27.09.2019 15:57
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Lebensmittel
«Suisse-Plus» soll Bauern Mehrwerte bringen
Am Freitag wurde die Mehrwertstrategie der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft lanciert. Die Idee: Mit «Suisse-Plus» sollen gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel produziert werden, die von den Konsumenten gerne gekauft werden. Derzeit wird aber vor allen noch von Visionen gesprochen.

Seit Jahren wird an der Schweizer Qualitätsstrategie gearbeitet. In der jurassischen Kantonshauptstadt Delémont hat der Verein Qualitätsstrategie nun das Resultat ihrer Arbeit präsentiert. Und diese hören sich ambitioniert an.

Weltweit führend werden

Die Vision der Initiative «Suisse-Plus» ist es, dass die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft in den Bereichen Nachhaltigkeit, Qualität und Tierwohl weltweit führend zu machen. Die mehrjährige Initiative strebt eine kontinuierliche Verbesserung der Produktions- und Verarbeitungsmethoden an. «Einige davon können schnell umgesetzt werden, andere brauchen Zeit», so die eher unverbindliche Aussage im Communiqué.

Aufgrund der Veränderungen im Konsumverhalten sieht der Verein grosse Chancen für die hiesige Branche. Deshalb brauche es nun einen «kraftvollen Schub». «Diese Chance zu verpassen, wäre fatal. Zu gross ist der Importdruck, zu deutlich die Forderungen der Gesellschaft nach einer nachhaltigen Landwirtschaft, zu gross die Sorge der Schweizer Bauern um ihre Zukunft», heisst es in der Mittelung.  

Parmelin weist höchste Relevanz zu

Die Umsetzung der Qualitätsstrategie basiert auf der Selbstverantwortung der Produzenten- und Branchenorganisationen. Jede Branche entwickelt ihre eigene Mehrwertstrategie. Die Summe der einzelnen Massnahmen führt zur Initiative «Suisse-Plus». Der Verein umfasst sämtliche Mitglieder entlang der Wertschöpfungskette: Produzenten, Verarbeiter, Detailhandel, Konsumenten sowie Umweltorganisationen. Die Teilnahme der Akteure basiert also auf Freiwilligkeit.

Am der Lancierung teilgenommen hat auch Agrarminister Guy Parmelin. Er misst der neuen Strategie höchste Relevanz zu. «Sie das Potential, die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft nachhaltig zu verändern und in allen drei Bereichen der Nachhaltigkeit Verbesserungen zu bringen, besonders beim Klima, bei unseren Böden, und dem Tierwohl», hält der Bundesrat fest.

Mehrwerte etablieren

Auch Landwirtschaftsorganisationen erkennen in der neuen Qualitätsstrategie viel Potenzial: «Als Produzent von Milch, Fleisch, Eiern und Getreide ist es für unseren Betrieb äusserst wichtig, sicherzustellen, dass die Produktion die natürlichen Ressourcen schont und die Nachfrage der Konsumenten befriedigt», sagt Noël Saucy, Landwirt und Präsident der Fondation Rurale Interjurassienne. Das Engagement aller Akteure sei eine sehr starke Botschaft. 

Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Bauernverbandes, weisst darauf hin, dass sich die hiesigen Produktionsstandards von den ausländischen abheben. «Es muss gelingen, die Mehrwerte über verschiedene Produktionssegmente hinweg zu etablieren und besser bekannt zu machen. Hier muss die Initiative «Mehrwertstrategie» ansetzen», macht er klar. Der Weg zum Ziel ist also noch lang.

Mehr Tierschutz

Sara Stalder, Geschäftsleiterin Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, erinnert daran, dass die Bevölkerung konkrete Erwartungen an die Bauern hat. Das höchste Gut für einheimische Lebensmittel sei Vertrauen. «Mit dem vorgestellten Weg ist es möglich, deutliche Verbesserungen für klima-, boden- und umweltverträglichere Produktionsarten und auch beim Tierschutz zu erlangen», so Stalder.

Milch

Die Milchbranche präsentierte ihr am 1. September 2019 gestartetes, nachhaltiges Milchprogramm. Es basiert auf einer Charta mit 10 Punkten und die Themen und Programme, an welchen sie derzeit arbeitet, werden hervorgehoben. Fortschritte werden beim Klima, bei der Fütterung durch den Einsatz von mehr einheimischem Raufutter und bei der Senkung des Antibiotikaeinsatzes erzielt.

Getreide

Die Getreidebranche hat eine Studie zu Schweizer Brot durchgeführt, um die Erwartungen abzuklären. Die Ergebnisse werden Ende 2019 vorliegen. Der Mehrwert wird in die grundlegende Kommunikation integriert und transportiert. Dasselbe ist bei der Rapsproduktion geplant.

Obst

Die Obstbranche will sich engagieren, Chancen erkennen und den Kunden ernst nehmen. Der generierte Mehrwert sollte zwischen allen Akteuren des Sektors geteilt werden. Die neue Qualität wird sich auf die gesamte Produktions- und Vermarktungskette auswirken, so der Plan. 

Fleisch

Die Fleischbranche hat folgende Vision: Schweizer Fleisch wird in der Gesellschaft hoch geschätzt und anerkannt, weil die Schweiz international in den Bereichen nachhaltige Entwicklung und Tierschutz führend ist. Die Schweizer Bauern erfüllen mit ihren Produktionsmethoden hohe Anforderungen des Tierschutzes und der Fleischqualität. Verbesserungspotential sieht Proviande bei der Weiterentwicklung des Graslandes Schweiz. Ausserdem soll der Inlandanteil beim Kraftfutter steigen und wenn importiert wird, dann soll das Kraftfutter aus verantwortungsvollen Quellen kommen.

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