8.03.2016 17:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Zuckerrüben
Zuckerrüben: Einzelkulturbeitrag soll auf 1'800 Fr./ha steigen
Der Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben soll rückwirkend per 1. Januar 2016 auf 1800 Fr./ha erhöht werden. Das ist eine positive Nachricht. Doch reicht das, um bei den tiefen Zucker- und Rübenpreisen den Anbau zu sichern?

«Der Preiszusammenbruch auf dem europäischen Zuckermarkt und der Euroschock liess die Schweizer Zuckerwelt 2015 zittern», zog Präsident Josef Meyer an der gestrigen Delegiertenversammlung des Verbands der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) Bilanz. Als positive Aspekte seien die gute Zusammenarbeit mit der Zuckerindustrie und die Solidarität unter den Bauern zu nennen.

EU fährt Produktion hoch

Leider sieht die Zukunft weiterhin düster aus: «Ich habe in einer deutschen Zeitung gelesen, dass Südzucker, der Leader auf dem EU-Zucker-Markt, seine Produktion nach der Aufhebung der Quoten nächstes Jahr um 40 Prozent steigern will. Die EU-Zucker-Preise werden voraussichtlich um 20 bis 30 Prozent sinken», führte Meyer aus. Dies wirkt sich direkt auf den Schweizer Markt aus. Die Branche brauche daher einen zusätzlichen Grenzschutz, einen Mindestpreis für Importzucker, betonte der Rübenproduzent aus Jussy GE. 

Wohlverstanden müsse auch die Zuckerbranche ihre Hausaufgaben machen. Insbesondere bei den Transportkosten gebe es noch viel Einsparpotenzial. «Wir werden in den nächsten Monaten verschiedene Lösungen diskutieren», kündigte SVZ-Geschäftsführerin Irene Vonlanthen an. Der SVZ setze sich auch für tiefere Pflanzenschutzmittelkosten ein, und mit der IP-Suisse prüfe man die Möglichkeit einer IPS-Zucker-Produktion.

Nicht mehr Grenzschutz

Dass hinsichtlich mehr Grenzschutz vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nicht viel zu erwarten ist, stellte Dominique Kohli, Vizedirektor beim BLW, in seiner Grussbotschaft klar: «Unsere Bestrebungen gehen in die Richtung, den Grenzschutz nicht zu erhöhen.» Der internationale Druck diesbezüglich, insbesondere von der EU, sei sehr hoch. 

Aber auch das BLW wolle die Zuckerproduktion in der Schweiz langfristig sicherstellen. «Deshalb beabsichtigt das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung, dem Bundesrat eine Erhöhung des Einzelkulturbeitrages für Zuckerrüben von 1600 Fr. auf 1800 Fr./ha rückwirkend auf 1. Januar 2016 vorzuschlagen», verkündete Kohli. Der Bundesrat werde voraussichtlich Ende April darüber entscheiden.

Josef Meyer dankt dem BLW für diese Hilfe. «Wir nehmen damit aber uns und unseren Berufskollegen an einer anderen Stelle Geld weg, weil das Agrarbudget gegeben ist. Ich bitte Sie, trotzdem den Weg eines höheren Grenzschutzes weiter zu prüfen», gab er Kohli mit auf den Weg.

Rote Zahlen

Aus dem SVZ-Vorstand treten Jean-Philippe Décoppet, Suscévaz VD, und Simon van der Veer, Sutz-Lattrigen BE, zurück. Sie werden ersetzt durch Philippe Egger, Chavornay VD, und Martin Studer, Niederösch BE. Studer wird zudem neuer Vertreter in der Interprofession Zucker.

Die Rechnung 2015 des Verbandes widerspiegelt mit einem Verlust von fast 42'000 Franken die schwierigen Zeiten der Zuckerbranche. «Die Zahlen kommen röter daher als budgetiert», kommentierte die Geschäftsführerin Irene Vonlanthen an der DV. Die Gründe dafür seien vor allem die höheren Personalkosten wegen unvorhergesehener Ereignisse. Dazu gehört die Kundgebung «Rettet den Schweizer Zucker» vom September 2015. Deren Kosten hat die SVZ vollständig übernommen.

Das Budget 2016 sieht mit einem Einnahmeüberschuss von 13'300 Fr. etwas rosiger aus. Erwähnenswert sind hier die deutlich tieferen Kosten für die Zuckerrübenfachstelle. Diese betragen neu 310'000 Fr. statt wie bisher 380'000 Fr. Jahresrechnung und Budget wurden einstimmig genehmigt. gro

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