5.10.2018 10:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Schafzucht
Zoff um Beitragshöhe
Der Schweizerische Schafzuchtverband hat im Jahr 2017 nur 4.50 Franken Entsorgungsbeitrag gefordert, obwohl sich der Vorstand für 12 Franken ausgesprochen hatte. Für Präsident Alwin Meichtry reichen die 4.50 Franken .

Gestützt auf das Tierseuchengesetz beteiligt sich der Bund an den Kosten der Entsorgung von tierischen Nebenprodukten. Beim Rindvieh, für das  bereits eine Pflicht zur Meldung an die Tierverkehrsdatenbank (TVD) besteht, bezahlt die Identitas AG den Geburtsbetrieben 25 Fr. pro geborenes Kalb aus. Verrechnet wird dies mit Gebühren für den Tierverkehr (z.B. für die Lieferung von Ohrenmarken). 

Betrifft jeden Schäfeler

Ab 2020 gilt die TVD-Pflicht auch für Schafe und Ziegen. Das hat der Bundesrat am 25. April 2018 beschlossen. Gleichzeitig hat er festgelegt, dass ab 2020 der Geburtsbetrieb für jedes geborene Schaf oder jede geborene Ziege einen Entsorgungsbeitrag von 4.50 Fr. erhält.

Diese Beitragshöhe sorgt in den Verbänden der Schaf- und Ziegenhalter für viele Diskussionen und ist ein Aspekt in der Unruhe im Schweizerischen Schafzuchtverband, die im gescheiterten Versuch, den Präsidenten Alwin Meichtry abzuwählen, und in Strafanträgen von Meichtry gegen ein ehemaliges Vorstandsmitglied und gegen ein noch gewähltes Vorstandsmitglied gipfelt. Jeder einzelne Schweizer Schaf- und Ziegenzuchthalter wird  ab  2020 diese Beitragshöhe ganz konkret im Portemonnaie spüren. 

Ziegenhalter für Anreiz

Vorgeschlagen hatte der Bund im Mai 2017 lediglich 2.25 Franken Entsorgungsbeitrag pro geborenes Schaf und pro geborene Ziege. Das wurde von deren Verbänden als zu tiefer Wert empfunden. Der Schweizerische Ziegenzuchtverband (SZZV) beantragte 6 Franken für Schafe und Ziegen.

Der Ziegenzuchtverband schrieb dazu: «Es gilt ganz grundsätzlich, einen Anreiz für die Meldungen an die TVD zu schaffen. Es wird nicht so einfach sein, sämtliche Schaf- und Ziegenhalter für die Meldungen an die TVD zu bewegen.» Kontrollorgane für die fehlenden Meldungen würden deutlich mehr kosten, es werde auch schwierig sein, Nichtmeldungen zu eruieren.

Angefügt war auch der Satz: «Die tiefen Beiträge an die Geburtsbetriebe sind umso mehr unverständlich, als dass bei den ‹fehlenden Meldungen› für Tiere der Schaf- und Ziegengattung der gleiche Ansatz (5 Franken) gilt wie bei den Rindern.» 

Eingabe von nur 4.50 Fr. 

Auch der Vorstand des Schweizerischen Schafzuchtverbands (SSZV) diskutierte über die Höhe des Entsorgungsbeitrags. Am 5. September 2017 sprach sich der Vorstand für einen Entsorgungsbeitrag in der Höhe von 12 Franken aus – anhand der vorhandenen Information, wie Meichtry heute betont.   

Doch in der Vernehmlassungseingabe, die öffentlich eingesehen werden kann und die bis zum 19. September 2017 eingegeben werden musste, sprach sich der SSZV für lediglich 4.50 Franken aus. Wie kommt das? Hat der Präsident Alwin Meichtry  alleine, ohne Rücksprache mit den anderen Vorstandsmitgliedern, einen tieferen Wert eingegeben? Er «halte sich an die Statuten, wo  der Vorstand die Entscheidungskompetenz habe», so Meichtry.

Auch für die laut Meichtry begründete Änderung von 12 auf die 4.50 Franken habe er,  anlässlich der  Sitzung vom 18. September 2017, der Verantwortlichen der SSZV-Geschäftsstelle einen entsprechenden Auftrag erteilt, die Meinung der Vorstandsmitglieder telefonisch abzuholen und anschliessend die aktuelle Vernehmlassung anzupassen und einzureichen. 

«Kein Telefon erhalten»

Beat Würsch aus Emmetten NW, der im März 2018 den Vorstand verliess, sagt auf Anfrage des «Schweizer Bauer»: «Der Vorstand hat vor der Eingabe ans BLW keinen Beschluss für 4.50 Franken gefasst. Sondern es hat sich im Vorstand eine Mehrheit für 12 Franken ausgesprochen. Ich erfuhr von den 4.50 Franken erst nach der Eingabe ans BLW,  und ich weiss von anderen Vorstandsmitgliedern, dass sie auch kein entsprechendes Telefon bekommen haben.»

