11.06.2017 13:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Mühlen
Warum GMF Food Waste verursacht
GMF beschränkt die Menge Kraftfutter. Betriebe setzten deshalb auf möglichst konzentriertes Kurzfutter. Nebenprodukte aus der Speisemehlherstellung haben an Bedeutung im Viehfutter verloren. Das will der SBV nun ändern.

Mühlennachprodukte (MNP) werden zu einem grossen Teil von Futtermühlen verarbeitet. So finden diese eine sinnvolle Verwendung. Zumindest bisher. Gemäss Aussagen von Lorenz Hirt, dem Geschäftsführer des Dachverbandes Schweizerischer Müller, bricht nun ausgerechnet das grosse Interesse an der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF), diesen gut funktionierenden Nährstoffkreislauf auf. Gemäss GMF-Vorgaben zählen MNP nicht zum Grundfutter.

15000 t in Biogasanlage  

GMF-Fütterungsvorgaben hätten beim Mischfutter-Absatz mittlerweile eine relevante Rolle eingenommen. «Dies betrifft unmittelbar auch den Absatz der MNP, welche vor der Einführung des GMF-Programms vorwiegend im Mischfutter verwertet wurden», so Hirt. Die Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten (VSF) bestätigt, dass MNP aufgrund ihres geringeren Nährstoffgehaltes weniger interessant sind. «Landwirte wollen möglichst konzentriertes Kraftfutter, weil beim GMF die Menge limitiert ist», erklärt VSF-Geschäftsführer Christian Oesch.

So bewirkt GMF, welches eigentlich zur Ressourceneffizienz betragen soll, beim  MNP genau zum Gegenteil. Bereits heute seien die entsprechenden Silokapazitäten sehr stark belegt. Lukas Grüter, Leiter Technischer Dienst bei der UFA AG, bestätigt, dass MNP in grossen Mengen vorhanden sind, und die Veredelung via Mischfutter an Grenzen stösst. 

Bauernverband fordert Änderung

Lorenz Hirt spricht gar von einer Notsituation und schätzt, dass ab Beginn der Gerstenernte 10% der MNP-Mengen anderweitig verwertet werden müssen. Die Gesamtmenge an MNP aus dem Sektor menschliche Ernährung liegt heute pro Jahr bei ca. 150'000 t. Das bedeutet, dass in Zukunft rund 15'000 t wertvolles Energie- und Proteinfutter in Biogasanlagen verwertet werden müsste. Für Hirt ist dies nichts anderes als ein Bruch in den nachhaltig geschlossenen Kreisläufen der Wertschöpfungskette, und er spricht in dem Zusammenhang auch von Food Waste. «Dies ist unseres Erachtens in der heutigen Zeit nicht zu verantworten», so Hirt.

Diese Verschwendung ist auch dem Schweizer Bauernverband (SBV) ein Dorn im Auge. In seiner Stellungnahme zum Verordnungspakte des Bundes fordert er deshalb, dass Nebenprodukte der Nahrungsmittelindustrie ebenfalls als Grundfutter gelten. Konkret verlangt er, dass inskünftig Weizenkleie, Haferabfallmehl, Dinkel- und Haferspelzen, Dinkelspreu und Kornspreue sowie Gemische davon zum GMF-Grundfutter gezählt werden.

Das sind Mühlennachprodukte

Schweizer Futtermühlen haben heute eine grosse Bedeutung bei der Verwertung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelindustrie und tragen damit einen grossen Teil dazu bei, Nährstoffkreisläufe zu schliessen. Als Mühlennachprodukte (MNP) wird dabei das Material bezeichnet, dass bei der Herstellung von Speisemehl anfällt. Dieses gelangt nicht in den Nahrungsmittelkanal, hat aber noch einen relativ hohen Nährstoffgehalt. Beispiele für Mühlennachprodukte sind Kleie, Bollmehl, Nachmehl oder Futtermehl. Der Proteingehalt dieser Produkte liegt ungefähr zwischen 14–21 Prozent. 

Unter den Oberbegriff Nebenprodukte fallen eine ganze Reihe weiterer Güter aus unterschiedlichen Lebensmittelbranchen. Gemäss der Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten (VSF) fallen unter anderem Müllereinebenprodukte, Rapskuchen, Zuckerrübenmelasse, Trockenkartoffeln, Magermilchpulver, Fette und Öle sowie Malzkeime und Trockentreber darunter. Die VSF geht davon aus, dass in der Schweiz jedes Jahr insgesamt über 200'000 Tonnen Nebenprodukte anfallen, welche heute in der Mischfutterindustrie einer sinnvollen Verwertung zugeführt werden können. rab

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE