25.05.2013 07:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Bauernverband
Vizepräsidium für Frauen wird ein Thema
Nächsten Donnerstag wird der neue Präsident der Schweizerischen Milchproduzenten (SMP) gewählt. Doch es wird keine Präsidentin geben. Beim Bauernverband hingegen könnte es neu eine Vizepräsidentin geben.

Der neue SMP-Präsident wird Fritz Glauser oder Hanspeter Kern heissen. Eine Frau hatte sich zu keinem Zeitpunkt für das Amt interessiert. Auch bei der Neubesetzung der Präsidien mehrerer kantonaler Bauernverbände wie beispielsweise beim Bauernverband Aargau oder der Lobag traten in letzter Zeit keine Frauen zur Wahl an.

Drei Frauen in Vorstand

Das hat auch Folgen für die Zusammensetzung des Vorstands des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV). Neben 20 Männern nehmen dort nur gerade drei Frauen Einsitz. Zwei davon sind Vertreterinnen des Schweizerischen Bäuerinnen und Landfrauenverbandes (SBLV), nämlich SBLV-Präsidentin Christine Bühler sowie Liselotte Peter. Letztgenannte kandidierte kürzlich erfolglos als SBV-Vizepräsidentin.

«Wir haben vor zwei Jahren den Vorstand von 21 auf 23 Sitze erweitert. Einer der beiden zusätzlichen Sitze steht dem SBLV offiziell als zweiter Sitz zu», sagt SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein. Die Jurassierin Anne Roy sei die einzige Frau, welche nicht als SBLV-Verteterin, sondern für die beiden kantonalen Bauernverbände Jura und Neuenburg Einsitz nehme. Sieben Sitze stehen gemäss Helfenstein der lateinischsprachigen Schweiz zu: «Zudem gibt es eine allgemeingültige Formel die besagt, dass 60% der Sitze den kantonalen Mitgliedorganisationen zustehen und 40% den Fachorganisationen.» Dieser Schlüssel gelte auch für Landwirtschaftskammer und die DV.

Weg über Kantone

Der Weg zu mehr Frauen in den SBV-Gremien führt also über eine bessere Vertretung der Frauen in den kantonalen Organisationen und den Fachverbänden. Dort stünden aber praktisch keine Frauen an der Spitze, und die Sektionen entsenden in der Regel die Präsidenten in den SBV-Vorstand, so Helfenstein. «Eine Rolle spielt auch, dass Bäuerin ein anderer Beruf ist als Landwirtin», so Helfenstein. In vielen Kantonen seien die Bäuerinnen in einer von den kantonalen Bauernverbänden getrennten Organisationen und dort nur mehr oder weniger gut integriert. Diese Zweiteilung der Interessenvertretung sei für die Vertretung der Frauen beim Bauernverband unvorteilhaft.

Auch für SBLV-Präsidentin Christine Bühler ist klar, dass der Aufbau der Frauen in den bäuerlichen Verbänden von unten kommen muss: «Wir ermuntern die kantonalen Sektionen, engagierte Personen zu suchen. Sie kommen nicht von selber, man muss sie holen». Selber habe sie erste politische Erfahrungenen bei den Geflügelproduzenten sammeln können. Denn man müsse als Frau irgendwo verstehen lernen, wie Verbände funktionieren. «Da kann man nicht einfach oben anfangen», betont sie.

Frauen muss man fragen

Frauen würden sich eher zurückhalten als Männer. «Vielleicht muss man sie zweimal fragen oder gar dreimal. Man muss ihnen ein wenig hofieren», empfiehlt sie. Denn wenn eine Frau ihre Ambitionen zeige, dann heisse es bald, sie sei eine Streberin. «Bei einem Mann wird das als Interesse ausgelegt», fügt sie an. 

Oft sei es auch so, dass der Bauer sich eine Karriere aufbaue, während die Frau zu Hause den Betrieb manage. Zwar sei die stereotypische Rollenverteilung noch vielerorts vorhanden. Doch sie sei aber vielerorts auch am Aufbrechen. Das sei ein Prozess. «Rom wurde auch nicht in einem Tag gebaut», fügt sie an.

Vizepräsidium für SBLV?

Der SBV-Vorstand habe die bessere Einbindung der Bäuerinnen  thematisiert und der Geschäftsstelle den Auftrag gegeben hat, einen Vorschlag zu machen, sagt SBV-Sprecherin Helfenstein dazu. «Ein Vorschlag könnte die Schaffung eines dritten Vizepräsidiums sein, welches unabhängig vom Parteienprporz fix an die SBVL-Präsidentin gebunden ist», fügt sie an. Demnach könnte vielleicht schon bald Christine Bühler neu 3. Vizepräsidentin werden.

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