11.03.2018 07:20
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Warnung vor Pleite des Milchhändlers B.M.G
Die angespannte wirtschaftliche Lage beim grossen Milchhändler Berliner Milcheinfuhrgesellschaft (B.M.G.) hat Verbände der Milcherzeuger in Sorge versetzt.

Eine Pleite der B.M.G. hätte katastrophale Folgen für viele Milcherzeuger und Erzeugerorganisationen und müsse daher mit allen Mitteln verhindert werden, betonte die MEG Milch Board am vergangenen Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Die MEG geht davon aus, dass die B.M.G. in diesem Jahr für rund 300 Mio kg Milch aufgrund der aktuellen Marktsituation nur eine äusserst schlechte Verwertung habe; das entspräche rund 1 % der deutschen Milchmenge. „Diese Milch wird derzeit absolut nicht benötigt und sollte daher gar nicht erst produziert werden. Deswegen darf es nicht passieren, dass nun die Milcherzeuger wieder einmal allein die Zeche für einen schweren Systemfehler zahlen“, mahnte der MEG-Vorstandsvorsitzende Peter Guhl.

Auch wenn die alte Geschäftsführung der B.M.G. selbst wohl „taktische Fehler“ begangen habe, sei die jetzige Situation auch ein trauriger Beweis für die fatale Tatenlosigkeit der Politik. „Gäbe es morgen ein Signal für ein weiteres Programm zur Mengenreduzierung, wäre die Misere augenblicklich beendet“, erklärte Guhl.

Wichtig für Milchbauern

Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) gibt der strukturellen Schieflage am Milchmarkt eine Mitschuld an den Schwierigkeiten der B.M.G. „Noch immer wälzt die Molkereiwirtschaft das Marktrisiko in angespannten Milchmarktsituationen auf die ihnen vorgelagerten Lieferanten ab“, kritisierte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber.

Der ins Trudeln geratene Milchhändler habe für die Milchbauern eine hohe Bedeutung, da er zumindest für ein bisschen mehr Wettbewerb im Milchmarkt sorge, indem er bundesweit Milch von Erzeugern aufnehme, die mit ihren regional ansässigen Molkereien unzufrieden seien. „Den Milchviehhaltern darf kein zusätzlicher wirtschaftlicher Schaden entstehen“, betonte Schaber und forderte, dass die Politik der B.M.G. im Notfall auch mit Bürgschaften wieder auf die Beine helfen müsse.

Sollte der Milchhändler von Molkereiunternehmen „einverleibt“ werden, würde der Milchmarkt deutlich an Wettbewerb verlieren. Der BDM-Vorsitzende rief die Politik zudem erneut dazu auf, sich auf EU-Ebene für die Erweiterung des Sicherheitsnetzes um zeitlich befristete Mengendisziplinmaßnahmen einzusetzen. Nur damit könne verhindert werden, dass das Marktrisiko regelmässig auf die Milchviehhalter und -händler abgewälzt werde.  

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