Auch Caterina Lamoni  Grogg sagt, sie habe kein Telefon erhalten, in dem sie nach ihrer Meinung für  4.50 Franken gefragt worden sei. Sie ist auch der Überzeugung, dass ein so wichtiger Entscheid ohnehin nicht mit einer Telefonumfrage behandelt werden könnte, wenn der Vorstand ein paar Tage vorher noch etwas anderes beschlossen habe. Auch das damalige Vorstandsmitglied Ambros Zurfluh aus Bubendorf BL hat kein solches Telefonat erhalten, wie er erklärt. 

Ziegenhalter überrascht

Beim Ziegenzuchtverband war man damals überrascht, dass der Schafzuchtverband nur 4.50 Franken eingegeben hatte. Das Ziel der SZZV-Geschäftsführerin Ursula Herren war, dass Ziegen- und Schafzuchtverband für den Entsorgungsbeitrag die gleiche Höhe fordern. Ihre Überzeugung ist, dass Schaf- und Ziegenhalter gerade auch in politischen Angelegenheiten zusammenspannen müssen, um zusätzliches Gewicht zu haben. Vom  Schafzuchtverband habe sie noch einen Entwurf mit 6 Franken erhalten, dann habe sie nichts mehr gehört. Das sagt Herren auf Anfrage.

An der Delegiertenversammlung des Schafzuchtverbandes in Brig VS, an der Meichtry  den von mehreren Vorstandsmitgliedern organisierten Abwahlversuch überstand, hatte Herren Beispiele für die in zahlreichen Voten angeprangerte Führung im Schafzuchtverband genannt und auch erwähnt, dass der Wille zur Zusammenarbeit mit dem Ziegenzuchtverband – ganz im Gegensatz zur früheren Verbandsleitung – deutlich weniger zu verspüren sei. 

Mehrere Verbände für 6 Fr. 

Der Ziegenzuchtverband gibt aber nicht auf. Vor zwei Wochen hat er einen Brief an das Bundesamt für Landwirtschaft abgeschickt. Die 4.50 Franken Entsorgungsbeitrag seien ungenügend, um einen ausreichenden Anreiz für die Meldung der Schafe und Ziegen in der TVD zu schaffen. Wenn jetzt erneut 6 Franken gefordert würden, sei dies ein Kompromiss.

Der Aufwand für die Markierung sowie die Meldung eines Lammes oder Gitzi sei schliesslich genau gleich gross wie jener eines Kalbs. Schafe und Ziegen würden ohne Grund schlechter gestellt, das sei eine Ungleichbehandlung, die korrigiert werden müsse. Neben dem Ziegenzuchtverband haben diesen Brief auch die Schweizerische Milchschafzuchtgenossenschaft,  der Verband Schweizerischer Berufsschäfer,  Capra Grigia Svizzera, die Vereinigung für das Ostfriesische Milchschaf und der St. Gallische Schafzuchtverband unterschrieben. 

«Nicht hohle Hand machen» 

Der Schweizerische Schafzuchtverband hingegen hat den Brief nicht unterschrieben.  Der Vorstand hat am 10. Juli entschieden,  die Forderung nach 6 Franken nicht mitzutragen, und dies am 13. Juli dem Ziegenzuchtverband mitgeteilt.  Präsident Alwin Meichtry sagt dazu: «Ich habe nichts dagegen, wenn andere Verbände 6 Franken Entsorgungsbeitrag fordern. 

Mit den im Moment zur Verfügung stehenden zweckgebundenen Mitteln ist der Betrag von 4.50 Franken für die Kleinwiederkäuerbranche nur möglich, weil der Viehbestand in der Schweiz abgenommen hat.» Er erinnert daran, dass die Startbasis in der Vernehmlassung 2.25 Franken war, was der Hälfte des bisherigen Entsorgungsbeitrags an den  Schlachthof von 4.50 Franken entspreche.

Anderen Produktionsrichtungen Geld wegzunehmen, sei  einer guten Zusammenarbeit innerhalb der Landwirtschaftsbranche nicht förderlich. «Es macht deshalb in meiner Wahrnehmung keinen Sinn, 6 Franken zu fordern. Der Aufwand der Halter von Kleinwiederkäuern ist mit  4.50 Franken pro Geburtsmeldung gedeckt, da dem Schlachtbetrieb bisher (analog  Rindern) auch dieser Betrag pro geschlachtetes Schaf bzw. geschlachtete Ziege zugesprochen wurde. Wir können gegenüber dem Staat nicht immer nur die hohle Hand machen», so Meichtry. 

Beat Würsch übt Kritik

Das kommentiert Beat Würsch wie folgt: «Die ganze Geschichte macht mich traurig. Das Ganze war sehr demotivierend, auch für Partnerorganisationen. Persönlich finde ich, dass  Fehler  passieren dürfen, solange man das Beste daraus macht. Immerhin geht es hier  um Abgeltung von Mehraufwand, der wiederkehrend ist. Es kann nicht sein, dass der Schweizerische Schafzuchtverband jetzt nicht einmal beim Rettungsversuch mittels Brief für 6 Franken Entsorgungsbeitrag mitmacht.»  

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