12.01.2020 07:13
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Interview
«Von Mercosur gleichen Tierwohlstandard verlangen»
Stefan Flückiger, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes legt die Latte für ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten hoch.

«Schweizer Bauer»: Wo sieht die Agrarallianz die grössten Defizite beim Tierwohl von Nutztieren in der Schweiz? Bei welchen Tierkategorien will sie wie ansetzen?
Stefan Flückiger: Alle 19 Organisationen der Agrarallianz waren sich betreffend Tierwohl einig: Wir wollen eine tierfreundliche und artgerechte bäuerliche Nutztierhaltung (keine Massentierhaltung), die den Tieren täglich Weidegang oder zumindest Auslauf ermöglicht. Die Zielgrössen der Tierwohlbeiträge sollen bei allen Kategorien entsprechend angehoben werden, bei Raus von 80 auf 90 %.

Die Agrarallianz will tierische Produktion, Tierwohl und Umwelt vereinen. Bei den Ammoniakemissionen hat es aber laut Bauernverband in den letzten Jahren gerade darum kaum Fortschritte gegeben, weil das Tierwohlprogramm Raus staatlich gefördert wurde. Denn bei einer Kuh wird mehr Ammoniak frei, wenn sie im Laufhof ist, als wenn sie im Stall ist. Was sagt die Agrarallianz dazu? 
Tierwohl und Ammoniak sind kein Widerspruch, im Gegenteil: Durch das Haltungsmanagement wie das Weiden wird Ammoniak reduziert. Zum andern durch die Nutzungsdauer des Milchviehs und drittens über technische und bauliche Massnahmen. Mit der AP22+ soll also mehr geweidet werden.

Das Tierwohl ist den Konsumenten wichtig. Warum braucht es jetzt in Ihren Augen eine noch grössere staatliche Förderung, warum können Mehrwerte wie der Weidegang bei Milchkühen nicht auf den Produktepreis geschlagen werden? 
Es braucht beides. Es braucht eine Förderung der Tierwohlleistungen über den Markt mit höheren Preisen und über den Staat mit ergänzenden Direktzahlungen. Das soll so erfolgen, dass Investitionen und der Mehraufwand der Produzenten zugunsten des Tierwohls fair entschädigt werden.

Die Agrarallianz fordert in ihrem Positionspapier Tierwohl-Auflagen beim Import von Lebensmitteln und möchte bei der Verteilung von Zollkontingenten die nachhaltigen Produktionssysteme privilegieren. Beides kollidiert mit dem Rechtsrahmen der Welthandelsorganisation WTO. Soll die Schweiz deswegen Handelskriege lostreten? 
Studien zeigten mehrfach, dass im Bereich Nachhaltigkeit und Tierwohl viel Spielraum besteht, damit die Schweiz nicht mit Produkten aus tierquälerischer Massentierhaltung überschwemmt wird. Die Importe sollen also den hohen Anforderungen des Schweizer Tierschutzgesetzes mindestens gleichwertig sein. Dies gilt vor allem auch für die Freihandelsabkommen wie dasjenige  mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten.

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