indem wir die Anlage redimensioniert haben, Wald tangieren und den Weiterbetrieb von Bönigen empfehlen“, erklärt Bernhard Antener, Präsident der Begleitgruppe.

Flaches Terrain

Da das Gelände beim Schiessstand Riedbach im Gegensatz zu Buech flach ist, wird mit tieferen Baukosten gerechnet. Als weiterer Vorteil des Standortes werden die Besitzverhältnisse genannt. Das Land gehört vollumfänglich der Burgergemeinde Bern. Somit müsste die BLS nur mit einer Partei verhandeln. Beim Standort Chlyforst müsste zudem 4,1 ha Wald gerodet werden. Die neue Anlage würde rund 14,5 ha gross werden. Als weitere Vorteile nannte die Begleitgruppe die relativ dünne Besiedelung, die schlechte Einsehbarkeit der Anlage und Synergien bei der Nutzung von Abstellflächen mit der SBB. Zudem müssten keine Gebäue abgerissen werden und die Stadt wäre in ihrer Entwicklung nicht eingeschränkt.

Der Entscheid für den nun empfohlenen Standort war in der Begleitgruppe nicht unumstritten. Das Gremium entschied sich mit rund 58 Prozent der Stimmen für eine Durchfahranlage am Standort Chliforst-Nord. Vor allem Umweltverbände lehnen aber Riedbach-West ab. Sie bevorzugen den Standort Niederbottigen aus grundsätzlichen, raumplanerischen Überlegungen. Dort würde die Werkstätte an eine bestehende Überbauung grenzen und keine Insellösung darstellen.

Der Verwaltungsrat der BLS entscheidet voraussichtlich bis Ende 2016, welchen Standort er für den Werkstattneubau favorisiert. Den definitiven Entscheid fällt nach einem Plangenehmigungsverfahren das Bundesamt für Verkehr. Schlussendlich dürfte aber das Bundesgericht über die Standortfrage entscheiden. Die Gegner der BLS-Werkstätte in Riedbach haben angekündigt, sämtliche Rechtsmittel auszuschöpfen.

Reaktionen

Doch das ist nicht im Interesse der Stadt Bern. Diese möchte in Brünnen-Süd die Stadt erweitern. Eine Werkstätte wäre hierfür nicht förderlich. Dementsprechend zeigt sich die Stadt in einer Medienmitteilung gesprächsbereit zum Standort Chlyforst. Dieser sei im Vergleich zu den anderen Varianten «etwas weniger problematisch». Trotzdem schränke der Standort Chlyforst den raumplanerischeren Spielraum der Stadt ein, so der Gemeinderat. Daher seien nun vertiefte Abklärungen und Diskussionen nötig.

Für die Grünen ist der Standort Chlyforst Nord ein «raumplanerischer Sündenfall», wie es in einem Communiqué heisst. Zwar seien Kosten und Kulturlandverlust im Vergleich zum ursprünglich geplanten Standort Riedbach tiefer. Doch die Grünen stören sich daran, dass im Chlyforst Nord eine «industrielle Inselzone» geschaffen werde. Niederbottigen dagegen liege neben schon industriell genutzten Arealen, zudem habe der Standort auch bezüglich Umweltschutz gut abgeschnitten.

Der Verwaltungsrat der BLS erachtet die Empfehlung der Begleitgruppe in einem Communiqué als „gewichtigen Beitrag zur Entscheidungsfindung“. Das Unternehmen wird diese nun vertieft analysieren und in die Gesamtbewertung der zukünftigen Ausrichtung der Fahrzeug-Instandhaltung einfliessen lassen.

Der Handels- und Industrieverband (HIV) ist zufrieden mit den Empfehlungen der Begleitgruppe. Wie dieser in einem Communiqué mitteilt, sei der Standort Chlyforst Nord „logisch und sinnvoll“.

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