28.11.2012 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl
Bauernverband
Vizepräsidium Bauernverband - Verschiedene Ansprüche stehen im Raum
Mit der Wahl von Markus Ritter zum Bauernverbandspräsidenten ist der Sitz von Vizepräsident Josef Dissler infrage gestellt. Grund ist der Parteienproporz im Präsidium. Doch erben die Frauen, die Berner oder die SVP?

Nach der Wahl des CVP-Nationalrats Markus Ritter zum Präsidenten des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) ist die Diskussion um die Besetzung des Vizepräsididiums lanciert. Zwar werden  die Vorstandsmitglieder und hier vor allem die Mitglieder  der Fachverbände nicht in erster Linie nach parteipolitischen Kriterien bestimmt. Bei der Zusammensetzung des Vorstandes fällt aber auch auf, dass der SBV um breite politische Abstützung bemüht ist.

Deshalb wurden bisher die zwei Vizepräsidenten und der Präsident jeweils in einem Parteienproporz zwischen FDP, CVP und SVP aufgeteilt. Während der Freiburger FDP-Kantonsrat Fritz Glauser als 2. Vizepräsident unbestritten sein dürfte, ist die Diskussion um den Sitz von Josef Dissler, 1. SBV-Vizepräsident und Luzerner CVP-Kantonsrat, lanciert.  Denn mit Ritter und Dissler besetzt die CVP zwei der drei Sitze im dreiköpfigen Präsidium.

Dissler steht bereit

«Ich stehe weiterhin als Vizepräsident zur Verfügung, zumindest für ein Jahr», meint Josef Dissler zur Frage, ob er weiter machen wolle. Aber die Diskussion ums Vizepräsidium müsse jetzt geführt werden. Er sehe sich weniger als CVP-Vertreter denn als Sachpolitiker und weist darauf hin, die CVP habe auch schon ein Jahr lang keinen Vertreter im SBV-Präsidium gehabt. Als nämlich  Peter Hegglin als Mitglied der CVP in den Regierungsrat des Kantons Zug gewählt worden sei, sei er erst ein Jahr später ins SBV-Präsidium nachgerückt.

Andere Ausgangslage

Doch im Falle des Rücktritts von Peter Hegglin war die Ausgangslage etwas anders. Denn das 2. Vizepräsidium war eine Zeitlang vakant und nicht durch eine Partei besetzt. Mit der jetzigen Situation vergleichbar ist die Situation bei der Wahl von Hansjörg Walter. Als Walter am 16. November 2000 der  zum SBV-Präsidenten gewählt wurde, musste sein Parteikollege Fritz Abraham Oehrli als Vizepräsident zurücktreten.
Doch wer käme als Ersatz für Dissler überhaupt infrage? Kaum ein anderes CVP-Mitglied, weil die Parteimitgliedschaft ja der Grund für einen Rücktritt Disslers wäre.

Die SVP als grösste Agrarpartei dürfte nach dem Scheitern ihres Kandidaten Res Aebi bei den Präsidiumswahlen nun den Sitz des Vize anvisieren. Mit Markus Hausamman, dem Präsidenten der Thurgauer Bauern, stünde sogar ein Nationalrat zur Verfügung. Doch ob die regionale Ausgewogenheit mit einem Thurgauer und einem St. Galler im Präsidium gewährleistet wäre, ist fraglich. Ebenfalls ein profilierter SVP-Politiker ist der Zürcher Bauernverbandspräsident und Kantonsrat Hans Frei.

Wird es ein Berner?

Die Lobag als grösser kantonaler Bauernverband ist seit Oehrlis Abgang im Präsidium nicht mehr vertreten. Der Berner Peter Gfeller, Präsident der Schweizer Milchproduzenten, ist eine profilierte Persönlichkeit. Doch er steht im Herbst seiner Karriere. Der neue Lobag-Präsident Hans Jörg Rüegsegger hingegen muss erst noch im Januar von der Landwirtschaftskammer in den Vorstand gewählt werden.

Kommt eine Frau?

Es gibt aber auch andere, bisher unberücksichtigte Ansprüche. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass der Schweizerische Bäuerinnen und Landfrauenverband  das Vizepräsidium in der Person ihrer Präsidentin Christine Bühler übernehmen möchte. Doch obschon das BDP-Mitglied Bühler Bernerin ist, dürfte sich die Begeisterung bei der Lobag in Grenzen halten. In einem Interview mit dem «Blick» am 16. Oktober verwies sie auf das ungeschriebene Gesetz, dass im SBV-Präsidium zwischen den Parteien rotiert werde und jetzt  mit Hansjörg Walter ein SVP-Vertreter am Ruder gewesen sei.  Auf die Nachfrage «Was heisst das konkret?» antwortete sie: «Die Bauern sind  doch in der Regel traditionell, also könnten sie es auch in diesem Fall sein.» Damit sprach sie sich indirekt für Markus Ritter und gegen Andreas Aebi  aus.

Mit der ehemaligen Thurgauer Kantonsrätin und SBLV-Vizepräsidentin Liselotte Peter wäre allerdings auch eine Frau aus den Reihen der SVP im SBV-Vorstand als mögliche Vizepräsidentin vertreten.

Die parteipolitische Zusammensetzung des SBV-Vorstandes

CVP: Josef Dissler (1. Vizepräsident), Lorenz Koller, Josef Murer, Markus Ritter (Präsident), Anne Roy, Andreas Villiger, Andreas Vögtli.

SVP: Hans Frei, Peter Gfeller, Markus Hausammann, Liselotte Peter.

FDP: Emilio Bossi, Willy Giroud, Fritz Glauser (2. Vizepräsident), Bernard Nicod.

 BDP: Christine Bühler, Hansjörg Hassler, Yves Pellaux.

Parteilos: Alfred Stricker, Olivier Kolly, Dominique Maigre.

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