15.05.2014 11:58
Quelle: schweizerbauer.ch -
Bundesrat
Wolf: BR stimmt Lockerung des Schutzes zu
Der Wolf könnte schon bald auf der Abschussliste der Jäger stehen. Der Bundesrat ist bereit, den Schutz des Raubtiers zu lockern, um das Zusammenleben von Mensch, Nutztieren und Wolf zu erleichtern. Wie das neue Wolfsmanagement konkret aussehen soll, ist noch unklar.

Der Wolf gehört zu den geschützten Arten. Heute darf ein Wolf nur mit einer Ausnahmebewilligung abgeschossen werden. Eine solche wird insbesondere dann erteilt, wenn ein Wolf Nutztiere reisst. Der Graubündner CVP-Ständerat Stefan Engler hält dieses Konzept, das vor allem die Verhütung von Wildschaden durch einzelne Tiere zum Ziel hat, für überholt. Heute etablierten sich in den Alpen und Voralpen Wolfsrudel.

Forderung nach einfacheren Abschüssen

Engler verlangt daher neue Konzepte, welche die Auswirkungen auf Nutz- und Wildtiere begrenzen und für eine bessere Akzeptanz bei der betroffenen Bevölkerung sorgen. Wo in einer Region Wolfsrudel umherstreifen und trotz Herdenschutz Schäden anrichten, einen ausgeglichenen Wildbestand, die öffentliche Sicherheit oder die touristische Nutzung gefährden, müssten künftig Wolfsabschüsse möglich sein.

Engler will dazu neue Prioritäten setzen. Statt wie bisher den Schutz des Wolfes und der Artenvielfalt in den Vordergrund zu stellen, sollen die Interessen der Landwirtschaft, der Jagd, der öffentlichen Sicherheit und des Tourismus gleich hoch gewichtet werden. Gemäss seinem Vorschlag könnte für ein bestimmtes Gebiet eine maximal tolerierbare Anzahl Wölfe festgelegt werden.

Zur konkreten Ausgestaltung eines neuen Wolfsmanagements äussert sich der Bundesrat in seiner am Donnerstag veröffentlichten Motionsantwort nicht. Er erklärte sich aber bereit, Englers Vorstoss entgegenzunehmen. Eine Anpassung des Jagdgesetzes hält er auch für vereinbar mit der Berner Konvention über den Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen. Nach Jagdgesetz sind Abschüsse zur Bestandesregulation bereits heute möglich.

Erstes Rudel gesichtet

Die ersten Wölfe waren 1995 aus Italien eingewandert. Gemäss der Schweizer Raubtier-Forschungsstelle KORA leben derzeit 15 bis 20 Wölfe in der Schweiz. Im Kanton Graubünden brachte ein Wolfspaar 2012 und 2013 Junge zur Welt. Im November 2013 wurde auf St. Galler Kantonsgebiet erstmals ein Rudel beobachtet.

Eine Rudelbildung im Mittelland hält der Bundesrat gemäss einer Interpellationsantwort für unwahrscheinlich. Wölfe durchquerten zwar auch das Mittelland, Rudel seien aber typischerweise dort zu beobachten, wo die Wölfe ganzjährig grosse Beutetiere sowie ruhige, grosse Wälder zur Aufzucht der Jungtiere fänden.

Der Bundesrat hält auch fest, dass der Wolf für den Menschen grundsätzlich keine Gefahr darstellt. In der neueren Zeit seien in Mitteleuropa keine Angriffe von Wölfen auf Menschen bekannt.

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