9.12.2015 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bundesrat
Widmer-Schlumpf verabschiedet
Vor den Bundesratswahlen hat Nationalratspräsidentin Christa Markwalder (FDP/BE) die Ende Jahr zurücktretende Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) verabschiedet. Sie würdigte ihre Beharrlichkeit und Dossierfestigkeit und auch ihren feinen, trockenen Humor.

Markwalder erinnerte an jene turbulenten Tage im Dezember 2007, als die heutige Finanzministerin in den Bundesrat gewählt worden war. Damals noch Justizministerin, habe sie sich rasch in komplexe Dossiers einarbeiten und schwierige Entscheide fällen können, und das «oft in eisigem Gegenwind».

Als Finanzministerin habe Widmer-Schlumpf ab 2011 eine Schlüsselrolle gespielt bei der Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise. In dieser Zeit habe sie ihre Stärken ausgespielt, ihre Dossierfestigkeit, ihre Beharrlichkeit und ihren Sinn für das Sinnvolle und Machbare. Äusserst bemerkenswert sei, dass dabei der Bundeshaushalt im Lot geblieben sei.

Lang anhaltender Applaus

«Wie sie das alles geschafft hat, wissen wir nicht genau», sagte Markwalder. Detailreiche Dossierkenntnisse und Debattierfreudigkeit alleine machten keine gute Bundesrätin aus. «Es war mehr: ihr politischer Instinkt, ihre Nehmerqualitäten, ihr Wille, zuzuhören, und ihre Leidenschaft, auch über die Parteigrenzen hinweg Lösungen zu finden.»

Widmer-Schlumpf habe sich für Respekt in der Politik und eine Kultur des Ausgleichs eingesetzt. Das Ratsplenum bedankte sich bei der abtretenden Bundesrätin mit Standing Ovations und einem lange anhaltenden Applaus.

Macht teilen

Eveline Widmer-Schlumpf, die während ihrer Amtszeit oft von ihrer ehemaligen Partei SVP kritisiert wurde, bedankte sich für das Vertrauen. In ihrer Abschiedsrede sprach sie über den Sinn der Teilung von Macht. Die Bundesverfassung lege fest, welche Kompetenzen das Volk, das Parlament, die Regierung und die Justiz hätten.

Für alle seien Grenzen festgelegt, betonte Widmer-Schlumpf. Diese Grenzen seien als Schutz gegen Willkür gedacht und verhinderten, dass das Spiel mit Ängsten der Bevölkerung einschneidende Konsequenzen habe für das Land. «Das Einhalten der Grenzen, das Respektieren der Kompetenzen und der Verantwortung der jeweils anderen Gewalt hat unser Land starkgemacht», sagte Widmer-Schlumpf.

Der Weg der Schweiz bestehe darin, einander zuzuhören, andere Meinungen und Minderheiten zu respektieren und Kompromisse zu suchen. All dies dürfe nicht kurzfristigen politischen Einzelinteressen geopfert werden.

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