17.02.2020 14:22
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Graubünden
Wegen Wolf: Bauern bitten um Hilfe
Die Mutterkuhhalter aus Obersaxen sind beunruhigt. Im vergangenen Sommer gab es Angriffe vom Wolf auf ihre Nutztiere. Nun befürchten die Bauern wegen des Rudels im kommenden Sommer weitere Wolfsangriffe. In einem offenen Brief bitten sie Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga um Hilfe.

In der Schweiz leben immer mehr Wölfe. Mit der Präsenz von mindestens sieben Wolfsrudeln ergibt sich ein Wolfsbestand von rund 60 bis 70 Wölfen, teilte die die Organisation Gruppe Wolf Schweiz im Dezember 2019 mit. Die Rudel leben in den Kantonen Graubünden (Surselva, Obersaxen, Beverin), Wallis (Val d'Anniviers, Val d'Entremont, Chablais) und Waadt (Col du Marchairuz). Hinzu kommen Einzeltiere etwa im Berner Oberland und in der Zentralschweiz.

In der Surselva streifen mehrere Wölfe umher. Im vergangenen Jahr wurden dutzende Schafrisse verzeichnet. 2018 hat ein Wolf auf der behirteten Alp Gren bei Obersaxen zehn Schafe gerissen.

Im August 2019 wurden in der Gemeinde Obersaxen das vierte Wolfsrudel des Kantons Graubünden entdeckt. Zusammen mit den drei Jungtieren beobachtete einJäger zwei ausgewachsene Tiere. Das Einzugsgebiet dieses neuen Wolfsrudels dürfte das Gebiet vom Piz Mundaun bis zum Piz Nadels und die umliegenden Täler umfassen, teilte der Kanton in einem Communiqué mit. 

Im Januar 2020 sorgte ein Wolf für Schlagzeilen, als er über die Skipiste trottete. Definitiv beunruhigt waren die Bewohner von Obersaxen, als das Raubtier durch das Kinderland der Skischule Obersaxen spazierte. Aufgrund der wachsenden Wolfspopulation im Kanton müsse vermehrt mit Sichtungen in Siedlungsnähe gerechnet werden. 

Die Mutterkuhhalter aus Obersaxen wenden sich in einem offenen Brief an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Sie steht dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) vor, wo auch das Bundesamt für Unwelt (Bafu) angegliedert ist.

Sehr geehrte Frau Bundespräsidentin Sommaruga,

Bitte helfen Sie uns.

Wir, die unterzeichnenden Mutterkuhhalter im Einzugsgebiet des Wolfsrudels Obersaxen, mussten im vergangenen Sommer erstmals üble Erfahrungen mit Angriffen auf Mutterkuhherden machen. Nach einem solchen Angriff gerieten unsere Mutterkuhherden völlig ausser Kontrolle. Das Wolfsrudel in Obersaxen hat jegliche Scheu vor unseren Siedlungen verloren und streunt in Obersaxen regelmässig in den Dörfern herum. Es hat schon Wildrisse in unmittelbarer Dorfnähe gegeben. 

Das Problem: 

Greift ein Wolfsrudel auf der Alp oder auf dem Heimbetrieb eine Mutterkuhherde an, reagiert diese äusserst aggressiv. Eine eigentlich handzahme Mutterkuhherde gerät dann derart in Rage, dass sie einer Lawine gleich alles niedertrampelt, was sich ihr in den Weg stellt. Nach einem solchen Vorfall könnten wir für die Sicherheit von Wanderern und unserer Alphirten nicht mehr garantieren und müssten jede Haftung für unsere Tiere ablehnen. 

Auch unsere eigene Sicherheit wäre akut gefährdet, weil sich die Tiere bis in den Winter hinein äusserst sensibel und nervös verhalten. Sie erhöhen dadurch die Unfallgefahr selbst im Stall in einem nicht verantwortbaren Masse. Wir sehen uns daher verpflichtet, Sie ausdrücklich auf diese Tatsache aufmerksam zu machen und geeignete Massnahmen zu ergreifen.

Diese sind inzwischen dringend geworden: Letzten Sommer umfasste das Rudel noch zwei jagdfähige Wölfe, welche es vorwiegend auf Kleinvieh abgesehen hatten. Dieses Rudel war noch zu schwach, um Jagderfolge bei einer Mutterkuhherde zu verzeichnen. Trotzdem haben sie bei unseren Herden bereits panische und gefährliche Reaktionen hervorgerufen. Diesen Sommer wird das Rudel mindestens 5 jagdfähige Wölfe umfassen!

Den ganzen Sommer hindurch hat die Wildhut Vergrämungsversuche durchgeführt: Ohne Erfolg. Unserer Meinung nach kann die nötige Scheu vor den Menschen und vor unseren behirteten Herden nicht mehr hergestellt werden. Wir haben keine Angst vor unmittelbaren Wolfsangriffen, aber vor den Gefahren durch aufgebrachte Mutterkuhherden. Der Bevölkerungsschutz muss über dem Wolfsschutz stehen.

Aus diesen Gründen fordern wir Sie, respektive das zuständige Amt, dringend auf, jetzt zu handeln um die sich abzeichnende Tragödie noch abzuwenden. Wir fordern die unverzügliche Entnahme des Wolfsrudels Obersaxen aus der Wildbahn. (Vielleicht durch Betäuben und verlegen in ein Gehege)

Wir danken Ihnen schon heute für Ihre rasch verfügten Massnahmen. Für Fragen und detailliertere Ausführungen stehen wir gerne zur Verfügung. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE