11.09.2018 18:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Agrarpolitik
Tierfabriken statt Familienbetriebe
Die Bauernorganisation Uniterre und der Schweizer Tierschutz laufen Sturm gegen den am vergangenen Freitag veröffentlichten 10-Punkte-Plan. Dieser pflüge die Schweizer Landwirtschaft um. Grossbetriebe und weniger Tierschutze seien die Folgen, warnen die beiden Organisationen.

Avenir Suisse will die Schweizer Agrarpolitik grundlegend reformieren. In einer Studie beziffert die liberale Denkfabrik die derzeitigen gesamten volkswirtschaftlichen Kosten für Landwirtschaft und Ernährung in der Schweiz auf über 20 Milliarden Franken jährlich.

Deshalb fordert die Denkfabrik Reformen. Mit einem Zehn-Punkte-Programm könnten die Kosten um rund 14,4 Milliarden Franken pro Jahr gesenkt. Unter den zehn Kernpunkte der Strategie sind: eine Grenzöffnung für Agrargüter, der Verzicht auf strukturerhaltende Transfers und auf Absatzförderung, eine Reform der Abgeltung gemeinwirtschaftlicher Leistungen, eine zeitgemässe Definition der Versorgungssicherheit, ein Abbau der Regulierungsdichte, eine Modernisierung des Bodenrechts, die Senkung von Umweltkosten, die Einführung einer Agrarbremse und die Revision der Fusionskontrolle.

Am Dienstag traten der Schweizer Tierschutz und die Bauerngewerkschaft Uniterre in Bern vor die Medien. Und sie machten deutlich, was von den Plan halten. Nämlich gar nicht viel.

Freihandel bedroht Landwirtschaft

«In einem grossen Rundumschlag werden viele Problemfelder der Schweizer Landwirtschaft aufgegriffen, aus dem Zusammenhang eines globalen Ernährungssystems genommen und als Grundlage für eine Breitseite gegen eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft benutzt», sagte Gemüsebauer und Vize-Präsident Ruedi Berli.

Der von Avenir Suisse propagierte Freihandel für Agrargüter bedrohe nicht nur die einheimische, sondern die bäuerliche und tierfreundliche Landwirtschaft weltweit. Stattdessen strebe die Organisation eine industrielle Landwirtschaft an, die Billigprodukte auf den Weltmarkt bringe, welche das Klima, den Boden, das Tierwohl und die Ressourcen gefährde, warnte Berli. Der Strukturwandel bringe mehr Spezialisierung, Mechanisierung, aber auch mehr Verschuldung, sagte Berli. Die Vielfalt bleibe auf der Strecke.

Auch die Umgestaltung des Direktzahlungssystems bringe viele Gefahren «Avenir Suisse bedroht damit ganz bewusst die dezentrale Besiedelung der Bergregionen», fuhr er fort. Berli warnt auch von der Lockerung des bäuerlichen Bodenrechts. «Der Zugriff von Spekulanten auf
die landwirtschaftlichen Flächen würde das Ende unserer Kulturlandschaft und der Versorgungssicherheit bedeuten», ist er sich sicher. 

Familienbetriebe verschwinden

Auch Hansuli Huber hat für die Studie von Avenir Suisse nicht viel übrig. «Mit einer vollständigen Grenzöffnung wären viele der Landwirtschaft nachgelagerten Gewerbe und Industrien nicht mehr konkurrenzfähig und müssten aufhören oder ins Ausland abwandern», fasst er zusammen. Huber nennt die Riesenschlachthöfe im Ausland betäuben. «Ihre Kapazitäten sind derart hoch, dass die Schlachtbänder lediglich täglich einige Minuten länger laufen müssten, um den Fleischbedarf der Schweiz konkurrenzlos billig zu decken», fährt er fort. Mit dem Plan von Avenir Suisse würden Familienbetriebe verschwinden und durch Agrar- und Tierfabriken ersetzt.

Berli wie Huber betonen, dass nicht die Bauern für die hohen Preise im Laden verantwortlich sind, sondern der Handel und die Verarbeiter. «Wenn es Avenir Suisse tatsächlich um günstigere Lebensmittelpreise ginge, müsste die Studie nicht bei den Bauern, sondern beim Handel und den Importeuren ansetzen», macht Huber deutlich. Bei vielen Produkten würden die Bauern nur mehr einen geringen Teil des Konsumentenfrankens erhalten. «Schuld an den hohen Fleisch-Ladenpreisen ist primär das höhere Kostenniveau der nachgelagerten Stellen, zum Beispiel wegen den Löhnen, aber auch die im Vergleich zum Ausland höheren Margen», stellt Huber klar.

«Dass die Produzenten ihre Kosten nicht decken können und ihr Einkommen weit unter dem Durchschnittseinkommen liegt, während die Margen der Grossverteiler Rekorde erreichen, ist ein Skandal dem die Initiative für Ernährungssouveränität endlich Abhilfe schaffen will», betont Rudi Beerli.

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