12.01.2015 14:48
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Bern
„Gute Ernährung wird nie billig sein“
Am vergangenen Freitag lud der Berner Bauernverband Lobag zum vierten Lobag-Podium im Schlossgut in Münsingen ein. Dieses Jahr wurde das Publikum für einige Stunden in die Zukunft versetzt. David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI), berichtete aus der Trendforschung, während drei Bauern und Bäuerinnen ihre Zukunftsstrategien vorstellten.

Beim Blick in die Zukunft sieht David Bosshart vor allem einen Megatrend: „Science vs. Romance“. Und Lebensmittel sind mittendrin. Wie zu erwarten, werden Technologie und Globalisierung unsere Gesellschaft weiter prägen. Komplexe technologische Hilfsmittel vereinfachen uns das Leben, dadurch wird der Mensch von Zukunft bequemer. Weil das Komplizierte aber oft schwer verständlich ist, werden wir uns laut Trendforschung dem Überschaubarem und Altbekannten zuwenden. Dieses „Heimatgefühl“, das wir in einer schwer fassbaren und globalisierten Welt suchen, nennt Bosshart „Romantik“.

Mit Direktvermarktung Romantiktrend aufnehmen

Und hiervon kann die Lebensmittelbranche profitieren. Bereits heute zeichnen sich klare Trends ab, die diese Theorie stützen. Bio, Fairtrade, regionale Produktion, artgerechte Tierhaltung, Schrebergärten oder Urban Gardening sind nur einige Beispiele. Laut GDI gilt zukünftig: Klein ist fein und selbstgemacht ist besser als gekauft.

Eigentlich eine gute Nachricht für die Schweizer Landwirtschaft, könnte man meinen. Wenn da nicht diese Bequemlichkeit der Kunden wäre. Gratis-Apps und Internet haben dazu geführt, dass diese alles jetzt sofort und möglichst billig, wenn nicht kostenlos, haben wollen. Und eine erhöhte Mobilität macht dies möglich. Dies beisst sich mit dem Wunsch nach Frische, Qualität und Regionalität.

Denn: „Gute Ernährung wird nie billig sein“, so Bosshart. Bosshart sieht die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft daher in der Entwicklung des Lieferservices, aber auch in der Innovation durch die Weiterbildung und einer Weltoffenheit der Bauern. Diese können die Direktvermarktung nutzen, um auf den Zug des Romantiktrends aufzuspringen.

Bauern nehmen sich Trends an

Während dem Referat nicken viele Köpfe der Branchenvertreter im Publikum. Bei einigen landwirtschaftlichen Betrieben rennt Bosshart hier offene Türen ein. Denn als nächstes geht das Wort an drei Landwirte, deren Zukunftsstrategien sich bereits auf die Trends ausrichten. Trotz Hiobsbotschaften im Milchsektor, setzt Betriebsleiterin Susanne Kächi seit 2001 auf einen hochspezialisierten Milchbetrieb im Vollweidesystem, der den Trends Qualität, Tierwohl und Naturnähe folgt. Wie bisher, will sie den Prognosen zu fallenden Milchpreisen die Stirn bieten, indem sie ihre Produktion – und nicht die Direktzahlungen – optimiert.

Roland Friedli sieht sich als Bauer und Unternehmer und möchte seinen Vollerwerbsbetrieb behalten. Der gelernte Marketingexperte diversifiziert seinen Betrieb und wagt sich dabei auch in neue Gewässer: So baut er Lavendel für eine Kosmetiklinie an.

Daniel Stoller setzt auf die Direktvermarktung seiner Bergkäse und möchte auch die graslandbasierte Fleischproduktion weiterentwickeln und selber an den Mann bringen. Die Weiterbildung ist für ihn selbstverständlich, bereits jetzt arbeitet Stoller im Nebenerwerb als Buchhalter für Agrarbetriebe.

Zum Abschluss bleibt den Teilnehmern Zeit zum Netzwerken, dem laut Lobag-Präsident Hans Jörg Rüegsegger wichtigsten Teil der Veranstaltung. Das Lobag-Podium findet jährlich im Januar statt, dieses Jahr nahmen über 200 Branchenvertreter teil.

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