26.02.2020 17:11
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Wie gefällt die neue Kampagne?
Der Schweizer Bauernverband lanciert im März auf den grossen Newsportalen eine Kampagne gegen die Anti-Pestizid-Initiativen. Dazu wurden neue Sujets mit zwei Bauernfamilien kreiert. Damit sollen vor allem urbane Personen angesprochen werden. Finden Sie die neue Kampagne gelungen? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Worte des Schweizer Bauernverbandes (SBV) vom 3. Januar 2020 zeigten deutlich auf, welche Bedeutung der Verband den Anti-Pestizid-Initiativen beimisst: «Die Bauernfamilien stehen im Hinblick auf die anstehenden Abstimmungen über die Trinkwasser- und die Pestizidverbots-Initiative vor einem ‘Schicksalsjahr’.»

«Wir schützen, was wir lieben» unpolitisch

Voraussichtlich am 29. November 2020 werden die Stimmberechtigten über die Initiativen «richten». Dementsprechend hat der SBV bereits in den vergangenen Wochen und Monaten mit der Kampagne «Wir schützen, was wir lieben» über die Themen wie Pflanzenschutz, Nutztierhaltung, -fütterung, -gesundheit, Boden, Klima und Biodiversität informiert. Dafür wurden spezielle Flyer und Tafeln, einen Messestand, ein Outdoormodul sowie eigene Kanäle im Online- und Social Media-Bereich erstellt.

Beim Thema Pflanzenschutz wird beispielsweise mittels Fotos, Videos und Text zu Krankheiten, Gesetze und Pflanzenschutzmittel informiert. Gemäss Bauernverband tritt diese Aufklärungskampagne unpolitisch auf. -> Hier gehts zur Website www.verantwortungsvolle-landwirtschaft.ch. 

Handelt sich um Ergänzung

Nun aber schaltet der SBV einen Gang höher. Die Aufklärungskampagne wird mit einer zusätzlichen Kampagne ergänzt. «Vier verschiedene Sujets zu den Themen Artenvielfalt, Tierwohl und Pflanzenschutz zeigen die Problemlösung glaubwürdig auf», teilte der SBV seinen Mitgliedorganisationen mit. 

Da stellt sich die Frage, weshalb es überhaupt eine zusätzliche Aufklärungskampagne benötigt. schweizerbauer.ch hat beim Verband nachgefragt. Es handle sich nicht um eine zusätzliche Aufklärungskampagne. «Es ist vielmehr eine Ergänzung der laufenden Kampagne «Wir schützen, was wir lieben», mit der wir unsere Botschaft in die Breite tragen wollen», sagt Sprecherin Sandra Helfenstein. 

Medienschelte

Und wie lautet die Kernbotschaft der neuen Kampagne? «Ziel ist es, der breiten Bevölkerung zu zeigen, dass sich die Landwirtschaft bewegt und bereits zahlreiche Erfolge und Fortschritte vorweisen kann. Das ist das, was die Medien schlecht aufnehmen», kritisiert Helfenstein. Die Medien würden sich mit Vorliebe nur für «vermeintliche» Probleme und Skandale interessieren. 

Aus diesem Grund werden die 4 Sujets ab dem 12. März während drei Wochen hauptsächlich auf grossen Newsportalen oder an grossen Bahnhöfen auf den Screens eingeblendet. Zu 80 Prozent wird die Kampagne auf den Online-Newsportalen geschaltet, der Schwerpunkt liegt bei Newsseiten von grossen Verlagen wie Ringier, TX-Group oder CH-Medien.

Die 4 Sujets zeigen zwei Bauernfamilien aus dem westlichen Mittelland. Bei Stefanie Baumgartner und ihrem Sohn Arthur aus Gland VD steht der Ackerbau und der Einsatz von Pflanzenschutzmittel im Fokus. Bei den Sujets von Christoph Rüegsegger und seinen beiden Töchtern Malin und Lenja aus Rüplisried bei Mühleberg BE liegt der Fokus auf Biodiversität und den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung, bei Rüegsegger im Besonderen bei Milchkühen.

Städter zwischen 30 und 60

Mit der Kampagne sollen vor allem swissnessaffine und ökobewusste Städter im Alter zwischen 30 und 60 Jahre angesprochen werden. Wieso genau diese Zielgruppe? «Weil das die Leute sind, die wir überzeugen möchten. Und weil es für Jüngere und Ältere andere Massnahmen braucht», so Helfenstein.

Die Jüngeren würden über andere Massnahmen in den sozialen Medien angesprochen. «Die Älteren haben wir aktuell nicht im Fokus, weil diese gemäss Umfragen der Landwirtschaft im Schnitt bereits sehr positiv gestimmt sind», sagt Helfenstein.

«Junge haben negative Berichterstattung nicht mitbekommen»

Aber wäre es nicht sinnvoll, sich direkt an die jüngere Generation zu wenden? Diese haben ja massgeblich zum Wahlerfolg der Grünen im Oktober 2019 beigetragen. Die Co-Leiterin Kommunikation relativiert. «Je jünger die Menschen sind, desto weniger fleissig gehen sie abstimmen. Zudem lesen diese kaum mehr klassische Medien. Sie haben deshalb auch viel weniger von den vielen negativen Berichterstattungen mitbekommen», hält Helfenstein fest.

Für die «Ergänzungskampagne» auf den Newsportalen wendet der Bauernverband rund 250'000 Franken auf. Die Agenturkosten schlagen mit 35'000 Franken zu Buche. Finanziert wird die Kampagne durch die Allianz, dem der Schweizer Bauernverband, kantonale Verbände und auch Unternehmen wie die Fenaco angehören.

Wie gefallen Ihnen die Sujets? Wirken diese überzeugend und glaubhaft? Oder sind gar kontraproduktiv? Abstimmen und mitdiskutieren

Zwei Initiativen

Trinkwasser-Initiative:

Sie will, dass nur Bauern Direktzahlungen erhalten können, die auf den Einsatz von Pestiziden (der Initiativtext enthält keine Einschränkung auf chemisch-synthetische Pestizide) und auf die prophylaktische Abgabe von Antibiotika verzichten, die die Biodiversität erhalten und die nur so viel Tiere halten, wie sie mit betriebseigenem Futter ernähren können.

Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» von Future3: 

Sie will in der Schweiz den Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion verbieten. Die gewerbsmässige Einfuhr von Produkten, die im Ausland mit synthetischen Produkten hergestellt wurden, würde auch verboten. 

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