6.03.2018 18:13
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: Zucker-Mindestpreis nötig?
Der Schweizer Bauernverband (SBV) sieht die einheimische Zuckerproduktion in Gefahr. Der SBV fordert deshalb einen Mindestpreis für Zucker. Der Nationalrat hat einer Initiative bereits zugestimmt. Wenig erbaut ist die Industrie. Wie beurteilen Sie einen Mindestpreis? Braucht es das? Oder gefährdet dies die Industrie? Mitdiskutieren und abstimmen.

Aufgrund der Änderung der Zuckermarktordnung durch die EU von Ende September 2017 wurden Zuckerquoten, Exportbeschränkungen und der Mindestpreis für Zuckerrüben aufgehoben. Die EU-Pflanzer müssen sich im freien Markt behaupten. Die Folge: Die Zuckerproduktion ist explodiert (Erntemengen um 16% gestiegen). Die Überschussmengen gelangen zu Tiefstpreisen in die Schweiz. Gemäss Bauernverband ist der Preis pro Tonne Rüben von 600 auf 400 Euro pro Tonne gefallen.

Schweizer Bauern lassen Rüben links liegen

Die EU hat als Folge der Zuckerliberalisierung die Exportbeschränkung aufgehoben. Für Zucker, der importiert wird, wird aber ein Zoll von 419 Euro (490 Fr.) erhoben. Die Schweiz hingegen erhebt auf dem importierten Zucker lediglich einen Zoll von 50 Franken pro Tonne. Durch die bilateralen Abkommen ("Doppelnull-Lösung") ist der Schweizer Zuckerpreis eng mit dem EU-Preis verbunden. Die Schweizer Zuckerwirtschaft ist so unter massivem Preis- und Importdruck geraten.

Dies hat gravierende Auswirkungen auf die Schweiz. Die tiefen Preise haben dazu geführt, dass allein im vergangenen Jahr die Anbaufläche um 1000 auf insgesamt noch 19'000 ha geschrumpft ist. 500 Pflanzer haben keine mehr Rüben mehr ausgesät, noch rund 5'000 Bauern kultivieren gemäss Bauernverband Zuckerrüben.

Minimaler Zuckerpreis von 600 Franken pro Tonne

Bauernverbandsdirektor und Nationalrat Jacques Bourgeois (FDP/FR) will mit seiner parlamentarische Initiative «Stopp dem ruinösen Preisdumping beim Zucker - Sicherung der inländischen Zuckerproduktion» Gegensteuer geben. Bourgeois schlägt vor, die Agrareinfuhrverordnung so anzupassen, dass ein minimaler Zuckerpreis von 600 Franken pro Tonne im Inland nicht unterschritten wird. Dies sei mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) und den bilateralen Verträgen mit der EU vollumfänglich kompatibel, sagte Bourgeois.

Der Nationalrat leistete der Initiative mit 94 zu 69 Stimmen und 17 Enthaltungen Folge. Eine Branchenlösung sei nicht zustande gekommen, sagte Toni Brunner als Sprecher der Wirtschaftskommission des Nationalrates. Zucker sei ein Grundnahrungsmittel, dessen Versorgung die Schweiz sichern müsse. In der Schweiz Rüben anzubauen, sei zunehmend weniger attraktiv, mahnte der Landwirt aus dem Toggenburg.

Industrie warnt

Nationalrat Beat Jans (SP/BS) konnte der Initiative nichts abgewinnen. Die Branche könne den Preis selbst ausmachen, sagte er in der Debatte. Die Verarbeiter im Inland hätten wegen der Swissness-Vorgaben Interesse am Zucker aus dem Inland. Der Bundesrat habe die Möglichkeit, bei Produktionsengpässen einen Flächenbeitrag beschliessen.

Wenig erfreut über den Entscheid des Nationalrates ist die Lebensmittelindustrie. Der Branchenverband der Schokoladenhersteller, Chocosuisse, hebt hervor, dass durch den Export von Schokolade grosse Mengen an verarbeiteten Schweizer Agrarrohstoffen ausgeführt werden. In der Schweizer Schokolade werde rund 20% der Gesamtproduktion von Schweizer Zucker exportiert.

Standortattraktivität beeinträchtigt

«Die Standortattraktivität unseres Landes für die Schokoladeindustrie ist somit auch für Lieferanten von Schweizer Zucker und von anderen Rohstoffen relevant. Dies ist mit Blick auf die aktuelle Forderung des Schweizer Zuckermonopols zur Grenzschutz-Verteuerung von Zucker zu beachten», mahnt Chocosuisse.

Biscosuisse, der Verband der Zuckerwaren-Hersteller warnt, dass eine Erhöhung der Grenzabgaben auf Zucker zu einer Verteuerung des Produktionsstandorts Schweiz führe. «Es ist zu hoffen, dass der Ständerat diesen für den Produktionsstandort Schweiz negativen Entscheid korrigiert», schreibt Biscosuisse. Und Peter Schweizer, Key Accounter der Zuckermühle Rupperswil, betont gegenüber der Zeitschrift «Alimenta», dass es ohne eine wettbewerbsfähige Schweizer Lebensmittelindustrie auch keine Zucker- und Rübenproduktion mehr brauche.

0.5 Rappen pro Tafel Schokolade


Der Effekt auf die verarbeiteten Lebensmittel sei marginal, erklärte hingegen Bauernverbandspräsident Markus Ritter auf die Kritik der Industrie. Auf eine Tafel Schokolade hätte die Massnahme laut Ritter einen Effekt von 0,5 Rappen.

Was denken Sie? Braucht es einen Mindestpreis? Oder soll die Branche den Preis selbst aushandeln? Mitdiskutieren und abstimmen

Die Schweizer Zucker AG verarbeitet in ihren Fabriken in Aarberg und Frauenfeld jährlich 1,6 Mio. Tonnen Rüben zu 260 000 Tonnen konventionellem und 6000 Tonnen Biozucker. Weiter werden in der ZAF 300 000 t Rübenschnitzel, 50 000 t Melasse, 50 000 t Ricoter, 40 000 t Kalkdünger und 12 GWh Biogas hergestellt. Die Abnehmer des Zuckers sind mit 15 Prozent der Gesamtmenge der Detailhandel, der Rest sind Kunden aus der Lebensmittelindustrie. 

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