12.09.2013 13:41
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ständerat
Wolfhatz im Ständerat
Wölfe, die auf Schweizer Alpweiden Schafe reissen, haben den Ständerat in Unruhe versetzt. Die Aussprache in der kleinen Kammer angestossen hatte der Walliser René Imoberdorf (CVP). Er war mit der bundesrätlichen Antwort zu seinem Vorstoss nicht zufrieden.

Für Imoberdorf ist nicht nachvollziehbar, dass ein Wolf auf Alpen, die nicht geschützt werden können, 15 Tiere reissen kann, bevor er «entfernt» werden darf. Der Bundesrat sieht laut seiner Antwort auf Imoberdorfs Interpellation keinen Anlass, dieses Kriterium zu ändern. 

Bund soll Mittel sprechen

Der Walliser forderte, die internationale Berner Konvention zum Schutz des Wolfes zu kündigen. Im Nachbarland Frankreich sei die Situation mit den Wölfen wegen der Konvention völlig ausser Kontrolle. Die Zahlen aus dem Nachbarland liessen es Tierschützern «kalt über den Rücken laufen». 

Wolle der Bund Wolfsrudel im Land, müsse er die nötigen Mittel zur Finanzierung von Zäunen und Hilfshirten sprechen. Imoberdorf kritisierte den Einsatz von Herdenschutzhunden. Die nicht von Hirten überwachten Hunde seien eine Gefahr und böten Konfliktpotenzial, vor allem in Wandergebieten. 

Wanderer in Angst 

Urs Schwaller (CVP/FR), selbst Hundehalter, pflichtete ihm bei: Er sei Hunden begegnet «die zum Teil wie Höllenhunde auf Wanderer zurennen und viele in Angst und Schrecken versetzen.» Mit neuen Haftungsregelungen sei ihm nicht gedient. «Ich als Wanderer will kein Geld, sondern einfach nicht gebissen werden.» 

Der Glarner This Jenny (SVP/GL) zog den Vergleich zwischen Haushund und Wolf. Wildernde Hunde dürften abgeschossen werden und das zu Recht, hielt er fest. «Doch der Wolf darf 30 bis 40 Tiere reissen, bevor ein Schafbesitzer etwas unternehmen kann.» Und Schafbesitzer wollten keine Entschädigung, sondern lebendige Tiere. 

Zu viel Bürokratie 

Wenn in einer Region ein Dutzend oder mehr Wölfe umherstreiften und trotz Herdenschutz Nutztiere oder andere Wildtiere gefährdet seien, müssten Abschüsse ohne zu viel Bürokratie durchgesetzt werden, mahnte Stefan Engler (CVP/GR). Die Entnahme einzelner Tiere für die Steuerung der Rudelgrösse müsse klar geregelt und die Berner Konvention entsprechend angepasst werden. 

Der Urner Isidor Baumann (CVP), selbst Schafhalter, warf die Frage in die Runde, wie weit sich die Bundesverwaltung auf der einen und Tierhalter auf der einen Seite überhaupt finden könnten und ob es nicht ein Gremium für eine Mediation brauche. 

Balance statt ausrotten 

Umweltministerin Doris Leuthard versicherte, dass der Bund die Probleme mit Grossraubtieren ernst nehme. Doch: «Sie können Wölfe, Luchse, Bären und Biber nicht ausrotten, und wir wollen das auch nicht.» Sie plädierte für die Balance: «Konsequentes Schiessen von Wölfen ist ebenso falsch wie ein konsequenter Schutz.» 

Rund 200 Tiere werden laut Leuthard in der Schweiz jedes Jahr von Wölfen gerissen. 4000 würden eines natürlichen Todes sterben, sagte sie. Neun von zehn gerissenen Schafen stammten aus Herden, die nicht vor Wölfen geschützt worden seien. «Wo es Herdenschutz gibt, ist die Situation besser», sagte sie und mahnte zu subtilem Vorgehen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE